Akzeptanz und Respekt, alles könnte so einfach sein

Spandauer Dialog der Religionen

8. Dialog der Religionen (Foto: Ralf Salecker)

Der 8. Dialog der Religionen, diesmal in der katholischen Kirche St. Marien, widmete sich dem Thema Akzeptanz und Respekt. Referenten im sehr gut gefüllten Saal waren Prof. Dr. Andreas Götze (Landespfarrer für den interreligiösen Dialog – Ev. Landeskirche), Pater Alois Schmid (Ansprechpartner für den christlich-muslimischen Dialog – Erzbistum Limburg) und Ender Cetin (Öffentlichkeitsreferent des Dachverbands DITIB Berlin, Vorstandsvorsitzender der Sehitlik Moschee).

Übergriffe verstärken sich

Seit einiger Zeit sind verstärkt Übergriffe auf Vertreter des jüdischen Glaubens wie auch auf muslimische Gotteshäuser zu verzeichnen. Ganz offensichtlich scheint die offene Präsenz religiöser Symbolik bei manchen besonders niedere Instinkte zu wecken. Akzeptanz und Respekt scheinen für einige keinen Wert mehr zu haben. Ender Cetin z.B. muss immer wieder erleben, wie Hasstiraden auf seinem Anrufbeantworter landen. Früher noch aus dem Dunkel der Anonymität, heute immer offener.

Gleich am Anfang wurde die provokante Frage gestellt, ob für viele Tolerieren eher Dulden als Respektieren bedeute. So wären dann auch manch extreme Diskussionen in der Beschneidungsdebatte erklärlich. Selbst konservative Medien bekleckerten sich nicht unbedingt mit Ruhm. Insgesamt scheint es keinen „Mut“ mehr zu brauchen, um sich heute rassistisch zu äußern. Schubladenhaftes beurteilen von Religionen, Religiosität oder kulturellen Eigenarten entwickelt sich anscheinend zum Normalfall. Bücher, wie die von Sarrazin oder Buschkowsky tragen ihren Teil dazu bei.

Religion ist keine Privatsache

Für viele ist Religion Privatsache. Andreas Götze wies solch einen Standpunkt weit von sich. Vielmehr bedeutet gerade das Private dabei für ihn den Nährboden von Fundamentalismus, weil ein aktiver Austausch untereinander fehlt. Es hilft auch nicht, Toleranz von oben zu verordnen, sie kann und muss ausschließlich aus dem Inneren kommen.

Niemand sollte den eigenen Glauben als den allein selig machenden verstehen. Nichts spricht gegen sie enthusiastisch zu leben. Gleiches gilt für kulturelle Eigenheiten. In der Migrationsdebatte wird gerne eine absolute Assimilation verlangt, dabei wird gerne vergessen, dass gerade kulturelle Vielfalt den Reiz des Zusammenlebens ausmacht, betonte Pater Alois, weswegen Ökumene für ihn eine unbedingte Notwendigkeit darstellt um zu einem konstruktiven Dialog oder auch Trialog zu gelangen, wenn alle drei Weltreligionen miteinander friedlich an einem Tisch sitzen wollen.

Überraschende Koraninterpretationen

Ender Cetin überraschte viele, als er Interpretationen des Korans beschrieb, nach denen der Respekt vor anderen Menschen, auch denen anderen Glaubens, gleichzeitig den Respekt vor dem Schöpfer und der Schöpfung bedeuten würde. Religiös motivierte Intoleranz wäre demnach eine Verletzung des Glaubens.

Um die Basis für ein Miteinander zu festigen, ist es für Vorstandsvorsitzenden der Sehitlik Moschee unabdingbar, erst einmal das Positive und die Gemeinsamkeiten zu betrachten. Ohne einen grundlegenden Respekt voreinander sind Konflikte vorprogrammiert.

„Es gibt keinen Zwang im Glauben“ ist eine weitere überraschende Interpretation des Koran. Genau an diesem Punkt stellt sich die grundlegende Frage, wem wir – egal in welcher Religion – gestatten, Worte zu interpretieren und als Maßstab für unser Zusammenleben zu machen. Letztendlich liegt es an uns selbst, was wir daraus machen.

Dazu passt die bildhafte Vorstellung, wenn einer mit einem Finger abfällig auf einen anderen zeigt, sollte er sich bewusst sein, dass gleichzeitig drei Finger auf ihn selbst zeigen …

 

Ralf Salecker


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