Altkleider-Container in Spandau scheinen die neue Seuche neben Spielhallen zu sein


Kann denn Spenden Sünde sein?

Altkleider-Container in Spandau

Altkleider-Container in Spandau

Das Frühjahr lockt in Spandau. Neue Kleider-Kollektionen stehen ins Haus. Alte Kleidung muss also irgendwo hin.

Gerade haben wir das größte Christliche Fest hinter uns liegen. Eine christliche Tugend, die es auch in anderen Religionen gibt, ist das Geben. Wenn Menschen etwas spenden, dann tun sie es in dem Glauben, Gutes damit zu bewirken. Jeder setzt voraus, dass die Spende bei den Bedürftigen landet und – ganz wichtig – dass sich niemand daran bereichert.

Wer in Spandau und Berlin aufmerksam durch die Straßen geht, dem ist sicherlich die wundersame Vermehrung der Altkleider-Container aufgefallen. Auf den ersten Blick scheint dies ein ganz besonders netter Service der Aufsteller zu sein. Kurze Wege erleichtern die Entscheidung, Altkleider auch wirklich in die Container zu bringen. Für den Müll sind sie aus vielerlei Gründen zu schade.

Riesige Mengen an Alttextilien fallen pro Jahr an

Schauen wir uns einmal die Zahlen an. Pro Jahr werden in Deutschland etwa 1,5 Milliarden Textilien aussortiert. Diese bringen ungefähr 750.000 Tonnen auf die Waage. Trotzdem landet immer noch ein großer Teil im Hausmüll. Jeder Berliner soll rund 12 Kilo Textilien pro Jahr entsorgen. Das ergibt 36.000 Tonnen im Jahr.

In Berlin stehen nach groben Schätzungen etwa 10.000 dieser Container. 1.500 davon haben eine offizielle Genehmigung durch die Bezirke. In Spandau soll es nur 12 offiziell genehmigte Standplätze geben. Weitere wurden vor einiger Zeit ausgeschrieben. Das Deutsche Rote Kreuz hat nach eigenen Angaben das dichteste Sammelnetz in ganz Deutschland. Der überwiegende Teil der Container scheint also illegal oder auf Privat-Gelände zu stehen. Wenn ich mir mein direktes Wohnumfeld betrachte, dann stehen in einem Radius von 100 Metern etwa 20 Container …

NDR-Reportage „Die Altkleider-Lüge“

In der NDR-Reportage „Die Altkleider-Lüge“  wurden, wie schon in anderen Dokumentationen zum Thema Altkleider, schwere Vorwürfe erhoben. So wird angeprangert, dass die Sammlung nur zu einem sehr geringen Teil Bedürftigen zu Gute kommt. Ferner sollen die meisten Container-Aufsteller „Etikettenschwindel“ betreiben. Auf vielen Container prangen die Logos und Schriftzüge karitativer Einrichtungen. Diese hätten aber nur das Recht lizensiert, unter deren Namen zu sammeln. Andere täuschen durch mitleiderregende Formulierungen „Gute Taten“ vor. In Wirklichkeit soll eine immer größer werdende Industrie viel Geld mit den Sammlungen verdienen. Die meisten Alttextilien landen auf den Fließbändern privater Firmen, wo sie von Billiglohnkräften sortiert werden. Nach Recherchen des NDR hat die Flut von europäischen Altkleidern in einigen afrikanischen Ländern deren komplette Textilindustrie vernichtet. Zehntausenden Menschen wurde so ihre Existenzgrundlage genommen.

Bei solchen Beschreibungen klingt folgendes wie blanker Hohn:

DRK: „Studien des Fachverbands FairWertung in Kamerun und Tansania haben ergeben, dass die Altkleidermärkte gerade von Geringverdienern in diesen Ländern gut angenommen werden. Im Gegensatz zur lokal produzierten Kleidung, die oft eher Kunsthandwerk als Gebrauchsware ist, sind die importierten Altkleider auch für arme Menschen dort noch erschwinglich.“

Das Deutsche Rote Kreuz nahm in „10 Fragen und Antworten zur NDR-Reportage „Die Altkleider-Lüge“ Stellung zu den Recherchen des NDR

U.a.. wurde folgendes angegeben: „Ein Großteil unserer Kreisverbände, die nicht selbst sammeln, kooperiert mit der Verwertungsfirma Efiba. Nach Auskunft des Unternehmens gehen rund 40 Prozent der durch Efiba gesammelten Kleider nach Afrika, über 40 Prozent gehen nach West- und Osteuropa, es folgen der Nahe Osten und Asien. Rund 20 Prozent der Ware wird recycelt und zu Dämmstoffen und Füllmaterialien weiterverarbeitet. Weitere Auskünfte erteilt Johann Villavicencio, Tel: 04531 / 171641 (Pressesprecher der Efiba-Muttergesellschaft SOEX).“

Dreiste Container-Aufsteller

Containeraufsteller werden immer dreister. Im letzten Jahr musste ein Unternehmen vor einem Gericht in Spandau eine herbe Niederlage einstecken. Das Unternehmen verlangte zuvor die Genehmigung 77 Container in Spandau aufstellen zu dürfen. Der Bezirk erteilte die geforderte Genehmigung aus gutem Grund nicht. In der Folge wurden die Container einfach illegal aufgestellt, wogegen der Bezirk rechtlich mit einer Räumungsaufforderung vorging. Das von der Firma angerufene Gericht bestätigte die Richtigkeit der Vorgehensweise des Bezirkes.

Nicht nur in Spandau sondern in ganz Berlin versuchen die Bezirksämter gegen den Wildwuchs an Containern vorzugehen. In einigen Bezirken werden solche Container rigoros entfernt. Die Spandauer Piraten hatten vor einiger Zeit eine kleine Anfrage in die BVV eingebracht, in der sie u. a. forderten:

„Es muss für den Bürger klargestellt werden (z.B. durch Beschriftung am Container, Kampagne, …), ob man durch die Kleider-Spende ein kommerzielles Unternehmen reich macht bzw. wer Nutznießer der Spende ist. Dann kann jeder Bürger selbst entscheiden.“

Begründung:

Unter dem Begriff “Altkleider-Lüge” berichten öffentlich-rechtliche Medien in den letzten Jahren immer wieder darüber, wie Bürger getäuscht, Altkleider in Fliegern um die halbe Welt transportiert und in den Ziel-Ländern Industriezweige zerstört werden. Der mündige Bürger soll hier selbst erkennen können, wem genau er seine Spende anvertraut und was damit geschieht.

Bevor jemand also seine alten Textilien einem guten Zweck zuführen möchte, sollte sich vorher genau informieren, was damit geschieht.

 

Ralf Salecker

 

Uneingeschränkt empfehlenswerte Abgabestellen für alte aber gebrauchsfähige Kleidung in Spandau sind u. a.:

Hemd und Hose

  • Ev. Zuflucht-Gemeinde
  • Westerwaldstr. 16
  • Öffnungszeiten sind immer mittwochs von 15–18 Uhr.
  • Kleiderspenden werden vormittags im Gemeindebüro oder nach telefonischer Absprache, 030/372 25 23, gern entgegengenommen.

Oxfam Shop Berlin-Spandau

  • Carl-Schurz-Straße 53
  • 13597 Berlin-Spandau
  • Tel: 030 – 36 75 72 45
  • Öffnungszeiten:
  • Mo – Fr: 9.30 – 18.00 Uhr
  • Sa: 10.00 – 14.00 Uhr
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RSSComments (1)

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  1. Die Spandauer PIRATEN arbeiten gerade an einem “Container-Melder”, also einem Erfassungs- und Anzeige-System (Google Maps) für im Bezirk aufgestellt Container.

    Alles noch sehr rudimentär, aber so ist das eben, wenn man ehrenamtlich in der Freizeit an solchen Dingen arbeitet.

    Ganz unten auf der Seite:

    http://www.piraten-fraktion-spandau.de/2012/02/04/nicht-registrierte-altkleidersammelcontainer/

    Sobald das “steht” werden wir es bekannt machen und freuen uns über fleissige Meldungen der Spandauer Bürger …

    LG Emilio

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