Erziehungsüberforderte Eltern

Ab dem kommenden Schuljahr kommt es auf Grund des gesetzlichen Hortplatzanspruchs zu Kürzungen für Projekte der Jugendbetreuung

Neben einem Kitaplatz – wir berichteten – haben Eltern für ihre Kinder nach der schulischen Betreuung ab dem nächsten Schuljahr ebenso einen gesetzlichen Hortplatzanspruch. Grundgedanke dabei war, dass Eltern somit eine Berufsausübung ermöglicht wird indem die Betreuung der Kinder gewährleistet ist. Doch die Realität sieht anders aus: Überwiegend werden bisher von freien Trägern geleistete Angebote der Freizeitgestaltung für Jugendliche von sozialbenachteiligten Familien in Anspruch genommen, die anscheinend „erziehungsüberfordert“ sind.

Intakte und erziehungsbereite Familien sind keine Selbstverständlichkeit mehr.

Intakte und erziehungsbereite Familien sind keine Selbstverständlichkeit mehr. Foto: Alexandra H.  / pixelio.de

Lückeprojekte vor dem Aus?

Eines dieser Projekte die von Kürzungen betroffen sind, ist das Lückprojekt Hinter den Gärten und Haselhorst. Der Jugendhilfeausschuss hat sich am letzten Dienstag wiederholt mit dem Thema beschäftigt und sieht die Kürzungen darin gerechtfertigt, dass durch den ab 2013 bestehenden Hortplatzanspruch eine Betreuung nach der Schule geboten wird und es mit den Angeboten des Projektes somit zu einer Doppelung kommen würde. Zu einem Beschluss kam es noch nicht, dieser soll jedoch am kommenden Dienstag gefällt werden.

Trotz zahlreicher Maßnahmen bleibt es im Bildungsbereich kritisch.

Trotz zahlreicher Maßnahmen bleibt es im Bildungsbereich kritisch. Foto: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com  / pixelio.de

Spandaus Armut steigt

Insgesamt bewilligt der Ausschuss finanzielle Unterstützung in Höhe von 1,5 Millionen für Jugendeinrichtungen, welche allesamt notwendig sind und herausragende Arbeit leisten. Doch die Probleme steigen weiter. Immer häufiger scheinen Eltern mit der Erziehung des Nachwuchses überfordert und geben diese daher an Schulen und freie Einrichtungen ab. Dabei hat Spandaus Bevölkerungszuwachs eine klare Kehrseite: Wie der Geschäftsführer des Jobcenter Spandau, Winfried Leitke, dem Jugendhilfeausschuss berichtete, steigt die Zahl der Personen die Sozialleistungen für sich und ihre Kinder in Anspruch nehmen monatlich im dreistelligen Bereich. Diese kommen auf Grund der geringeren Mieten aus anderen Bezirken in die Zitadellenstadt. Jugendliche, die bereits im anderen Bezirk in Fördermaßnahmen waren, nehmen diese dann auch hier in Anspruch, wobei ein finanzieller Ausgleich zwischen den Bezirken bisher nicht erfolgt.

Problemkieze wachsen

Besonders betroffen vom Zuzug sind die bereits als Problemkieze eingestuften Stadtteile im Bereich der Wilhelmstadt, Neustadt und Falkenhagener Feld. Auch die Zahl der Schulverweigerer ist hier besonders hoch und trotz vielfältiger Maßnahmen werden nicht alle Betroffenen erreicht sowie spezielle Angebote des Jobcenters nicht in Anspruch genommen. Nach Ende der Schullaufbahn – trotz umfangreicher Umstrukturierungen ohne Abschluss – wird dann versucht auf dem zweiten Bildungsweg und mittels anderer Maßnahmen für die Betroffenen noch einen Weg auf den Arbeitsmarkt zu finden.

Auch wenn keiner wirklich weiß wie und zahlreiche Träger als auch die entsprechenden Behörden sich der Problematik durchaus bewusst sind und als Reparateure agieren, ist eine langfristige Lösung um den Kreislauf zu durchbrechen nicht in Sicht. Der Zuwachs an Sozialbenachteiligten nach Spandau ist dabei ein weiteres Problem.

Patrick Rein


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