Das Gotische Haus, ein Geheimtipp in der Spandauer Altstadt


Weg vom Weihnachtstrubel, hin zu Kunst und Handwerk

Dorothea Nerlich - Keramikerin

Alle berichten über Spandau und den größten Weihnachtsmarkt der Stadt oder gar Deutschlands. Neben den vielen bekannten Attraktionen, wie den Rummel gleich zu Anfang, die vielen Buden in der Carl-Schurz-Straße und der Breiten Straße, dem „Mittelalter“-Markt der Kunstausstellung im Gewölbekeller gibt es einen ganz besonderen Ort – das Gotische Haus.

Dabei sind es nicht die Tourismusinformation, die Ausstellung „Bürgerliches Wohnen“ oder die Ankerbausteine, die hier zum begehrten Ziel der Besucher werden. Carsten Röding hatte Anfang Dezember hier, im ersten Stock, eine kleine Geschichte für die Kleinen vorgelesen.

Bald ist der Trubel vorbei

Nun ist es nicht mehr ganz eine Woche, bis Heiligabend und Weihnachten heran sind. Dann ist es vorbei mit den Märkten. Zuvor sollte man sich unbedingt noch einen Besuch des Kunsthandwerkermarktes im Gotischen Haus gönnen. Abseits des lautstarken Trubels auf den Straßen geht es hier ganz ruhig zu. Das tut gut, nach dem Stress des Geschenke-Kaufs oder gerade, um diesem bewusst zu entgehen. Hier kann man die Seele baumeln lassen und 13 Handwerkern, Künstlern und Kunsthandwerkern über die Schulter schauen. Das Motto „Lebendiges Handwerk im Advent“ trifft es ganz genau. Dabei ist das eine oder andere überraschende Geschenk durchaus einzukalkulieren.

Kunst und Handwerk muss nicht teuer sein

Wer meint, Kunst und Handwerk sind ja viel zu teuer für den normalen Geldbeutel, wird schnell feststellen, wie falsch dieses Vorurteil ist. Handwerkliche Produkte und eben keine seelenlose Industrieware gibt es hier zu kaufen.

„Man kann erleben, wie Baumkugeln geblasen, Kerzen gestaltet, Seife hergestellt, Körbe geflochten, Keramik getöpfert, Porzellan bemalt oder Kinderspielzeug aus Holz gefertigt wird. Neben Filzarbeiten und Seidenmalerei kann man Ikonen und Bilder bestaunen.“

Dreimal Mittwochs im Advent konnten Kinder hier unter fachkundiger Anleitung ein eigens Weihnachtsgeschenk basteln. In Zeiten, in denen der Werkunterricht in den Schule mangels Geld und Fachkräften eingespart wurde, ist die Möglichkeit eine kleine Offenbarung. Es ist etwas ganz besonderes, wenn Kinder, erst ganz vorsichtig, manchmal sogar unsicher, ihr eigenes Werkstück beginnen. Am Schluss sind sie alle stolz wie Bolle …

Jubiläum

In diesem Jahr jährte sich der Handwerkermarkt im Gotischen Haus zum 20. Mal. Aus diesem Grund hatte jeder der Beteiligten einen Beitrag zu einer speziellen Weihnachts-Sonderedition geliefert. In kleiner Stückzahl und mit Zertifikat sind dabei ganz exklusive Stücke kunsthandwerklichen Könnens entstanden.

Vor 20 Jahren begann der Handwerkermarkt noch auf einer Baustelle. Heute würde solch eine improvisierte Umgebung für eine öffentliche Marktveranstaltung niemals genehmigt werden. Steinmüller der damalige Kunstamtsleiter, war mit Leib und Seele dabei, diese Veranstaltung aus der Taufe zu heben.

In all den Jahren war es vor allem die Keramik-Künstlerin Dorothea Nerlich, die viele von ihrer Werkstatt auf der Zitadelle kennen, welche mit viel Engagement diesen Markt organisiert hat. Sie ist die gute Seele, die den Markt zusammen hält.

Einige aus den ersten Tagen sind inzwischen nicht mehr dabei. Bernd Hansen, der Drechsler mit seinen Erzgebirgsfiguren oder Norbert Dobisch, der Instrumentenbauer. Sie alle hatten ihren Anteil daran, dem Handwerksmarkt etwas Besonderes zu geben. Aus diesem Grund kamen und kommen die Menschen immer wieder gerne in das alte Gemäuer, dessen wunderbares Kellergewölbe leider nicht mehr genutzt werden kann, da es nur einen schmalen Treppenzugang gibt, der einer möglichen Flucht etwas hinderlich sein könnte.

Es bleibt zu hoffen, das Spandau dieses Kleinod noch viele Jahre erhalten bleiben wird. Die begeisterten Besucher werden es danken. Sie freuen sich jetzt schon auf das nächst Jahr.

 

Ralf Salecker


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