Fehlt den Spandauern ein veganes Restaurant?

Leserin Sabrina Hiller hat uns gefragt

Immer mehr Menschen leiden an einer Laktoseintoleranz. Nahrungsmittel mit dem Milchzucker verursachen bei Betroffenen Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder auch Übelkeit. Unsere Leserin Sabrina Hiller leidet ebenfalls an der Milchzuckerunverträglichkeit.

Sabrina Hiller leidet an einer Laktoseintoleranz

Sabrina Hiller leidet an einer Laktoseintoleranz

Vor einiger Zeit schrieb sie uns an, denn sie möchte gern wissen, ob auch andere Spandauer ein veganes oder laktosefreies Restaurant vermissen. „Wenn an den Suppenküchen direkt vegan steht“, sagt Hiller „ ist für mich sicher, dass wirklich nichts drin ist.“ Die 26- Jährige isst zudem nur wenig Fleisch. „Einerseits mag ich es nicht besonders, ich esse höchstens manchmal Geflügel, andererseits achte ich auch auf den Umweltaspekt.“ Wie Sabrina Hiller feststellte, gibt es in Friedrichshein oder Prenzlauer Berg durchaus auch vegane Angebote, von der Suppenküche bis zum Mittagstisch. „Hier gibt es in der Richtung die Bio Company und höchstens bei Starbucks kann man regulär Kaffee mit Sojamilch ordern.“ Aber gibt es wirklich keinen Bedarf nach veganen Angeboten in Spandau? Die Angestellte einer Consultingfirma hat sich vorgenommen, ein kleines veganes Bistro mit Freunden zu eröffnen. „Es sollte nur über die Mittagspause geöffnet sein, alles andere würde sich nicht rentieren“, ist sie sich sicher. Von der Arbeit weiß Sabrina Hiller, wie groß der Bedarf der Belegschaft in der Mittagspause ist. Aber besteht in Spandau überhaupt Interesse an einem solchen Bistro? Oder sind die ernährungsbewussten, alternativen jungen Leute alle in Mitte?

Ich habe mich einmal umgehört. „Einem veganen Restaurant würden eine Woche lang alle die Bude einrennen, aber dann käme keiner mehr“, meint Uwe Heese. Der Obst- und Gemüsehändler verkauft seine Ware schon seit Jahren auf dem Marktplatz in der Altstadt Spandau. „Dafür ist hier einfach die falsche Gegend, zu strukturschwach“. Ich solle mich einmal umsehen. „Dort, der Bäcker oder da, der Fleischer“. In der ersten Woche wären alle gekommen, als die Preise zur Eröffnung niedrig waren. Jetzt sehe der Stand doch aus wie verweist. „So würde es einem neuen Restaurant auch ergehen“, sagt Heese. Seiner Meinung nach müsste ein solches Angebot für veganes oder vegetarisches Essen mobil sein, „sonst hat es keine Chance“. Ähnlich sieht das auch Ingrid Ludwig,

Vielen Spandauern reichen die vegetarischen Angebote der bestehenden Restaurants aus

Vielen Spandauern reichen die vegetarischen Angebote der bestehenden Restaurants aus

obwohl ihre Tochter seit vielen Jahren Vegetarierin ist. „Spandau ist einfach nicht das Pflaster dafür.“ In vielen schon bestehenden Restaurants würden außerdem vegetarische oder vegane Gerichte angeboten.“Wenn man mit der ganzen Familie essen geht, wollen ja auch nicht alle vegan essen, weil einer kein Fleisch oder keine tierischen Produkte mag.“ Ein veganes Restaurant sei schon eine Lücke, wäre aber nicht erfolgreich. „Es ist einfach zu speziell“, meint Ludwig, „ zu exotisch für Spandau.“ Dazu kämen noch die hohen Mieten für ein Restaurant, „ das rentiert sich nicht“. Auch und vor allem wenn man die jungen Spandauer befragt, steht veganes Essen nicht hoch im Kurs. „Uns fehlt so etwas nicht“, meinen Justien Jezewski und Kimberly Dunlop. Sie hätten auch keine Freunde, die an Laktoseintoleranz litten, nicht einmal Vegetarier. Oft ist die Antwort „Weiß ich nicht- muss ich nicht haben“.

Spandau scheint also tatsächlich nicht das richtige Pflaster für ein solch neues Angebot zu sein. Wenn Sabrina Hiller also trotzdem ein veganes Bistro eröffnen will, sollte sie Ausdauer mitbringen – oder habe ich vielleicht nur die falschen Spandauer getroffen?

Kirsten Stamer



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