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Auf zu neuen Ufern, hieß es an der Grenze zu Spandau


4. Groß-Glienicker Seekonferenz

Andreas Menzel, Grüner aus Groß Glienicke und Christoph Sonnenberg-Westeson, Grüner aus Spandau [1]

Andreas Menzel, Grüner aus Groß Glienicke und Christoph Sonnenberg-Westeson, Grüner aus Spandau

„Chancen und ökologische Verträglichkeit von Uferwegen“ stand als kleine Überschrift auf dem Infozettel zur Veranstaltung. In der Aula der Hanna von Pestalozza Grundschule in Groß Glienicke fanden sich trotz des regnerischen Wetters ein paar Interessierte ein.

Andreas Menzel, von Bündnis 90/Die Grünen freute sich in seiner Begrüßung über die zahlreich erschienenen Gäste und wurde gleich aus dem Publikum korrigiert, dass es doch viel zu wenig wären.

Das Hauptthema der 4. Groß-Glienicker Seekonferenz waren die Uferwege.

Vor allem sollte geklärt werden, wie das Ufer für alle erlebbar ist. Diese Frage ist besonders in Groß Glienicke von besonderer Brisanz, da hier seit 2009 ein erbitterter Streit um genau diesen Uferweg herrscht, der Teil des Berlin umfassenden Mauerradweges ist. Einige Grundstücksbesitzer haben 2009 den Zugang zu diesem Weg gesperrt. Ab März 2010 geschah dies an weiteren Stellen. In den darauf folgenden Demonstrationen wurde ein freier Zugang zum See gefordert. Der Streit eskalierte. Anzeige und Gegenanzeigen waren an der Tagesordnung. Einige Pflanzensperren konnten vom Grünflächenamt „unter Polizeischutz“ entfernt werden, weil sie dem herrschenden Bebauungsplan widersprachen. Ein Katz- und Mausspiel nahm seinen Gang, als nach vielen Monaten des Streits auf Anordnung der Behörde bestehende Sperren entfernt werden sollten. War eine Sperre endlich beseitigt, erschien prompt die nächste. Nun soll zum letzten Mittel – der Enteignung – gegriffen werden, um den bestehenden Bebauungsplan umzusetzen. Die Dienstbarkeit eines 4 Meter breiten Weges, der nur in Teilbereichen dem alten Kolonnenweg entspricht, soll in das Grundbuch eingetragen werden. 2,7 Millionen Euro sind insgesamt dafür vorgesehen.

Neue Regelungen des Brandenburger Naturschutzgesetz

Gleich zu Anfang der Informationsveranstaltung stellte Matthias Zerbel, ein Jurist vom Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Abteilung Naturschutz neue Regelungen des Brandenburger Naturschutzgesetzes vor. Dabei geht es vor allem um freie Uferbereiche innerhalb von Ortschaften. Es soll Gemeinden ermöglichen über eigene Satzungen Durchgangsbereiche über Grundstücke zu ermöglichen, auch gegen den Willen der Eigentümer.

Uferweg auf Spandauer Seite

Frau Hube, vom Naturschutz- und Grünflächenamt Spandau stellte die Uferwegüberlegungen für die Spandauer Seite des Glienicker Sees vor. Dort ist es bisher unmöglich, am Ufer entlangzuwandern. Einzig an zwei Badestellen ist der Zugang zum See gesichert. Seit dem 1. Januar ist Spandau stolzer Besitzer der Berliner Hälfte des Sees. 255.000 Euro wurden dafür gezahlt. Der Bezirk übernahm damit die Verantwortung für die Wasserqualität auf Spandauer Seite, schließlich soll der See nach EU-Vorgaben bis 2014 eine gute Wasserqualität aufweisen. Eine intensive Bebauung und Nutzung in Teilbereichen führt zu hohen Nährstoffeintrag in den See. Regenwasser aus dem Straßenland kann bisher ungehindert in den See fließen. Nach einem Gedankenspiel, welches Frau Hube vorstellte könnte der Bezirk Grundstücke erwerben, über die ein zukünftiger Weg führen soll. Im Ausgleich dafür erhielten die Grundstücksbesitzer die Möglichkeit, diese Grundstücke zu bebauen, was bisher nicht möglich ist. Ein Seezugang würde indirekt den Wert aller Grundstücke in der Nähe steigern, weil die Qualität der Umgebung damit zunehme, ein Vorschlag, der auf lautstarken Widerspruch stieß.

Die Wasserqualität

Die Wasserqualität des ehemals überdüngten Sees scheint nach dem Bericht von Frau Köhler von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt nicht allzu schlecht zu sein. Zu Beginn der 90er Jahre war dies deutlich anders gewesen. Wichtig ist es, die Einleitung von Oberflächengewässern auf beiden Seiten des Sees zu minimieren.

Das Regenentwässerungskonzept der Berliner Wasserbetrieben soll dies zukünftig minimieren. Dazu werden in der Uferpromenade und am Seekorso oberirdische Regensammelmulden geschaffen, über die das Wasser gesammelt und versickert werden kann. Im benachbarten Straßenbereich soll das Regenwasser in unterirdischen Röhren gesammelt, auf dem ehemaligen Golfgelände vorgereinigt und anschließend auf der nahen Halbinsel versickert werden.

Irgendwann könnte so der See zu einem begehrten Tauchparadies werden.

Schlussworte

Ganz am Schluss zeigte sich in einer Frage und der Antwort darauf, wie nahe Wunsch und Frust beieinander liegen. „Wann wird es wieder einen freien Uferweg geben?“ Der Gastgeber Andreas Menzel war der Meinung, noch im nächsten Jahr könnte die Enteignung erledigt sein. Nach intensivem Nachbohren meinte der Potsdamer Jurist Klosa, das wohl eher einige Jahre realistisch wären. Klagen gegen die Enteignung durch mehrere Instanzen sind zu erwarten.

Eine wütende Stimme aus dem Publikum meinte, dann müsse man dies wohl selbst in die Hand nehmen. Wieder ein anderer warf ein, wenn dort eine Straße gebaut werden würde, wäre die Enteignung sicherlich in zwei Monaten über die Bühne. Das Geschehen wird die Gemüter also noch lange erhitzen.

 

Ralf Salecker