„Das schönste Bootshaus Spandaus“

Motor- und Paddelboote zusammen im Bootshaus Wax

Als ich zum Bootshaus Wax in der Dorfstraße komme, feiert dort gerade eine kleine Gesellschaft Geburtstag. Kaffee und Kuchen stehen auf dem Tisch. Zur Feier des Tages wird eine Geburtstagstour mit dem Boot gedreht. „Wir sind hier ein sehr familiäres Bootshaus“, bestätigt auch Ronald Regel, von alle nur Ronny genannt, „hier gibt es Familienanschluss und gute Kameradschaft“.

Christoph Köler vor seinem Bootshaus

Christoph Köhler vor seinem Bootshaus

Ronny hat sein Boot schon immer hier liegen. Seit zwei Jahren das Kajütboot „Odin“ eine Nixe, vorher auch kleinere. „Der Ronny ist einer der wenigen hier mit einem Holzboot“, sagt Bootshauschef Christoph Köhler,“da gibt es dann im Frühjahr immer was zu tun. Schleifen, lackieren“. Die meisten hätten heutzutage Kunststoffboote. Köhler übernahm das Bootshaus mit seiner Frau vom Schwiegervater Gerhard Wax. Der Schriftzug auf dem Schild ist der Unterschrift des Schwiegervaters nachempfunden. „Deshalb haben wir den Namen nicht geändert, das ist doch das beste Andenken, das man haben kann“, meint er. Gegründet hat das Bootshaus der Opa seiner Frau, damals unter dem Namen Kiehn. Aber wie alt ist das Bootshaus eigentlich? „Naja“, meint sie, „50, 60 Jahre bestimmt. Also meine Mutter wurde ’42 geboren, da standen die Gebäude schon“.

Momentan sind hier etwa 60 Boote eingestellt, zwölf liegen im Wasser. „Wir sind eines der wenigen Bootshäuser, in dem Motorboote und Paddelboote zusammen liegen und die Besitzer sich auch noch gut verstehen“, erzählt Köhler stolz.

Wer in der Dorfstraße oder in Klein Venedig wohnt, oder wie Ronny im Tiefwerderweg aufgewachsen ist, der hat auch ein Boot. Und wenn es nicht direkt vor der Haustür liegen kann, kommen Bootshäuser wie das von Christoph Köhler ins Spiel.

Wer hier wohnt, nennt auch ein Boot sein eigen, egal ob groß oder klein

Wer hier wohnt, nennt auch ein Boot sein eigen, egal ob groß oder klein

Ronny war früher einmal Matrose in der Binnenschifffahrt, da kommt man vom Wasser nie wieder los. Kurz vor seinem Kapitänspatent, traf er dann seine große Liebe und verließ das Schiff. „Als Matrose ist man immer auf Reisen“, erklärt er, „Holland, Belgien, Frankreich“. Auf Rhein, Neckar und Main war er auch unterwegs. „Als Matrose muss man sich um Schiff und Verladung kümmern“, erklärt er, „man muss auch Steuern können denn der Schiffsführer will ja auch mal essen oder schlafen. „Und was noch?“, will ich wissen. „Da rufen wir mal meinen Bruder“, sagt Ronny, „der ist nämlich auch Matrose gewesen“. „Wo ist der Volker“, wird gerufen. Einmal ausfindig gemacht meint der lapidar, „vor allem muss man nach dem Aufstehen Kaffee kochen“. Aber das müsse dann doch nur einer, bei drei Leuten an Bord, zwei Matrosen und ein Schiffsführer, koche einer Kaffee und der andere mache Morgens die Maschine fertig. „Das ist nicht wie beim Auto so einfach mit Schlüssel umdrehen“. Da müsse Öl vor gepumpt werden und das Seeventil geöffnet. Es sei schon was zu tun.

Erst nach der Wende haben sich hier in Spandau viele Anwohner Boote angeschafft. „Durch die Hoheitsgebiete der DDR durfte man ja früher mit dem Sportboot nicht“, erklärt Ronny. „Das Boot wurde dann mit einem Kran in einen Frachter geladen oder durch die DDR geschleppt“. Erst im Westen habe man aus eigener Kraft weiter fahren dürfen. Nach der Wende durfte man die Gewässer dann selbst durchfahren. „Da habe ich mich natürlich sehr gefreut“. Vor zwei Jahren hat er mit der Odin dann auch mal eine kleine Reise unternommen. „Die Havel runter nach Brandenburg, über

Ronny in seiner "Odin"

Ronny in seiner "Odin"

Magdeburg und dann durch die neue Schleuse und die Elbe stromabwärts bis Havelberg“, erzählt er. Von dort ging es dann über die Havel zurück nach Hause. Den Elbe-Havel-Kanal habe er jedoch kaum wiedererkannt. „Dort gibt es jetzt drei Schleusen und die Brücken sind viel höher gelegt wegen der großen Schiffe“.

Heute kann die „Odin“ leider nicht raus. „Elektrische Probleme, mein Bruder Michael baut gerade einen neuen Sicherungskasten ein“, meint Ronny. „Noch ein Bruder? Ist das denn hier ein Familientreffen?“. Ronny und Michael bejahen, „dort drüben im Boot fährt unsere Nichte, wir haben auch noch zwei Schwestern“. Also alles in Familienhänden im Bootshaus. Als ich gehe sitzen die Damen immer noch beim Kaffee und bieten mir die Reste des Kuchens an. „Das ist Ideal, wenn man keinen Garten zuhause hat“, meinen sie, „und so familiär“. „Im schönsten Bootshaus Spandaus“, wie Ronny es stolz nennt.

Kirsten Stamer


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