Einsparungen beim Jobcenter

Unternehmen nutzen oftmals Beschäftigungsformen wie Minijobs zu Ungunsten der Arbeitnehmer aus und beim Jobcenter Spandau soll weiter gespart werden

Der Anteil an Minijobs ist mit fast 5 Millionen Menschen und einem Frauenanteil von 66 Prozent äußerst hoch. Auch wenn der Grundgedanke von Berufspraktika, Teilzeitarbeit, ehemaligen Ich-AGs oder auch der geringfügige Zuverdienst als Maßnahmen gedacht sind, Personen wieder in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu bringen, werden diese von Arbeitgebern häufig ausgenutzt.

Offizielle Vorstellung des Projekts JobOption

Offizielle Vorstellung des Projekts JobOption mit Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, Annukka Ahonen der Jobassistenz, Viveka Ansorge der Zukunft im Zentrum GmbH und Mechthild Kopel von Wert.Arbeit (von links).

Jobassistenz wirkt dagegen

Mit dem neuen Angebot JobOption, in Kooperation mit der Zukunft im Zentrum GmbH und Wert.Arbeit – Gesellschaft für Arbeit, Chancengleichheit und Innovation – möchte die Jobassistenz Spandau dem nun entgegenwirken. Das Angebot richtet sich vorrangig an Frauen in Minijobs und kann in der Jobassistenz im Brunsbütteler Damm 75 montags von 8.00 bis 12.00 Uhr kostenlos in Anspruch genommen werden. Gemeinsam sollen berufliche Perspektiven ausgelotet und Arbeitgeber auf ihr im Unternehmen vorhandenes Potenzial aufmerksam gemacht werden. Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank war sich bei der Einleitung am Mittwoch dennoch auch der allgemeinen Problematik bewusst: „ Gerade den Unternehmen muss bewusst werden, dass kein Erfolg auf Minijobbasis erreicht werden kann. Nachhaltige Beschäftigungsverhältnisse sind für die Arbeitnehmer ebenso förderlich wie für den Arbeitgeber.“

Die Jobassistenz Spandau im Brunsbütteler Damm 75.

Die Jobassistenz Spandau im Brunsbütteler Damm 75.

Identifikation und Leistungsbereitschaft

Obwohl gerade den Unternehmern durchaus bewusst ist, dass die Beschäftigung von Praktikanten und Minijobbern keinesfalls förderlich für die Unternehmensidentifikation und damit verbunden der Leistungsbereitschaft sind – was sich auch finanziell auf Dauer nachteilig bemerkbar macht – stellen die Umgehung von Sozialabgaben und geringe Löhne anscheinend weiterhin den größeren Anreiz dar. Ebenso wie Teilzeitarbeitsvermittlungen gibt es diese mittlerweile auch im Minijob-Segment, wodurch mit der erfolgten Ausgliederung der dort Beschäftigten die Dunkelziffer kaum erfassbar geworden ist.

Beim JobCenter soll weiter gespart werden.

Beim JobCenter soll weiter gespart werden. Fotos (3): Patrick Rein

Gesetzgeber sieht keinen Handlungsbedarf

Auch wenn diese Tatsachen dem Gesetzgeber bekannt sind, sieht sich dieser lediglich durch sinkende Arbeitslosenzahlen in seinem Handeln bestätigt und reduziert zur Haushaltskonsolidierung sogar seine Ausgaben für die Jobcenter. Davon wird auch Spandau betroffen sein. Der Bundestagsabgeordnete Swen Schulz führt aus: „In 2010, dem letzten Haushaltsjahr für das der SPD-Arbeitsminister Olaf Scholz Verantwortung trug, erhielt das JobCenter Spandau über 51 Millionen Euro für Maßnahmen und Personal. In diesem Jahr 2012 sind es noch 33 Millionen, also über ein Drittel weniger. Und die nächsten Kürzungen im Jahr 2013 sind absehbar. Die Bundesregierung spart das JobCenter kaputt!“

Ende der Fahnenstange

Wie viel jeder selbst dazu beitragen kann ungerechten Angestelltenverhältnissen effektiv entgegenzuwirken, haben die Beispiele von Lidl oder der mittlerweile insolventen Drogeriekette Schlecker gezeigt. Nachdem Missstände öffentlich gemacht wurden, änderten die Verbraucher ihr Konsumverhalten und zwangen die Unternehmen damit zum Umdenken. Auch die Geschäftsführerin Mechthild Kopel von der Wert.Arbeit bittet Bürgerinnen und Bürger um Hinweise, wo übermäßig viele Minijobberinnen beschäftigt werden um den Unternehmen die Nachteile dieser Beschäftigungsform darzulegen.

Patrick Rein


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