Die Persenning Manufaktur in der Spandauer Dorfstraße

Planen vom Havelgraf


Der Havelgraf erzählt gern: von sich, von der Arbeit oder auch von anderen Dingen.

Thomas Graf am Eingang seiner Werkstatt.

Thomas Graf am Eingang seiner Werkstatt.

Die Werkstatt der Persenning Manufaktur in der Dorfstraße verlasse ich mit einer Tasche, einer Visitenkarte meines neuen Zahnarztes (wenn es nach dem Havelgrafen geht), einem Flyer der Nachbarn (über die ich ja auch einmal schreiben könnte) und um einige Geschichten und Bilder reicher.

Was ist eine Persenning ?

Eine Persenning ist nach dem Duden ein: „Gewebe für Segel, Zelte u.a.; Seemannsspr.: Schutzbezug aus Persenning.“

Thomas Graf hat den Namen Persenning Manufaktur vor allem gewählt, weil ihn sonst niemand hat. Der Wal als Logo ist ein eingetragenes Markenzeichen. „Bei meinem, vor drei Jahren verstorbenen, Vater, dem eigentlichen Havelgrafen, hießen wir noch Bootssattlerei Graf“, erzählt Thomas Graf. Aber nach der Wende hätten sich so viele Werkstätten Bootssattlerei genannt, dass ein neuer Name her musste. Persenning ist für ihn der Oberbegriff für Abdeckplanen aller Art. Zusammen mit Freundin und Mitarbeiterin Petra Andres passt er die Planen an Boote an.


Wie teuer ist eine solche Plane ?

Eine maßgeschneiderte Abdeckplane für ein Kanu ist mit 300 bis 400 Euro gar nicht so teuer wie erwartet. „Unser Steuerberater sagt auch wir verdienen zu wenig“, sagt Graf dazu. Für die niedrigen Preise würden die Kunden allerdings auch aus ganz Deutschland anreisen. Die Boote kommen nicht nur aus Berlin, sondern auch aus Rostock, Halle oder von Rügen. „Es

Petra Andes näht Taschen aus dem Verschnitt der Persenning Manufaktur.

Petra Andes näht Taschen aus dem Verschnitt der Persenning Manufaktur.

wollte sogar einer mit einem Sattelschlepper aus Hamburg kommen, der hat uns im Internet gefunden“, erzählt Petra Andres. Dem Sattelschlepper musste die Manufaktur aber natürlich absagen. Wo sollte in der langen schmalen Einbahnstraße der Dorfstraße ein Sattelschlepper untergebracht werden?

Aus dem Verschnitt werden die Tragetaschen mit dem Wal genäht. „Von dem Verkauf jeder Tasche haben wir bei der Bootsausstellung unter dem Funkturm von zwei Jahren zwei Euro an die Arche gespendet“, erzählt Graf, „das war den Leuten auch wieder nicht recht“. Ob man denn lieber für Tiere als für Kinder spenden wolle, habe er dann gefragt. Auch für die DLRG wurde die letzte Plane vom Havelgraf gespendet.

Was kann man hier so erleben ?

Der verrückteste Auftrag war eine Persenning mit vergoldeten Knöpfen. „Der Kunde wollte etwas besonderes, die Sachen bei uns haben ihm nicht gefallen“, erzählt Graf, „irgendwann hieß es, dann bleiben ja nur noch vergoldete Knöpfe! Und der Kunde sagte tatsächlich: ‚au ja, können Sie das machen?’“ Einer der Knöpfe kostete vor 20 Jahren 25 Mark und so wurde es eine recht teure Plane, aber das war dem Kunden egal.

Für das Anpassen muss es möglichst Windstill sein.

Für das Anpassen muss es möglichst Windstill sein.

Ein übrig gebliebener Knopf ziert heute als Auge den Wal an der Theke in der Werkstatt. Er hängt direkt neben Autogrammkarten von Armin Krug, Johannes Heesters und vielen anderen. „Das ist mein Hobby“, erzählt der Bootssattler. Sein Vater war noch Autosattler und vom Autosattler hat sich der Beruf in die Richtung der Boote entwickelt. „1953 hat mein Vater, Heinz Graf, mit Werner Horn das erste moderne Klappverdeck gebaut“, erzählt Graf, das sei schon eine Pioniertat gewesen. Bei seinem Vater war die Werkstatt, auf dem Gelände des Bootshaus Schütze, auch noch viel vollgestopfter, aber auch jetzt ist sie voll mit Bildern, Planen und Werkzeug aller Art – und Katzen; ein weißer Perserkater läuft dreist mitten über die Arbeitsplatte. „Wir sind auch ein bisschen Gärtnerei und Katzenauffangstation“, erzählt Petra Andes. Auf jeden Fall ist hier immer etwas los. Auch wenn das eine Boot schon seit zwei Wochen am Steg liegt. „Heute ist eine gerade noch verträgliche Windstärke“, erzählt Graf. Sonst könne man die Planen nicht richtig mit Kreide anzeichnen, denn später soll ja auch alles perfekt passen. Deswegen macht er sich jetzt schnell ans Werk, nicht das doch noch wieder ein Sturm aufkommt.

Kirsten Stamer


Zu finden unter: NewsShoppingShopping & Gastro

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