FOLLOW – Wege in andere Welten

Nur die eigene Fantasie setzt Grenzen

Vom Bettler zum König ist alles möglich (Foto: Ralf Salecker)

Vom Bettler bis zum König ist alles möglich (Foto: Ralf Salecker)

Nur ein paar Tage ist es her, da endete die närrische Zeit, der Karneval. Mit dem Aschermittwoch war alles vorbei. Was wir hierzulande feiern hat eine lange Tradition, doch von dieser ahnt kaum einer irgendetwas: Die Hierarchie in der Gesellschaft wurde einst für einige Tage auf den Kopf gestellt. Herren und Sklaven waren gleichgestellt oder tauschten sogar die Rollen. In manchen Gegenden kleidet man sich auch heute noch in wüste Gewänder, um Geister und Dämonen oder einfach nur den Winter zu vertreiben. Im Mittelalter gab es Narrenfeste, bei denen hoher und niederer Klerus ihre Rollen tauschten und die kirchlichen Rituale in derben Späßen persifliert wurden. Heute ist dies alles nur noch Verkleidung mit billigen Kostümen von der Stange gepaart mit schlichten Witzen.

Kreativer „Mummenschanz“ ganz anderer Art

Fans von fantastischen Geschichten kleiden sich in bunte Kostüme, um die eigene Fantasie mit etwas Greifbaren zu unterstützen. Noch läuft Tolkiens „Der Hobbit“ in den Kinos. Ein deutliches Zeichen für den kreativen Wunsch, eigene Welten im Kopf zu erschaffen.

In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts war Fantasie praktisch kein Thema in Deutschland, einzig „Phantastische“ Literatur war bekannt oder Science-Fiction. Ein paar Spielbegeisterte kamen zusammen, schufen ein strategisches Spiel mit dem klangvollen Namen „Armageddon“. Während die einen spielten, entwickelten andere einen plastischen Hintergrund dazu. Eine Welt, vergleichbar mit Tolkiens Mittelerde entstand. Unzählige unterschiedliche Völker und Kulturen bevölkerten diese Fantasy-Welt namens Magira. Ihre Schöpfer kleideten sich in passende Gewänder und wandelten so „leibhaftig“ durch diese Welt. Grenzen setzt nur die eigene Fantasie.

FOLLOW – Fellowship of the Lords of the Lands of Wonder

Nicht allen genügt es gedanklich in die Welt der gelesenen Bücher zu tauchen, in dem sie diese einfach nur konsumieren. Follow, übersetzt etwa die „Gefolgschaft der Lords der Welt der Wunder“ gestaltet seit Jahrzehnten die Fantasy-Welt Magira mit immer neuen Facetten. Manch einer schreibt Geschichten oder Gedichte, andere Zeichnen, singen oder spielen Armageddon – „Das Ewige Spiel“ – um den kriegerischen Hintergrund der Welt zu simulieren. Dieses Spiel wird seit der Gründung FOLLOWS in den 60er Jahren kontinuierlich gespielt. Diese Welt wächst stetig durch detailreiche Schilderungen von Flora, Fauna und kulturellen Hintergründen. Jeder „Follower“ oder Magiraner verkörpert eine Figur dieser Welt, ist Teil einer kulturellen Gruppe, sei es nun als Zauber, Krieger, Priester, Dieb oder Bettler. Das erste deutsche Rollenspiel-System entstand in diesen Reihen.

Lange Zeit gab es nichts Vergleichbares in Deutschland. Studenten, Autoren, Übersetzer, Lektoren und Illustratoren gehörten u.a. zu den ersten Mitgliedern dieser Gruppe.

Drei Säulen bestimmen FOLLOW

Spiel, Geselligkeit und Literatur: Ja FOLLOW versteht sich auch als Literaturverein – lesend und schreibend. Einmal im Jahr gibt es das große „Fest der Fantasie“. Dann kommen zwischen 200 und 350 Fellows zusammen, um eine Woche lang aktiv in die Welt Magira einzutauchen und die Kultursimulation voranzutreiben. Viele kleine Veranstaltungen im Jahr, meist in Deutschland, sorgen für die Pflege der Geselligkeit. Es gibt Mitglieder, deren Väter oder Großväter schon dabei waren.

Viermal im Jahr erscheint „FOLLOW“ in Form einer um die 450 Seiten starken Publikation. Hier beschreiben die Mitglieder facettenreich ihre Welt. Sonderbände widmen sich literarischen Schwerpunktthemen.

Inzwischen ist FOLLOW eine Möglichkeit von vielen. Mittelalter, Reenactment, Live-Rollenspiel und Film-Fan-Gruppen bieten eine große Spielwiese, sich kreativ zu betätigen.

 

Ralf Salecker

 

Info´s unter: www.fantasy-club-online.de


Zu finden unter: FeaturedFreizeit

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