Enteignungen am Groß Glienicker See?


In Spandaus Ortsteil Kladow erhitzen sich die Gemüter

Erwartet auch das Ostufer ein solcher Streit?

Erwartet auch das Ostufer ein solcher Streit?

Groß titelten die Schlagzeilen in manchen Medien „bis zu 100 Anrainer auf der Kladower Seite des Sees sollen von Enteignung bedroht sein“. Was ist geschehen? In der BVV-Sitzung im Rathaus Spandau am 28.3. stimmte die BVV mit 27 Ja- gegen 25 Nein-Stimmen für den Bau eines Wanderweges auf der östlichen Seite des Glienicker Sees. „Der Groß Glienicker See gehört allen Spandauern“, so Christian Hass, der SPD-Fraktionsvorsitzende in der BVV. SPD und GAL wollen dort zukünftig einen 2,3 Kilometer langen Wanderweg einrichten. Zum Schutz des Sees soll ein 15 Meter breiter Uferstreifen frei von menschlicher Nutzung sein. Dazu müssten bestehende Anlagen abgebaut werden. Ein Teil der 15 Meter ist wegen des in den letzten Jahren gesunkenen Wasserspiegels quasi schon vorhanden.

Der Streit begann schon viel früher

Reisen wir ein wenig in die Vergangenheit. Schon 2008 forderte die SPD eine Beseitigung der unrechtmäßig errichteten Steganlagen und sonstigen Uferbebauungen. Im Zuge dieser Forderung gründeten etwa 60 Anrainer die „Initiative Pro Groß Glienicker See“. In der Folge gab es einige Gespräche mit dem Spandauer Natur- und Grünflächenamt, die offensichtlich nicht besonders erfolgreich verliefen.

Auf der Westseite des Sees, die einmal „im Osten“ lag, tobt derweil ein Streit um den dortigen Uferweg. Einige Anwohner errichteten Barrikaden auf dem Mauerradweg. Inzwischen beginnt dort das Enteignungsverfahren in einer niedrigen Stufe. Letztendlich geht es nur um die „Eintragung der Dienstbarkeit“, um den vor Jahren im Bebauungsplan festgelegten Weg durchzusetzen. Auf der 4. Groß-Glienicker-See-Konferenz wurde über die Zukunft der Uferwege referiert.

Der Bezirk erwirbt einen Teil des Glienicker Sees

Auf der Spandauer Seite gelangt bisher nur an zwei Badestellen an den See heran. Alle anderen Bereiche sind Privatbesitz. Anfang 2011 erwarb der Bezirk Spandau für 255.000 Euro einen größeren Teil der östlichen Uferseite von einem privaten Besitzer. Baustadtrat Carsten Röding sah den Kauf als „ein Zeichen für die Natur und das Naturerlebnis durch die Allgemeinheit“. Ein Streit, wie er auf der anderen Seite eskalierte, sollte in Spandau vermieden werden. Diese Ansicht teilte die „Initiative Pro Groß Glienicker See“ nicht. Sie hatte noch versucht, den Kauf zu verhindern.

Jahre werden ins Land gehen

Ganz so schnell wird es diesen Weg nicht geben. Die Anrainer wollen sich mit allen juristischen Mittel widersetzen: „jetzt müssen wir kämpfen. Bisher weist der Flächennutzungsplan nur eine etwa 20 Meter breite Grünfläche aus. In einem Bebauungsplan müsste weiteres geregelt werden. Das Verfahren, inklusive Bürgerbeteiligung, wird Jahre in Anspruch nehmen.

Den Vorwurf der „geplanten Enteignung“ weist die SPD zurück. In erster Linien sollen nur die Uferbereiche renaturiert werden. Letztendlich wolle sich der Bezirk nur das Vorkaufsrecht für die Grundstücke sichern. Man hätte viel Zeit.

 

Ralf Salecker


Zu finden unter: NewsOrtsteile

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