Berliner Märchentage in der Spandauer Jugendbibliothek


Von Regenbogenschlangen und Gelbmesserindianern

Der blau abgedunkelte Raum mit Mond und Sternen an den Vorhängen; die Sitzkissen, im Halbkreis um ein Podest mit

Michaela Uch

Michaela Uch unterstützt ihre Märchen durch die Trommel.

Trommeln und Flöten aufgebaut. Der Raum wartet nur noch auf die kleinen Zuhörer und die Märchentante. Endlich sind sie da, man hört das Lärmen durch die ganze Jugendbibliothek in Spandau. Die Jacken werden in einem Nebenraum abgelegt und los geht es in die vorbereitete Märchenstube. „Guten Morgen liebe Kinder“, begrüßt die Bibliothekarin ihre Besucher. „Guten Morgen Frau…“, schallt es ihr von einer vierten Klasse zurück. Ja guten Morgen was? „Fragezeichen“, schlägt die Bibliothekarin vor. „Guten Morgen Frau Fragezeichen“. Aber nein die Bibliothekarin heißt Frau Schleef und sie stellt heute Michaela Uch vor. Uch will den Kindern heute im Rahmen der Berliner Märchentage zwei Märchen erzählen. „Das Land der unbegrenzten Märchen“, lautet in diesem Jahr das Motto. Es geht um Märchen rund um und in Amerika. „Märchenland – Deutsches Zentrum für Märchenkultur“ veranstaltet jeden Herbst die Berliner Märchentage um Märchen am Wohn- und Schaffungsort der Gebrüder Grimm zu erhalten. Dabei war es in diesem Jahr gar nicht klar ob die Märchentage überhaupt stattfinden würden. „Dem Märchenland ist Vattenfall als großer Investor abgesprungen und es mussten Neue gesucht werden“, erzählt Schleef. Die Suche war jedoch Erfolgreich und so werden auch in diesem Jahr an vielen verschiedenen Stellen in Berlin Märchen zu hören sein.

Ein One-Man-Märchen-Show

In Spandau geht es heute um „Wie die Sonne gestohlen wurde“ und „Die Regenbogenschlange“. Das erste Märchen kommt von den Gelbmesserindianern aus dem Norden Kanadas. Das zweite aus dem Süden Amerikas, aus Mexiko. Michaela Uch, mit

Michaela Uch-Märchentage

Mit großen Gesten hält Uch ihre kleinen Zuhörer bei der Stange. Fotos (2): Kirsten Stamer

einer Ausbildung in Sprachgestaltung und Schauspiel, bietet den Kindern eine One-Man-Show. Mit großen Gesten und unterstützt durch Trommel, Rassel und Flöte erzählt sie den Kindern in sehr klarer, betonter Sprache Geschichten rund um Indianer und Tiere. „Denn die Indianer hatten schon immer eine besondere Verbindung zu den Tieren“, erklärt sie ihren Zuhörern. Anders als in den deutschen Märchen, kämen deshalb in den amerikanischen auch viel mehr Tiere vor.

Die Kinder lernen hier also, wie der Biber zu seinem Platten Schwanz und die Wildkatze zu ihren Streifen kam: Das Bison trat dem Biber auf den Schwanz und das Blut spritzte bis zur Wildkatze, und warum der Elch eine so platte, geschwollene Nase hat: er stolperte und fiel auf sein Riechorgan. Zur Veranschaulichung, schlägt Uch ihre Trommel und stolpert zur Belustigung der Kinder wie der Elch über die Bühne. In dem zweiten Märchen erfahren die Kinder dann, wie die Vögel zu ihren Farben kamen, denn zuerst waren, nach dem Märchen, alle Vögle weiß. Nachdem der Kormoran die gefährliche Regenbogenschlange erlegt hat, beansprucht er die Haut für sich. Der Indianerhäuptling will sie ihm aber nur geben, wenn er sie wegtragen kann. Daraufhin ruft der Kormoran alle Vögel des Waldes und gemeinsam tragen sie die Haut weg. Später nimmt jeder Vogel die Farbe des Hautstückes an, das er getragen hat.

Was ist dein Lieblingsmärchen?

Nach den Märchen steht Uch den Kindern, in der Spandauer Jugendbibliothek,  für Fragen zur Verfügung. „Wo hast du das Märchen her? Hast du es dir Ausgedacht? Aus dem Internet?“, wird spekuliert. Nein, Uch hat es aus alten Büchern. Ihr Lieblingsmärchen ist „Die zwei Brüder“ der Gebrüder Grimm und die Kinder erklären ihr noch das Märchen mit den „Drei kleinen Schweinchen“. Nachdem alle Fragen gestellt sind, verlassen die Besucher befriedigt den Raum und die Märchenerzählerin fängt schrecklich an zu Husten und Schniefen. „Ich bin furchtbar erkältet“, gibt sie zu. Das hat man gar nicht gemerkt.

Kirsten Stamer


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