Altern beginnt mit der Geburt

Bei der Seniorenfachtagung der Spandauer SPD waren Rente und Gesundheit die entscheidenden Themen

Neben dem Wegfall der Praxisgebühr und der Einführung des Betreuungsgeldes, welches weiterhin für Diskussionen sorgt, steht für 2013 auch eine weitere Kürzung des Rentenbeitrags in Aussicht. Diese ist jedoch kein weiteres Geschenk der Bundesregierung sondern gesetzlich geregelt: Der Beitragssatz muss einem Automatismus zu Folge gesenkt werden, wenn die Rücklagen anderthalb Monatsausgaben übersteigen. Demnach könnte der Beitragssatz von derzeit 19,6 Prozent auf bis zu 18,9 Prozent sinken. Sehr zum Ärger der Rentnerinnen und Rentner – aber auch die Sozialdemokraten sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund äußern Bedenken.

Mit Vorträgen zu Gesundheit und Rentenkonzept begann die Seniorenfachtagung.

Mit Vorträgen zu Gesundheit und Rentenkonzept begann die Seniorenfachtagung.

Bereits bestehende Altersarmut

Bei der Seniorenfachtagung der Spandauer SPD im Evangelischen Johannisstift erläuterte deren neuer Landesvorsitzender Dr. Jan Stöß die Bedenken und Probleme beim angestrebten Rentenkonzept. Durch demographischen Wandel und einem erfreulichen Älterwerden der Gesellschaft ist die gesetzliche Rentenversicherung nach deren Ansicht weiterhin die einzig verlässliche Altersvorsorge. Die Riester-Rente hingegen, welche als sicher und unantastbar angepriesen wurde, bietet nach falschen Anlagen, unter anderem in „sicheren“ Staatsanleihen, wenig Sicherheit. Während nun der Geldbeutel der einzahlenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber entlastet werde, ist mit dem geplanten Rentenniveau die Lebensleistung der Rentnerinnen und Rentner kaum noch gewürdigt. Allein in Berlin beziehen schon jetzt 22.000 Menschen eine Grundsicherung anstatt von der Rente leben zu können. Auch Neben- und Minijobs müssen immer häufiger in Anspruch genommen werden.

Steigern statt Senken

Nach Ansicht der Berliner SPD und des Deutschen Gewerkschaftsbundes müsste der Rentenbeitrag anstatt gesenkt kontinuierlich um 0,2 Prozent jährlich bis auf insgesamt 22 Prozent gesteigert werden um auch den zukünftigen Generationen eine Alterssicherung auf dem Niveau von den momentanen 51 Prozent des Durchschnittsverdienstes zukommen lassen zu können. Nach aktuellem Rentenrecht soll das Niveau jedoch auf 43 Prozent vor Steuern bis 2030 fallen. Schon jetzt äußerten die Rentnerinnen und Rentner auf der Veranstaltung deutlich ihren Unmut und fühlen sich betrogen. Der Automatismus der Beitragssenkung wird hingegen gerade von der Wirtschaft bevorzugt.

Dr. Jürgen Wismach, Vorsitzender der Kommission Gesundheitssport beim Landessportbund und Präsident des Berliner Sportärztebundes

Dr. Jürgen Wismach, Vorsitzender der Kommission Gesundheitssport beim Landessportbund und Präsident des Berliner Sportärztebundes, informierte über die Vorteile des Sports für die Gesundheit. Fotos (2): Patrick Rein

Gesund alt werden

Ein ganz anderes Thema verfolgte hingegen der einleitende Vortrag von Dr. Jürgen Wismach, Vorsitzender der Kommission Gesundheitssport beim Landessportbund und Präsident des Berliner Sportärztebundes. Dieser plädierte dafür, dass es nie zu spät sei um sich sportlich zu betätigen. Ein breites Angebot für die älteren Generationen bietet dabei die Initiative Gesundheitssport des LSB mit einer entsprechenden Broschüre. Von Berlins 6000 niedergelassenen Ärzten unterstützt bereits ein Drittel die Initiative. Seine Beitrag beendete er passend mit den Worten: „Werden sie gesund alt, versuchen sie gesund zu sterben.“

Patrick Rein


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