Barrierefreie Spandauer Altstadt touristisch erschließen

Satellitengestützt zu den Sehenswürdigkeiten Spandaus

Mit Hilfe von modernen Navigationsgeräten sollen auch Touristen mit Behinderungen Spandaus Sehenswürdigkeiten besuchen können. Dies wünscht ein Antrag, der vor kurzem in der BVV gestellt wurde. Tourismus ist ein Wirtschaftsbereich, der eines der bedeutendsten Wirtschaftssegmente der Stadt Berlin darstellt. Von diesem Kuchen möchte Spandau natürlich auch profitieren. Dafür muss aber noch eine Menge getan werden. Auch die Orientierung des Übernachtungsgewerbes in Spandau, als reine Schlafstätte für Berlin-Besucher zu dienen, ohne aktiv auf die vielfältigen Möglichkeiten im Bezirk zu verweisen, ist nicht gerade förderlich.

Barrierefrei in Spandau - Navigationsgeräte für den touristischen Einsatz im Bezirk

In der letzten Sitzung der Spandauer Bezirksverordnetenversammlung (BVV) wurde vom Bezirksverordneten Karlheinz Zesch (DIE LINKE) ein Vorschlag eingebracht, der ungeteilte Zustimmung fand. Dies zeigte sich durch Aufnahme des Vorschlags in die Konsensliste der BVV. Eine Auseinandersetzung während der BVV-Sitzung findet dann zu diesem Punkt nicht mehr statt, wenn alle einhellig der gleichen Meinung sind. Damit zeigt sich – entgegen der allgemeinen Erwartung – die Bereitschaft der Politiker,  pragmatisch handeln zu können. Erfreulich viele Punkte waren es, die diesmal dort Eingang fanden.

Karlheinz Zesch, als einziger Vertreter seiner Partei in der BVV, griff eine Idee auf, die seit Dezember 2010 in Treptow-Köpenick im Einsatz ist. Navigationsgeräte kennt jeder. Selbst Nicht-Autofahrer haben eine recht genaue Vorstellung von deren Einsatz. Satellitengestützte Navigation ist ein seit Jahren erprobtes Verfahren, um sich in weniger bekanntem Gelände orientieren zu können.


Ein wachsende Markt-Segment ist die Nutzung im Qutdoor-Bereich. Radfahrer und Wanderer lassen sich von modernster Technik zu einem Ziel leiten. Mit zusätzlichen regionalen Informationen versehen, bieten sie einen eindeutigen Mehrwert.  Konventionelles Kartenmaterial scheint bald ausgedient zu haben – könnte man fast meinen – weil der Nutzer immer wissen muss, wo er sich befindet. Moderne Navigationssysteme kennen, dank Satellitenortung, immer ihre genaue Position.

Treptow-Köpenick ist, ebenso wie Spandau ein Rand-Bezirk in Berlin. Von den stetig ansteigenden Touristenströmen gelangt nur ein sehr kleiner Teil dorthin. VisitBerlin, ehemals „Berlin Tourismus Marketing GmbH“ wirbt so erfolgreich für den zentralen Bereich Berlins, das sich nur ein geringer Teil der Touristenströme in die Bezirke „verirrt“. An mangelnden Angeboten dort kann es nachweislich nicht liegen. Auch Spandau muss dies immer wieder schmerzlich feststellen. Darum ist jede Maßnahme von Bedeutung, die das Angebot für potentielle Spandau-Touristen attraktiver werden lässt.

Schwerbehinderte Menschen machen im Bundesdurchschnitt etwa 10 Prozent der Bevölkerung aus, dies gilt auch für Spandau. Barrierefreie Zugänge erreichen aber viel mehr Menschen, als man gemeinhin annimmt. Dazu Gabriele Schöttler, die Bezirksbürgermeisterin von Treptow-Köpenick: „Barrierefreiheit kommt nicht nur den mobilitätsbehinderten Menschen, sondern allen, insbesondere auch jungen Familien mit Kinderwagen zugute.“

Was aber hat der Bezirk Treptow-Köpenick gemacht?. Dazu Michael Diehl, von der Pressestelle des Tourismusverein Berlin Treptow-Köpenick: „Gemeinsam mit dem Geographischen Institut der Humboldt-Universität, der Bezirksbeauftragten für Menschen mit Behinderung im Bezirksamt, mit Verbänden und Fachfirmen wurde ein barrierefreier Stadtrundgang für Alt Köpenick konzipiert. Dazu sind nahezu alle öffentlich zugänglichen Einrichtungen auf der Altstadtinsel hinsichtlich ihrer Eignung für Menschen mit Behinderung untersucht worden. Diese Informationen gingen ein in eine neue Altstadtführung mit einem Multi-Media-Guide. Auf diesem GPS-gestützten Medium mit berührungsaktivem Bildschirm und Kopfhörern sind informativ-unterhaltsame Texte – gesprochen und in Schriftform – gespeichert sowie Bilder der Sehenswürdigkeiten für insgesamt 17 Stationen in Alt-Köpenick. Wer nichts hört, kann die Beschreibungen in Gebärdensprache verfolgen oder auch Texte mit Bildern zu den Stationen auf dem Display ablesen. Wer schlecht sehen kann, erhält akustische Wegweisungen und Erläuterungen für eine Tour durch die historische Altstadt. Die Route wurde so gelegt, dass sie, von der Touristeninformation aus, barrierefrei und damit auch rollstuhlgerecht durch Alt Köpenick verläuft.“

Noch ist es zu früh, um belastbare Aussagen zum Erfolg der neuen Technik machen zu können. Nach kleineren Korrekturen, in Rücksprache mit den Nutzern, die es in einer kostenlosen Testphase erproben konnten, wartet es nun auf den Beginn der warmen Jahreszeit.
Trotzdem hat sich die Idee herumgesprochen. Täglich kommen Anfragen von überall her. Eine gut besuchte Informationsveranstaltung, an der vor kurzem mehr als 50 Vertreter von Betroffenen, aber auch Tourismus-Unternehmen teilnahmen, zeugt vom großen Potential der Idee – nicht nur für Behinderte.

In Spandau wird bisher ein rein akustisches System auf der Zitadelle genutzt. Mit Hilfe eines Audio-Guides können Touristen sich in mehreren Sprachen über die Zitadelle informieren lassen. Es ist Spandau zu wünschen, wenn der Bezirk möglichst bald das Potential eines GPS-gestützten Informationssystems auch für sich nutzt. Ohne Geld ist das alles nicht zu bewältigen. Treptow-Köpenick konnte den finanziellen Kraftakt nur mit Lotto-Geldern stemmen.

Sorgfältige umfangreiche Vorarbeiten, die den Ist-Zustand in Spandau, was die Barrierefreiheit anbelangt, bestimmen, gehören unbedingt dazu. Der Tourismusverein Berlin Treptow-Köpenick steht für alle Fragen gerne zur Verfügung. Das Rad muss nicht immer wieder neu erfunden werden. Nur wenn viele Institutionen innerhalb der Bezirke, aber auch die Außenbezirke selbst zusammen arbeiten und sich nicht als Konkurrenten empfinden, ist ein Ergebnis zu erzielen, das allen zugute kommt.
Ein entsprechendes Forschungsprojekt für Spandau sollte da doch das geringste Problem sein…  Spandaus Altstadt ist nicht nur in der Weihnachtszeit interessant, wenn Berlins größter Weihnachtsmarkt die Besucher in Scharen anlockt.

Ralf Salecker



Zu finden unter: FreizeitFreizeit & Sport

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