Den ermordeten Juden einen Namen geben

Spatenstich für die Erweiterung des Mahnmals am Lindenufer

Spatenstich für die Erweiterung des Mahnmals am Lindenufer: Kay Zareh (l), Carsten Röding (m), Gudrun O'Daniel-Elmen, (r) (Foto: Ralf Salecker)

Spatenstich für die Erweiterung des Mahnmals am Lindenufer: Kay Zareh (l), Carsten Röding (m), Gudrun O’Daniel-Elmen, (r) (Foto: Ralf Salecker)

Das Mahnmal für die zerstörte Spandauer Synagoge und die ermordeten und deportierten jüdischen Spandauer Bürger bekommt endlich die geplante Erweiterung. Eine Gedenkmauer aus Ziegelsteinen, die in einem sanft ansteigenden Bogen als optische Fortsetzung des Mahnmals gestaltet wird, soll die Namen aller 115 bisher bekannten Opfer tragen.

In der Einleitung zum Spatenstich wurde der am 25.Mai verstorbenen Architektin des Mahnmals Ruth Golan Zareh gedacht, die den Spatenstich für den 2. Teil ihrer Arbeit leider nicht mehr erleben kann. Ihr Mann, der Architekt Kay Zareh wird diese Arbeit zu Ende führen. Am 9. November soll die offizielle Einweihung der fertigen Erweiterung erfolgen.

Wir wollen, dass diese Menschen nicht vergessen werden!

Das sind Worte von Grundschul-Kindern, die sich mit dem Schicksal jüdischer Familien beschäftigt hatten.

Gudrun O’Daniel-Elmen, als Vertreterin des Ev. Kirchenkreises Spandau und Carsten Röding, als stellvertretender Bürgermeister, begrüßten die zahlreichen Gäste der Veranstaltung. Carsten Röding machte noch einmal deutlich, wie wichtig es ist, die Namen der ermordeten Spandauer Mitbürger der Anonymität zu entreißen.

Ein kurzer Blick zurück

Während einer Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Novemberpogrome legten Menschen mehr als 100 handbeschriebene Feldsteine am Mahnmal nieder, die Namen der ermordeten jüdischen Mitbürger trugen. Die Opfer sollten so aus ihrer Anonymität herausgeholt werden. Damit war die Idee für die Erweiterung geboren. Die Idee, genau diese Steine im Mahnmal zu integrieren ließ sich nicht verwirklichen. Im Turm der Nikolai-Kirche werden sie einen Ehrenplatz finden.

Spandauer Firmen scheinen sich kaum für das Mahnmal zu interessieren

Rund 15.000 Euro sind bisher für die Erweiterung des Mahnmals durch eine Gedenkmauer zusammen gekommen. Den allergrößten Teil trugen Privatleute dazu bei. Das Architektenbüro Zareh hat sich mit viel unentgeltlicher Arbeit an diesem Projekt beteiligt. Von der Firma Wall wird es eine Erinnerungsstele am Mahnmal geben.

Eine Grundschulklasse aus der Spandauer Neustadt erwirtschaftete im Rahmen einer Veranstaltung das Geld für zwei Namensgedenksteine, nämlich die von Frau Simonsohn und ihrer Tochter Bela. Gleich für sechs Namensteine möchte die Kindergottesdienstgruppe der Gemeinde zu Staaken/Gemeindeteil Heerstraße-Nord die Patenschaft übernehmen.

Paten und Spender sind noch immer willkommen!

100 Euro kostet die Patenschaft für einen Namensstein. 20 von 115 Namensteinen sind noch ohne Paten. Auch kleine Spenden tragen zur Finanzierung der Gesamtsumme von 65.000 Euro bei. 40.000 kommen vom Bezirk im Rahmen der Neugestaltung des Lindenufers. Der fehlende Rest wird vom evangelischen Kirchenkreis Spandau aufgebracht.

20 Namenssteine ohne Paten:

 

  1. Albert E. Brodtmann, Straßburger Str., 28
  2. Lea Herta Dember, Ruhlebener Str. 155
  3. Kurt Frank, Am Pichelssee, 15
  4. Leib Friedländer Feldstr., 8
  5. Gertrud Goldstein, Ruhlebener Str., 155
  6. Julius Lieber Breite Str. 15
  7. Gerhard Lieber Breite Str. 15
  8. Gertrud Lieber Breite Str. 15
  9. Erich Marcuse, Carl-Schurz-Str., 43
  10. Margarete Marcuse,Feldstr., 8
  11. Fritz Reinglass Teltower Str., 19
  12. Michael Rosenbaum, Ruhlebener Str., 149
  13. Karl Samter, Feldstr., 8
  14. Schwinke Sakrower, Kirchweg, 49-51
  15. Emma Stargardter, Moltkestr., 43 (heute Galenstr. bzw. Groenerstr.)
  16. Henri Stargardter, Moltkestr., 43(heute Galenstr. bzw. Groenerstr.)
  17. Lothar Teckel, Mahnkopfweg, 13-15
  18. Anna Widawski, Franzstr., 13
  19. Josef Widawski, Franzstr., 13
  20. Richard Zehden, Franzstr., 32

 

Spendenkonto:

  • Ev. Kirchenkreis Spandau
  • EDG-Ev. Darlehnsgenossenschaft,
  • Kontonr.: 67687, BLZ: 210 602 37
  • Verwendungszweck: KK-Spandau, Mahnmalserweiterung

 

Ralf Salecker

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Zu finden unter: Kunst & KulturNews

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  1. Gudrun O'Daniel-Elmen sagt:

    Sehr geehrter Herr Salecker, ich danke Ihnen herzlich für Ihre einfühlsame Berichterstattung und dafür, dass Sie den antisemitischen Kommentar von Facebook, von dem mir die Öffentlichkeitsbeauftragte des Kirchenkreises heute Mittag berichtete, zügig gelöscht haben.
    Sollten Sie Ihren Text noch korrigieren können, wäre es schön, wenn Sie “Die 20 patentlosen Namenschilder” in “Die 20 Namenssteine ohne Paten” o.ä. ändern würden. Danke!
    Mit herzlichem Gruß

  2. Sehr geehrte Frau O’Daniel-Elmen!

    Leider nutzen viele die Anonymität des Internets zu unsäglichen Aussagen.
    Die verbalen Krakeler sind nur nur die Spitze des Eisberges. Verachtung, Hass und Misstrauen, gegen alles was “anders” ist, zeugen von einen Bodensatz, den wir noch lange nicht überwunden haben.

    Herzliche Grüße,

    Ralf Salecker

  3. Nico sagt:

    Sicherlich hat ein Mahnmal seine Berechtigung. Und ich denke auch, dass so manche Erweiterung sinnvoll ist. Ich möchte auf keinen Fall die Erweiterung in Abrede stellen, aber ich muss mich schon fragen, wo sollen denn jetzt die Kinder spielen, wenn die Möglichkeiten weiter eingeschränkt werden. Oder gibt es neue Pläne, für den Erhalt der Grünanlagen und der Spielanlagen? Es ist nämlich ein toller Ort, an denen an allen Tagen in der Woche Kinder und deren Eltern zu finden sind, die ihre Freizeit sinnvoll zu nutzen wissen. Insofern wäre es auch sehr einseitig, wenn die Stadt Berlin-Spandau einer Mahnmalerweiterung zustimmt ohne dabei auf den Erhalt der Spielanlagen und Grünanlagen für uns Bewohner achtet. Es wäre auf jeden Fall mal angebracht, wenn die Bewohner des Lindenufers besser informiert werden und sowieso – das ist eine Selbstverständlichkeit – rechtzeitig eingebunden werden. Vielen Dank

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