50 Jahre nach dem Mauerbau – Heute ein Freizeit-Vergnügen

Eine Tour auf dem Mauerradweg in Spandau

Mauerradweg, Badestelle Bürgerablage

Mauerradweg, Badestelle Bürgerablage

Wir starten an der Bürgerablage in Richtung Kladow. Fast 30 Kilometer liegen vor uns. Heute ist es eine normale Badestelle mit rustikaler Gasstätte (Jagdhaus). Kaum ein Badender macht sich  Gedanken darum, wie es vor etwas über zwanzig Jahren hier aussah. Baden unter dem Blick der DDR-Grenzboote war angesagt. Wer hier in die falsche Richtung schwamm, konnte schnell Ärger bekommen. Nur wenige Schritte weiter begann die Grenze. Heute muss man erst ein Stück bis nach Niederneuendorf fahren, um ein Relikt der ehemaligen Grenzanlagen, einen Grenzturm, zu erblicken. Direkt an der ehemaligen Grenze weisen nur ein paar Hinweissäulen auf die Vergangenheit hin. Erlengrund und Fichtewiese waren zwei Westberliner Exklaven auf DDR-Gebiet. Ihre Bewohner konnten nur mit DDR-Sondergenehmigung über eine schmale Pforte das Gelände betreten.

Wir folgen dem ausgeschilderten Weg entlang der Niederneuendorfer Allee durch dichten Wald in Richtung Schönwalde. Dabei passieren wir den Oberjägerweg an dem ein Mahnmal auf den Mauertoten Adolf Phillip hinweist. Kurz danach wird das Gelände offener. Eine Stromtrasse führt entlang der ehemaligen Grenze. Damals sollte Berlin an das Westdeutsche Stromnetz angeschlossen werden.

Kurz vor Schönwalde können wir vom Laßzinsee nur über zwei Aussichtsplattformen etwas wahrnehmen. Seltene Vögel brüten hier. Nördlich davon befanden sich zu DDR-Zeiten Felder die unter einer „imperialistischen Kartoffelkäferplage“ litten – angeblich Nachts mit dem Flugzeug abgeworfen.

An der Steinernen Brücke bei Schönwald erinnert ein Denkmal an den Mauerfall. Uns zieht es weiter, am Nieder-Neuendorfer Kanal entlang in Richtung Eiskeller. Eis wird hier schon lange nicht mehr gelagert. Der zu Mauerzeiten äußerst beliebte 5 Kilometer lange Rundweg ist ein „Opfer“ des Mauerfalls geworden.

Mauerradweg: für Radler, Wanderer und Skater gleichermaßen

Mauerradweg: für Radler, Wanderer und Skater gleichermaßen

Darum radeln wir nun direkt durch den Spandauer Forst, immer auf einem asphaltierten Weg. Den alten Grenzstreifen kann man nur noch erahnen. Seit 1999 und 2000 sind beide Seiten des Waldes zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Kleine steile Steigungen machen die Tour hier zu einem besonderen vergnügen, geht es danach doch immer wieder rasant bergab.

Auf der Höhe Falkenseer Chaussee hat uns die Großstadt wieder. Zwischen „Geschichtspark“ Falkensee, dem ehemaligen KZ-Außenlager Sachsenhausens und der Spektelake hindurch führt uns die Strecke über den Finkenkruger Weg an der Gartenstadt Staaken vorbei bis zur Dorfkirche Alt Staaken am Nennhauser Damm.

Hier biegen wir links ab in den Weg am Bullengraben, um dann gleich wieder links über die Bergstraße zu den beiden Hahnebergen zu gelangen. Einer „versteckt“ eine Festung, der andere, 70 Meter hoch aus Schutt errichtet, ist beliebtes Ausflugsziel mit einen grandiosen Ausblick in die Umgebung – auch in die Sterne, wenn man das Fernrohr der Sternwarte nutzt. Der alte Grenzübergang Heerstraße ist fast spurlos verschwunden.

Weiter geht es entlang der Potsdamer Chaussee an den ehemaligen Rieselfeldern vorbei zum Gutspark Groß-Glienicke. Das Luftwaffenmuseum auf dem ehemaligen Flugplatz Gatow lassen wir dabei links liegen. Hier könnten wir einen ganzen Tag zubringen, um alte Militärtechnik zu betrachten. Der See selbst war zu Mauerzeit geteilt. Eine Hälfte kam über einen Gebietstausch zum Westen. Wer als Schwimmer bewusst oder unbewusst die unsichtbare Grenze in der Mitte überschritt, musste damit rechnen, von den Grenzern „eingesammelt“ zu werden. Manch einer machte sich einen Spaß daraus … In jüngster Vergangenheit haben Auseinandersetzungen mit einigen Anrainern eine Passage am See unmöglich gemacht.

Uns zieht es weiter durch den Wald über die Sakrower Landstraße bis zum Fraenkelschen Garten am Lüdicke Steig. Am Wochenende kann man hier selbstgebackenen Kuchen im Café genießen. Ein Katzensprung weiter und schon sind wir am Ende der Tour. Die Uferpromenade in Kladow an der Imchenallee ist ein Tummelplatz für viele Berliner, die mit der BVG-Fähre von Wannsee kommend eine gemütliche Zeit am Hafen verbringen möchten.

Ralf Salecker


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