Fluglärm bleibt auch nach Tegel

Die Offenhaltung vom Flughafen Tegel hat den Fluglärm verstärkt doch auch nach der Schließung wird Spandau nicht zur Ruhe kommen

Momentan bemerkt es jeder in Spandau: Durch die Verschiebung der Eröffnung des Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg (BER) ins Jahr 2013 hat sich der Flugverkehr in Tegel deutlich erhöht. Fast minutiös setzen Flugzeuge in der Einflugschneise über unseren Randbezirk zum Start oder Landung an und nicht Wenige haben das Gefühl, dass die Flughöhe dabei ab- und der Lärm dadurch zugenommen hat. Fraglich bleibt auch, ob der nächste geplante Termin für Schönefeld jetzt tatsächlich eingehalten werden kann.

Der Flughafen Tegel muss deutlich mehr Flüge abwickeln als vorgesehen.

Der Flughafen Tegel muss deutlich mehr Flüge abwickeln als vorgesehen. Foto: Patrick Rein

Flugrouten weiterhin über Spandau

Doch auch wenn der Betrieb in Tegel irgendwann endgültig eingestellt wird, bleibt Spandau von einem gewissen Maß an Fluglärm nicht verschont. Während es momentan mehr den Norden des Bezirks betrifft, verlagert sich dieser dann verstärkt auf den Süden Richtung Gatow und Kladow. Die Bürgerinitiative Spandauer Süden gegen Fluglärm versucht seit zwei Jahren darauf aufmerksam zu machen. „Es geht nicht darum Schönefeld zu verhindern, sondern lediglich um eine Einhaltung des Nachtflugverbotes sowie gegebene Versprechen wie kein internationales Drehkreuz, keine dritte Startbahn und nicht mehr als 360.000 Flüge im Jahr zu halten“, erklärt Diplom-Psychologe Manfred Thüring, Sprecher und Mitbegründer der Initiative.

Tegeler Inhouse Demonstration am 10. Juni verschiedener Initiativen.

Tegeler Inhouse Demonstration am 10. Juni verschiedener Initiativen. Foto: Bürgerinitiative Spandauer Süden

Vertrauen verspielt

Schon im ersten Planfeststellungsverfahren von 1998 verlaufen die zukünftigen Flugrouten über die Hauptstadt und auch über Spandau. „Unverständlich, dass den Bürger vermittelt wird, dass durch die Schließung Tempelhof und Tegels Berlin von Fluglärm verschont wird, wenn die Einflugschneisen weiterhin über das Stadtgebiet geplant sind. Die Nachteile bleiben während die Vorteile kürzerer Anfahrtswege entfallen“, führt Thüring weiter aus. Politiker und Betreiber des Berliner Großflughafens haben nicht nur damit ein Vertrauen in  ihre Kompetenzen und Versprechungen verspielt.

Demokratische Mittel nutzen

Hauptanliegen: Das Nachtflugverbot soll eingehalten werden!

Hauptanliegen: Das Nachtflugverbot soll eingehalten werden! Foto: Bürgerinitiative Spandauer Süden

Mittels Plakaten, Internet und Infoständen versucht die Bürgerinitiative für ihr Anliegen zu werben. Oftmals fehlt jedoch noch die Betroffenheit, da sich weiterhin die Meinung hält, dass mit der Schließung Tegels der Fluglärm ein Ende habe. Zudem hält sich der Eindruck es handle sich um eine Contra-Schönefeld Bewegung. Dem ist jedoch nicht so denn die Kladower möchten lediglich ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr eingehalten haben. Wie wichtig ein erholsamer Schlaf für die Gesundheit ist, belegen mittlerweile zahlreiche medizinische Untersuchungen. Momentan läuft die zweite Stufe zu einem Volksentscheid. Hierfür kann jeder Bürger Berlins seine Stimme in den Bezirksämtern abgeben oder entsprechende Formulare unter www.bissgegenfluglaerm.de herunterladen. Es gehört zu den demokratischen Vorteilen, dass sich Bürgerinnen und Bürger auch über die Wahlen hinaus an den politischen Prozessen beteiligen können. Dieses freiheitliche Prinzip der Mitbestimmung muss jedoch auch gelebt werden!

Patrick Rein

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  1. Wegner Mahlow sagt:

    Den Politikern scheint das Volk mit seinen Demonstrationen egal zu sein. Das ist gefährlich. Politiker haben geschworen für das Volk dazu sein und nicht umgekehrt. Politiker sind Lügner.

  2. sschnupp sagt:

    na wir wissen doch alle, dass Politiker Lügner sind und mehr für die Industrie und Unternehmen da sind als für Ihre Wähler. Aber aufgeben wäre der falsche Weg, man muss sie jeden Tag daran erinnern und den Flughafenbetrieb durch Demo’s stören wann immer möglich.

  3. Uwe sagt:

    Der Spandauer Süden wird vom künftigen Flugverkehr so gut wie nichts mitbekommen, wogegen der jetzt und heute belastete Norden Spandaus nun noch stärker durch die Gier des Hr. Mehdorn zu leiden hat. Von mir jedenfalls gibt’s keinen Cent an Air-Berlin. Die Diskussion über den Lärm im Berliner Süden ist lächerlich, jeder, der in den letzen 10 Jahren dort gebaut hat ist selber schuld und hat sich schlicht verzockt. Von der Politik gibt es keinerlei Unterstützung für den Spandauer Norden, nichts anderes habe ich erwartet. Daher kann nur ein permanenter Widerspruch gegen die Empfindlichkeiten der Kladower helfen. Korrekt wäre nur ein Vorgehen gewesen: seit dem 03.06.2012 heißt der neue Flughafen Berlins Halle/Leipzig, der offizielle Ausweichflughafen für diese Region.

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