Bürgerbüros in Spandau, der Weg aus der Krise?

Bürgerämter leiden unter extremem Personalmangel

Stephan Machulik, Bezirksstadtrat Abteilung Bürgerdienste und Ordnung und sein Team (Foto: Ralf Salecker)

Stephan Machulik, Bezirksstadtrat Abteilung Bürgerdienste und Ordnung und sein Team (Foto: Ralf Salecker)

Wartezeiten in den Bürgerämtern und lange Schlangen sind seit Jahren nichts Neues. In Kladow und Haselhorst (Wasserstadt) hatten die kleineren Außenstellen fast häufiger geschlossen, als dass sie erreichbar waren. So empfanden es viele Bürger, die ihren Frust dann an den ohnehin überarbeiteten Mitarbeiter ausließen. Dabei ist Spandau nicht alleine. Viele Berliner Bezirke kämpfen mit ähnlichen Problemen. Da man mit den meisten Anliegen in jedem Bürgeramt Berlins sein Glück versuchen kann, entwickelte sich so etwas, wie ein kleiner „Touristenstrom ins Bürgeramt Kladow“ – die bequeme Fähre aus Wannsee machte es möglich.

Man spart sich zu Tode

Berlin hat kein Geld. Die Bezirke ebenso nicht. In der Folge gibt es seit Jahren erhebliche Personaleinsparungen im Land und den Bezirken. Manch einer meint, hier spart man sich zu Tode, weil immer weniger Leistungen erbracht werden können, die Anforderungen an die Mitarbeiter durch zusätzliche Aufgaben weiterhin zunehmen. Heinz Buschkowsky (SPD) meinte einmal: „Es ist irrsinnig, was die alles leisten sollen.“  Von 1998 bis 2010 wurde der Personalbestand aller Berliner Bezirke von 54.608 auf 24.117 reduziert, also mehr als halbiert. Die Personalprobleme werden sich kurz- und mittelfristig noch verschärfen, denn der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter lag 2010 bei 49 Jahre. Irgendwann gehen sie in Pension. Nachfolger fehlen, da kaum noch ausgebildet wird und keine geeigneten Fachkräfte existieren, die eingestellt werden könnten.

Bürgerbüro statt Bürgeramt

Bisher gab es das zentrale Bürgeramt im Rathaus, sowie die beiden Außenstellen in der Wasserstadt und Kladow. Dazu kamen drei mobile Bürgerämter und die Möglichkeit der Heim- und Hausbesuche. Da sich alle Bürgerämter ohne Personal schlicht und einfach nicht vollständig betreiben lassen, will man nun einen neuen Weg gehen, der aus der Misere der unregelmäßig geöffneten Bürgerämter führen soll. Aus den Außenstellen sollen zukünftig Bürgerbüros werden, die in neuen – kostengünstigeren – Liegenschaften untergebracht sind. Eine Kombination mit anderen Dienstleistungsangeboten des Bezirksamtes ist wünschenswert. In den Bürgerbüros werden keine Spontanbesuche mehr möglich sein. Ohne Termin geht dort nichts mehr.

Stephan Machulik, Bezirksstadtrat Abteilung Bürgerdienste und Ordnung, will so ein effizienteres Arbeiten ermöglichen, da während der Terminvergabe schon geklärt werden kann, was im Einzelfall benötigt wird, um so im Idealfall auch mehrere Besuche unnötig zu machen. Das Bürgeramt Kladow, welches seit einiger Zeit seine Pforten geschlossen hat, soll als Bürgerbüro Anfang 2013 wieder öffnen und an fünf Tagen in der Woche seinen Service anbieten.

Periodische Schlangenbildung

Im Rathaus kam es immer wieder vor, dass im Laufe des Tagesverlaufs keine Wartemarken mehr ausgegeben wurden. In der Folge kam es zu dem Phänomen, dass sich besonders dienstags und donnerstags schon lange vor Öffnung des Bürgeramtes eine Warteschlange bildete. Ein Weilchen nach Schalteröffnung entspannt sich die Lage dann wieder deutlich. Hier wäre also durchaus ein späteres Erscheinen zu empfehlen, mit weniger Wartezeit doch ans Ziel zu kommen …

 

Ralf Salecker

  • 115: Neue Nummer der Spandauer Bürgerämter

Zu finden unter: BürgeramtNews

Tags:

Artikel drucken Artikel drucken

Über den Autor:

RSSKommentare(0)

Trackback URL

Feedback

You must be logged in to post a comment.

Jetzt Neu: Kleinanzeigen in Berlin und Spandau