Circus Arena zu Gast in Spandau

Allroundkünstler mit Geschichte

Mit majestätischer Langsamkeit schreitet die Kamelstute frei am Anfang der kleinen Karawane aus drei Kamelen, einem Kaltblut und zwei Ponys. Jetzt in der Vorstellungspause ist Kamel- und Ponyreiten in der Manege angesagt. Aber auch in der

Kamelreiten in der Manege

Kamelreiten in der Manege

Vorstellung bietet der Circus Arena alles was das Herz des Zirkusfreundes höher schlagen lässt. Ob die Gebrüder Arena auf dem Todesrad in zehn Metern Höhe ihre Runden drehen, auf dem schwerfälligen Kaltblut voltigieren oder einer von ihnen auf dem Schwungseil sein Können zeigt. Immer handelt es sich um solide Artistik, fehlerfrei und mit Nervenkitzel: eben so wie es Spaß macht. Bei der Nummer mit dem Schwungseil kann einem allerdings auch schon mal das Herz stehen bleiben, wenn der junge Artist das Seil loslässt und Kopfüber nur mit eingeschlagenen Füßen von der Decke baumelt oder sich freihändig wie auf eine Hängematte legt.

Zirkustiere

Ein Traum aus 1001er Nacht war angekündigt und wurde eingehalten

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Auch die Tierdressur kann sich sehen lassen. Da wird das Shetland-Pony rückwärts unter dem Friesen eingeparkt oder der Andalusier steigt imposant. Henry Arena hat alle Tiere, vom Pferd über das Kamel zur Ziege, gut im Griff. Gleich mehrere Clowns bespaßen das Publikum. Clown Charlie will auf seiner Geige, die eine Posaune ist, ein Solo vorführen. Nur wird daraus ein Duett mit Sohn Henry. Amazing Grace schallt es auf Trompete und Posaune durch das Zelt. Charlie gibt aber nicht nur einen hervorragenden Clown ab, vor allem ist er der Chef; der „Big Boss“ wie er von manchen Mitgliedern des Familienzirkus scherzhaft genannt wird. Georg Frank, so sein bürgerlicher Name, ist noch bis zum 17. Juli auf dem Feld hinter den Spandauer Arcarden mit seinem Circus Arena zu Gast. Pferde unterschiedlichster Rassen, Hunde, Ziegen, Lamas und auch Kamele ziehen mit seiner Familie von einem Vorstellungsort zum nächsten.

Zirkusgeschichte

Er ist gern in Berlin zu Gast. Auch wenn er mit der Stadt nicht nur Gutes verbindet. „Am siebten Dezember 1957 umstellte die

Georg Frank verteilt Brot an die Kamele

Georg Frank verteilt Brot an die Kamele

Volkspolizei den gesamten Zirkus“, erzählt Frank, „um sieben Uhr in der Früh“. Damals nahmen sie seinen Vater, die ältesten Geschwister und seinen Schwager fest. Der Zirkus wurde beschlagnahmt und in den Staatszirkus Barlay in der Friedrichstraße eingegliedert. „Papa hatte den größten dressierten Elefanten Deutschlands, da waren die natürlich scharf drauf“, erzählt der Zirkuschef und holt gleich auch noch alte Fotos vom Elefanten heraus. „Hier meinen Bruder, den haben sie gezwungen dort zu arbeiten und sich um den Elefanten zu kümmern“, zeigt er auf ein Foto. Der drei Meter sechzig große Elefant war der Star im damaligen Zirkus Frankello. Nun gehörte er der DDR. Nach der Flucht in den Westen machte der Vater mit der Familie einen neuen Zirkus auf und eines Tages hieß es: „die wollen den Elefanten erschießen, kommen nicht mehr damit klar. Da hat sich mein Vater mit der Regierung in Verbindung gesetzt und den eigenen Elefanten zurückgekauft“. Bezahlt hat er damals 20.000 Ostmark und einen kleinen Elefanten.“Auf der ganzen Welt sind wir mit dem gewesen: Korea, Rotterdam, manchmal war der Elefant sieben Wochen auf dem Schiff.“ Wie denn das gehe will ich wissen, so ein großes Tier sieben Wochen auf kleinstem Raum. „Der Elefant war ein Wunder“, gibt Georg Franks Frau zur Antwort. „Er wurde behandelt wie ein eigenes Kind, wir konnten zwischen seinen Beinen schlafen.“ Heute allerdings arbeitet der Zirkus nur noch mit Haustieren. „Ich war in Marokko. Da werden Kamele gehalten wie bei uns die Kühe.“ Gibt Frank zur Auskunft und zählt sie großzügig als Haustiere mit.

Zirkusfamilie

Außerdem das Kapital des Zirkus: die eigene Familie. Fünf Söhne, eine Tochter, die dazugehörigen Schwiegerkinder, 17 Enkel und vier Urenkel zählt er Stolz auf. Drei Söhne haben sich sogar schon selbstständig gemacht. „Wir geben alles an unsere Kinder weiter, sind Allroundkünstler, wir brauchen keine Akrobaten“, gibt Frank zufrieden Auskunft. Auch er selbst ist einer von zehn Geschwistern. „Und alle gute Artisten, Handwerker und Organisatoren“, erzählt er stolz.

Wir gehen zu den 18 Pferden. Für die spektakulären Sachen gebe es heute das Fernsehen oder das Internet, erklärt Frank. „Wenn die Menschen rausgehen und sagen, dass ist schön gewesen, dann haben wir den Beweis das es ihnen gefallen hat“. Dafür müsse man aber auch immer gleich gut spielen. Egal ob 50, 100 oder 200 Gäste gekommen sind. „Für fast zwei Stunden die Sorgen des Alltags vergessen, das wollen wir bieten und in Spandau haben wir dafür ein super Publikum, die gehen gut mit“, schwärmt er.

Am Schluss der Vorstellung bittet der Chef um Mundpropaganda, „ein Wort von Ihnen ist mehr wert als 100 aufgehängte Plakate“, erklärt Frank und wünscht seinem hochverehrten Publikum noch einen wunderschönen Abend.

 

Der Circus Arena spielt noch bis zum 17. Juli zu folgenden Zeiten:

Montag bis Freitag: 17 Uhr

Samstag: 16 und 19 Uhr

Sonntag: 11 und 16 Uhr

Kirsten Stamer


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