Der Figurenzeichner und Bildhauer aus Spandau – Winfried Tesmer

Die meisten Ideen kommen aus der realen Welt, man müsse sie nur aufmerksam beobachten

"STOP" von Winfried Tesmer (Foto: Ralf Salecker)

“STOP” von Winfried Tesmer (Foto: Ralf Salecker)

Spandau ist nicht so arm an Künstlern, wie es Berliner gerne erzählen mögen oder einige Spandau es glauben. Man muss sich nur ein wenig umschauen und schon lernt man interessante Menschen kennen. Winfried Tesmer ist ein solcher. Er empfängt mich in seinem Häuschen in Gatow, welches wegen seiner Architektur alleine schon eine Augenweide ist. Ein neugieriger Vierbeiner schließt sich dem freundlichen Empfang an. Nur die Katze des Hauses mag leider nicht kommen. Man kann halt nicht alles haben.

Über Winfried Tesmer bin ich quasi beim Surfen im Internet gestolpert. Seine Internetseite „Figurenzeichner“ zeigt ein breites künstlerisches Spektrum, welches mich neugierig auf mehr machte.

Förderung durch die Familie

1958 geboren, entdeckte er schon in jungen Jahren seine Begeisterung für eine künstlerische Betätigung. Von der Familie unterstützt, konnte er den beobachtenden Blick schärfen und erste geschulte zeichnerische Ausflüge unternehmen. Der Gang an die Hochschule der Künste (HDK) war dann nur konsequent. Anfangs, als „Freier Künstler“ beginnend, war ihm dies bald zu chaotisch und er wechselte zum Lehramt. Ein Professors, der in seinen Zeichnungen ein Talent für die Bildhauerei entdeckte, gab ihm den Rat, eben dieses Talent auszubauen. Als diplomierter Meisterschüler und Absolvent der Kommunikationswissenschaften beendete er sein Studium. Einige Ausstellungen folgten.

Schon während des Studiums entdeckte er den Computer als hilfreiches Werkzeug bei der Erstellung und Bearbeitung von Grafiken, der bei aktuellen Auftragsarbeiten eine wertvolle Hilfe ist. Trotzdem ist ihm das analoge Arbeiten immer viel wichtiger geblieben. So vielfältig die Möglichkeiten des Computers auch sein mögen, ist der sinnliche schöpferische Weg mit den Händen durch nichts zu ersetzen.

Kunst ist kein Kampf gegen etwas

Kunst ist für Winfried Tesmer kein Kampf gegen etwas, keine Provokation, sondern vielmehr ein Versuch sich auszudrücken. Dabei kann die Wahl der Mittel und Stilrichtungen sehr unterschiedlich ausfallen. Für den Betrachter scheint kein Zusammenhang zwischen den sehr grafischen Illustrationen, den Bildern und Skulpturen zu geben. Für den Künstler gibt es hier keinen wirklichen Unterschied, weil für ihn das schöpferische Werk ein Spiel mit den Proportionen ist. Sind diese ausgewogen, kann auch ein Werk als fertig angesehen werden.

Die Arbeit mit den Metallskulpturen ist nicht immer ungefährlich. Vor einiger Zeit fiel ihm ein schweres Teil auf den Kopf, was einen Besuch im Krankenhaus notwendig machte. Obwohl Winfried Tesmer bewusst Schrott in seinen Skulpturen verarbeitet, möchte er nicht die rostige Vergänglichkeit in den Vordergrund stellen.

Geradezu federleicht kommen dagegen seine Illustrationen daher, die einen sehr augenzwinkernden Blick auf manch scheinbare Unzulänglichkeiten zeigen. Projekte, wie die „Schnullereien“, Choreografien für eine Theaterinszenierung in einer Jugendstrafanstalt, Lesungen und Kinderbücher oder ein Spiel zeigen den Drang sehr unterschiedlichen Menschen einen Zugang zur kreativen Betrachtung der Welt zu bieten.

„Die meisten Ideen kämen aus der realen Welt, man müsse sie nur aufmerksam beobachten“, antwortete er einmal auf die Frage eines Schülers, woher er seine Ideen nehme.

Kunst ist also zuallererst die bewusste Reflektion dessen, was uns umgibt.

 

Ralf Salecker

 

Kontakt: winfried.tesmer@t-online.de

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Zu finden unter: Kunst & KulturNews

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