Ein Spandauer ist Chef der Berliner SPD-Fraktion


Raed Saleh wurde mit deutlicher Mehrheit gewählt

Raed Saleh

Raed Saleh

Am Donnerstag, den 1. Dezember wurde der heute 34-jährige Spandauer Abgeordnete und Kreisvorsitzende Read Saleh zum Fraktionsvorsitzenden der SPD im Abgeordnetenhaus von Berlin gewählt. Sein Mitbewerber Frank Zimmermann musste sich mit 15 Stimmen geschlagen geben. Der Spandauer bekam dagegen 32.

Wer ist Raed Saleh?

Geboren wurde er 1977 in Sebastia, als siebentes von 9 Kindern, in der Nähe von Nablus im Westjordanland, einer Stadt, die heute gerade einmal 4.500 Einwohner hat. Schon sehr früh kam er nach Spandau. Sein Vater wählte diesen Bezirk bewusst, weil er hier mehr Chancen für seine Familie sah, als z. B. in Neukölln, wo sich die meisten Araber niederließen. Nach dem Besuch der Grundschule am Birkenhain in der Wilhelmstadt absolvierte Saleh 1997 sein Abitur an der Lily-Braun-Oberschule.

Politische Laufbahn

Schon zwei Jahre zuvor trat er in die SPD ein. Sein Arbeitsleben begann 1994 in einer kleinen Fast-Food-Kette, der Mitrovski GmbH. Er brachte es bis zum leitenden Angestellten des Cafés Charlotte.

Seine politischen Aktivitäten führten ihn ebenso schnell in Führungspositionen der SPD. 2002 wurde er Mitglied des Kreisvorstandes der Spandauer SPD, deren Kreisvorsitzender er sechs Jahre später wurde. Im gleichen Jahr stieg Saleh in den SPD-Landesvorstand auf. 2006 und 2011 erlangte er ein Direktmandat im Wahlkreis 2 in Spandau für das Abgeordnetenhaus von Berlin. Damit war er der erste arabisch stämmige Politiker, dem der Sprung ins Abgeordnetenhaus gelang.

Ein wichtiger Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Integrationspolitik. Folgerichtig versucht er besonders Migranten für die Politik zu interessieren. In Spandau ist er seit 2002 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Migration.

Linker Flügel

Raed Saleh gehört, ebenso wie sein Gegenkandidat dem linken Flügel der SPD an. Gerade in der großen Koalition mit der CDU möchte er sozialdemokratische Werte stärker in den Vordergrund bringen – und zwar durch eine „größtmögliche soziale Gerechtigkeit und eine große Anstrengung, die auseinanderdriftenden sozialen Milieus dieser Stadt zusammenzuhalten“, wie er es dem Tagesspiegel gegenüber formulierte. Ein praktisches Beispiel dafür war 2007 seine Gründung des Vereins „Stark ohne Gewalt e. V.“  in der Spandauer Neustadt. Anlass war ein Problem mit erheblicher Jugendgewalt 2006 von Deutschen und Migranten an der Rütli-Schule in Neukölln. Im Rahmen der Vereinsarbeit, die auch sportliche Aktivitäten umfasst, gehen Migranten, Deutsche und Polizisten gemeinsam im Kiez auf Streife – ein erfolgreiches Projekt, gelingt es doch anscheinend, gleichaltrige Jugendliche mit dem unterschiedlichsten Hintergrund zu einem respektvollen Miteinander zu bewegen.

Die Abschaffung der Hauptschule war ihm, auch aus persönlichen Erfahrungen, ein besonderes Anliegen. Die frühe Einteilung von Schülern in „gut, mittel oder schlecht“ war ihm ein Dorn im Auge. Wegen seines Migrationshintergrundes sollte er selbst nach der Grundschule auf eine Hauptschule wechseln. Nur , weil sein Vater energisch darauf bestand, ging es dann doch – seinen Leistungen entsprechend – auf das Gymnasium.

Deutliche Worte der Kritik äußerte Raed Saleh, als der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin seine populistischen Thesen verbreitete. Er gehörte schon früh zu denen, die einen Ausschluss von Sarrazin aus der Partei forderte.

Vorbehalte gegen den neuen politischen Partner, Frank Henkel, hat Saleh nicht. Er sieht den nächsten fünf gemeinsamen Jahren mit der CDU optimistisch entgegen.

Die Wahl Salehs blieb aber auch nicht ohne deutliche Kritik. Eva Högel, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen kritisierte noch am selben Tag die Männer dominierten Führungspositionen in der SPD als „frauenpolitische Bankrotterklärung“. Es sind gerade einmal zwei Frauen, die Senatorinnen Dilek Kolat (Arbeit, Integration und Frauen) und Sandra Scheeres (Bildung), vertreten.

 

Ralf Salecker


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