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10. Dialog der Religionen in Spandau

Den Menschen Mensch sein lassen

Dialog der Religionen (Foto: Ralf Salecker)

Dialog der Religionen (Foto: Ralf Salecker)

Es ist ein stolzes Jubiläum. 10 Mal hat es den Dialog der Religionen bisher in Spandau gegeben. Ein guter Grund zu feiern. Ehrengast war diesmal Sigmar Gabriel, der Vorsitzender der SPD. Als Vertreter der drei abrahamitischen Religionen waren Gideon Joffe, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Jörg Gerasch, Pastor der gastgebenden Josua Gemeinde und Chalid Durmosch, als Vertreter junger Muslime dabei.

Gleich eingangs stellte sich Jugendliche von Stark ohne Gewalt vor, einem Jugendprojekt aus der Spandauer Neustadt. Sie hatten vor einiger Zeit eine Reise ins Konzentrationslager Ausschwitz unternommen. Ihre Eindrücke dokumentierten sie in einer Fotoausstellung. Ein junger Mann mit muslimischem Hintergrund machte deutlich, wie wichtig ihm ein gewaltfreies Miteinander ist. Auf die Frage Sigmar Gabriels, ob sich sein Verhältnis zu Juden nach dem Besuch im Konzentrationslager verändert hätte, antwortete er mit einem klaren Nein. Als Muslim sieht er keinen Grund für Konflikte mit Menschen jüdischen Glaubens. Was in der Vergangenheit geschehen ist, kann er nicht ändern. Ihm ist nicht die Religion wichtig, sondern nur der Mensch, den es grundsätzlich zu achten gilt.

Gideon Joffe musste kurz nachdenken, als er von Sigmar Gabriel gefragt wurde, ob niedriges Bildungsniveau und fehlenden Wissen über Religionen Auslöser für interreligiöse Konflikte sein könnten, stellte dann aber fest, dass sich diese Frage so einfach nicht beantworten ließe. Sich in die Empfindungswelt anderer hineinzuversetzen, wäre seiner Meinung nach ein guter Weg zum Verständnis. Kopftuch und andere Religiöse Symbole führen manchmal zu unschönen spontanen Reaktionen der Umwelt. Diese bildet sich ein Urteil, zeigt Aversionen, ohne die Trägerin eines religiösen Symbols zu kennen. Wie wäre es, wenn z.B. ein Christ eine Zeitlang ein Kopftuch oder eine Burka tragen würde, um am eigenen Leibe zu erfahren, welche Reaktionen manchmal zu ertragen sind. Dieses Erleben könnte die eigene Sensibilität im Umgang mit anderen Religionen schärfen und dabei helfen, sich und seine Reaktionen zu hinterfragen. Nur, weil eine Frau ein Kopftuch trägt, muss sie nicht automatisch unterdrückt, also Opfer einer Religion sein. Die persönliche Einstellung ist wichtig, nicht die Kleidung, die man trägt.

Eine zum Islam konvertierte Frau schilderte die alltäglichen Probleme, die sie wegen ihres Kopftuches immer wieder erleben musste. Unter solchen Umständen kann es schwer sein, sich in Deutschland heimisch und willkommen zu fühlen. Chalid Durmosch ergänzte, dass es oft gerade das Halbwissen über die eigene oder auch fremde Religion ist, die Konflikte antreibt, auch wenn die eigentliche Ursache für Auseinandersetzungen eher jugendliche Profilierungssucht ist. Angst und Unsicherheit sind die eigentlichen Ursachen für Konflikte und nicht die Religion.

Deutsche mit Migrationshintergrund müssen sich oft die Frage gefallen lassen, wo sie denn her kämen. Damit schwingt für sie mit, dass sie nicht als einheimische Mitbürger akzeptiert und respektiert werden. Wer möchte schon immer wieder gerne hören, dass er scheinbar nicht willkommen ist.

Gideon Joffe meinte, man müsse einfach den Menschen Mensch sein lassen. Erst, wenn alle lernen, dass es nicht nur darum gehen kann, die eigene Freiheit zu genießen, sondern vor allem, sie auch zu gewähren, werden alle entspannter miteinander umgehen können.

 

Ralf Salecker

Touristik-Entwicklung im Kiez Spandauer Neustadt

“Ideenfabrik” für die wirtschaftliche Revitalisierung

Philip Royer (Foto: Ralf Salecker)

Philip Royer (Foto: Ralf Salecker)

Im neu eröffneten Café Paule kamen rund ein Dutzend Leute zusammen, um gemeinsam zu überlegen, wie die Spandauer Neustadt belebt werden könnte. Philippe Royer hatte zum Jour Fixe N°5 geladen. Das aktuelle Thema war diesmal die touristische Entwicklung der Spandauer Neustadt. Auf den ersten Blick ein eher gewagter Gedanke, der bei manch einem Kopfschütteln hervorrufen wird. Wieso soll die Neustadt für Touristen interessant sein?

Die „Ideenfabrik“ Philippe Royer von ist ein gefördertes Projekt des Quartiersmanagement in der Spandauer Neustadt. Ein Jahr lang sollen Geschäftsleute, Kreative und Interessierte gemeinsam über zukunftsweisende Wege diskutieren. Dem Leerstand im Kiez soll der Kampf angesagt werden. Ziel ist es, möglichst praktikable Ansätze zu entwickeln. Originelle Geschäftsideen sind gefragt, die auch eine Wirkung außerhalb der Neustadt entfalten können. Darum werden immer wieder Spezialisten zu bestimmten Themen in die Runde eingeladen.

Ein Audio-Guide für die Neustadt?

Wenn man Touristen herholen möchte, dann sollen sie etwas in die Hand bekommen, was ein eigenständiges Erkunden der Umgebung ermöglicht, etwas, was über die üblichen gedruckten Materialien hinaus geht, Ein „Audio-Guide“ wäre eine Möglichkeit. Für die Spandauer Altstadt gibt es ein solches Produkt schon. Der entsprechende MP3-Player kann jederzeit in der Tourismusinformation ausgeliehen werden.

Um eine fachkundige Auskunft zu einem solchen Projekt zu bekommen, wurde der Geschäftsführer von „Stadt im Ohr“ in die Runde geladen. Audio-Guides können unterschiedlich umfangreich und komplex erstellt werden. Angefangen von linearen historischen Beschreibungen bis zu interaktiven Anwendungen ist alles möglich. Die Daten können als MP3-Dateien auf das Handy oder ein anderes Medium geladen und genutzt werden. In der Anwendung unterscheiden sich hier noch GPS-gesteuerte Anwendungen, die automatisch die richtige Information am richtigen Ort liefern, oder solche, die eine manuelle Auswahl notwendig machen.

Ruben Kurschat, der Geschäftsführer von Stadt im Ohr machte deutlich, wie wichtig ein sinnliches Erlebnis bei solchen „Führungen“ ist. Ein simples Vorlesen von historischen Ereignissen genügt den wenigsten Nutzern. Elektronische Stadtführer sollten einen ausgewogenen Mix aus O-Tönen mit „Hörspielcharakter“ und passender Musikalischer Untermalung aufweisen. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, die Texte von professionellen Sprechern einspielen zu lassen.

Der überwiegende Teil der Kunden von Stadt im Ohr kommt aus Berlin. Es sind interessierte „Kulturtouristen“, die weniger an trockenen historischen Aufarbeitungen interessiert sind, als an einem lebendigen individuellen Abbild des jeweiligen Kiezes.

Für die Spandauer Neustadt bedeutet dies z.B. weniger den Versuch zu unternehmen, auf große historische Ereignisse und bedeutsame Bauten hinzuweisen, die eher beschränkt zu Verfügung stehen, als sich bewusst dem „Erzählen von Geschichten“ zu widmen, die auch aktuelle Bezüge zum Kiez herstellen. Von der grundsätzlichen Idee, bis zum fertigen Produkt ist aber noch ein weiter Weg.

 

Ralf Salecker

Heimspiel im Gotischen Haus

Moderne Kunst in alten Mauern

Kunstamtsleiterin Andrea Theissen und Kulturstadtrat Gerhard Hanke (Foto: Ralf Salecker)

Kunstamtsleiterin Andrea Theissen und Kulturstadtrat Gerhard Hanke (Foto: Ralf Salecker)

Letztens hatten wir über einen ungewöhnlichen Ausstellungsort berichtet. Im historischen Gewölbekeller setzen sich acht Künstler und Künstlerinnen in der Ausstellung Kellerkinder mit dem Thema Kindheit auseinander. Die dortige Ausstellung läuft noch bis zum 23.6.2013. Nun, wo die Sommerferien vor der Haustüre stehen, möchten wir eine andere Ausstellung in der Spandauer Altstadt empfehlen: Heimspiel im Gotischen Haus.

Nein, das ist keine Ausstellung zum Thema Fußball, obwohl Fußball sogar zum Thema wird! Das Frauenmuseum Berlin, ein Verein ohne festen Ausstellungsort, bringt bildende Kunst in das Berliner Stadtgebiet. In allen Berliner Bezirken möchte der Verein mit einer Ausstellung Station machen. Nun auch in Berlins ältestem Bürgerhaus. Moderne Kunst in historischen Mauern – ausschließlich von Künstlerinnen – „da in großen Ausstellungen immer noch mehr Kunst von männlichen Künstlern gezeigt, sowie höhere Preise dafür erzielt werden“, obwohl in den Kunsthochschulen die Geschlechterverteilung 50:50 ist. Die Kunstamtsleiterin Andrea Theissen und Kulturstadtrat Gerhard Hanke eröffneten die Ausstellung, sichtlich angetan von der Qualität der Exponate.

Warum Heimspiel?

Nicht ohne Grund wurde der Titel gewählt. So sollen Künstlerinnen aus dem jeweiligen Bezirk die Gelegenheit bekommen, sich mit einem oder mehreren Werken zu präsentieren. In Spandau wählte eine Jury aus Frauenmuseum und Kunstamt die auszustellenden sechs Künstlerinnen aus.

Gleichzeitig ging es um eine Auseinandersetzung mit dem Begriff Heim, den die Künstlerinnen auf sehr unterschiedliche Art und Weise interpretierten. Nahmen die einen ihre bestehenden Werke oder Ausschnitte daraus, versuchten andere, den Raum der Ausstellung zu einem Teil der Kunst zu machen. Dazu gehören Blicke in die persönliche Vergangenheit der Künstlerinnen, die Erinnerungsfragmente-Fragmente aus der Kindheit aufgreifen und in Szene setzen oder abstrakt häusliche Verhältnisse betrachten, wie z. B. die scheinbar friedvolle Situation eine Ehepaares, die im Laufe der Bildgeschichte von Gabriele Styppa gewalttätig eskaliert. Frauke Danzer lässt filigrane Körper von der Decke schweben, mit denen die eigene Verletzlichkeit gezeigt werden soll. Nadya Dittmar beschreibt die Vergänglichkeit von Erinnerungen, während Nina Heinrichs Erinnerungen an die Schneiderwerkstatt der Mutter  beschwört.

Dazu Rachel Kohn und Julie August vom Frauenmuseum

„Im Sport wird mit »Heimspiel« eine Situation bezeichnet, die erleichterte Bedingungen mit sich bringt: man spielt im bekannten Umfeld, kann auf die Unterstützung von heimischen Fans und Freunden zählen, Anreisen und Transporte fallen weg – Heimspiele gelten als halb gewonnen. Wir hoffen, mit dieser Ausstellung nicht nur Heimvorteile zu genießen, sondern durchaus auch (kritische) Diskussionen anzuregen.“

Die sehenswerte Ausstellung läuft noch bis zum 24. August. Der Eintritt ist frei.

 

Ralf Salecker

Heimspiel im Gotischen Haus

  • Breite Straße 32
  • Öffnungszeiten: Mo-Sa von 10-18 Uhr

Spandaus Straßenkünstlerwettbewerb – Was Kunst Du?

Fünf vor zwölf ging es los …

Laccasax, drei virtuose klassische Instrumentalisten (Foto: Ralf Salecker)

Laccasax, drei virtuose klassische Instrumentalisten (Foto: Ralf Salecker)

Gemütlich trudelten die Spandauern gegen Mittag nichts ahnend in der Altstadt ein, als sie Fanfarenklänge sie aus ihrem Trott rissen. Naja, nicht ganz. Ein Bläserquartett gab das musikalische Startsignal vom Balkon der Stadtbibliothek. Vertreter der Wettbewerbsausrichter von MittendrIn Berlin! ließen es sich nicht nehmen, gemeinsam mit den Veranstaltern des Straßenkünstlerwettbewerbs „Was Kunst Du?“ einen Teil der gelben Altstadtmeile abzuschreiten.

Entlang der gelben Meile verführen gelb umrahmte Schaufenster zu einem neugierigen Blick. Schaufensterkunst ist angesagt. Spandauer Künstler präsentieren sich in den Auslagen. Manche Geschäfte präsentierten die Kunstobjekte in vorbildlicher Weise – der Kunst wird ein ansprechender Raum gewährt. Besonders hervorzuheben ist das große Eckschaufenster von Karstadt, in dem einerseits Werke von Schülern der Kunstbastion und zum anderen keramische Objekte von Dorothea Nerlich präsentiert werden. Fotografien, Gemälde, Panoramabilder, Skulpturen und perfekte Schaufensterdekoration zeigen noch bis in den September einen Ausschnitt aus dem künstlerischen Schaffen Spandaus. Eine Zusammenarbeit zwischen Geschäften und Künstlern, die hoffentlich Schule machen wird.

Straßenkünstlerwettbewerb in der Altstadt

Der eigentliche Höhepunkt des Tages war natürlich der Wettbewerb von Straßenkünstlern. Auf mehreren Bühnen in der Altstadt, vor Karstadt, am Marktplatz unter der Platane, an der Nikolai-Kirche, am Brunnen in der Havelstraße und auf der großen Bühne mitten auf dem Markt sorgten Musiker unterschiedlichster Stilrichtungen für eine bunte Unterhaltung. Zuschauer, Zuhörer und eine Jury bewerteten die Darbietungen. Der Organisator des Wettbewerbs, Marcel Krüßmann, besser bekannt als „Icke“, begeisterte das Publikum auf der Bühne am Markt, wo Liegestühle und mehr zu einem gemütlichen Verweilen einluden. Die drei besten Musiker traten am Schluss auf der Freilichtbühne zu einem kostenlosen Konzert an, wo sie mit dem musikalischen „Wanderpokal“, dem Grammelphon in Gold, Silber und Bronze ausgezeichnet wurden. Gefertigt hat den ansehnlichen Preis Peter Seeger von den Inselspinnen.

Manch Spandauer reagierte sehr verwundert. Nicht jeder wusste von der seit langem breit angekündigten Auftaktveranstaltung zur Spandauer Altstadtmeile und staunte über das vielseitige musikalische Programm. Wer nicht dabei war, hat wirklich etwas verpasst!

Mitglieder der Privat-Theater-Gesellschaft Elektra, boten eine musikalische Zeitreise mit Berliner Gassenhauern. Laccasax, drei virtuose klassische Instrumentalisten, lieferten eine Melange aus Tango, Jazz, Klezmer und vielem mehr. Das Carmen Zapata Duo brachte lateinamerikanisches Flair in die betuliche Altstadt, ähnlich, das Trio Palmera, dessen Musik einen frischen tropischen Cocktail aus Salsa, Merengue, oder Rumba u. a. mit bekannten Stücken von den Altmeistern des Buena Vista Social Clubs lieferte.

In eine völlig andere musikalische Welt entführte die burundische Trommelgruppe Ingoma, die schon bei der Startveranstaltung des Kulturladens in der Altstadt begeisterte. Afrikanisches Lebensgefühl pur riss die Zuhörer mit. Der Rock ‘n’ Roll Preacher, Vrank-Michael Goedel, machte seinem Namen mit einem Mix aus Rock ‘n’ Roll und Gospel alle Ehre. Er stand am Schluss auch auf der Freilichtbühne.

Jens Ege, mit Szabó & Co, bot im Kontrast dazu deutsche und französische Chansons. Earl’ Eve, eine der Musikgruppen des Vereins Klang-Holz e. V. auf der Zitadelle Spandau unterhielt mit deutschen Volksliedern, Rock-Balladen aus Ost und West, englischen und irischen Lovesongs.

Mit Sonne und Musik fand dieser Samstag viel zu schnell sein Ende. Wer weiß, möglicherweise findet der Straßenmusikerwettbewerb im nächsten Jahr seine Fortsetzung.

 

Ralf Salecker

 

P.S.

Spandaus größter Fotowettbewerb, der Foto-Kunst-Lauf, bei dem Preise im Gesamtwert von 4000 Euro zu gewinnen sind, läuft noch bis zum 19.6.2013!

Kellerkinder, eine Ausstellung in der Spandauer Altstadt

Facetten der Kindheit im Gewölbekeller

Kellerkinder im Gewölbekeller (Foto: Ralf Salecker)

Kellerkinder im Gewölbekeller (Foto: Ralf Salecker)

Kennen Sie ein paar spannende Keller in der Spandauer Altstadt? Es gibt einen Keller, der nur wenige Male im Jahr seine Pforten öffnet. Nur noch kurze Zeit beschäftigt sich eine Ausstellung mit dem Thema Kindheit. Ganz bewusst wurde ein Keller als essentieller Teil dieser Ausstellung thematisiert. Seit nunmehr drei Jahren sucht sich Nadya Dittmar Themen, die zum historischen Gewölbekeller passen. Wieder einmal ist es ihr gelungen, die unterirdischen Räume nicht einfach nur zu füllen. Jedes Ausstellungsobjekt spiegelt den Ort, den Raum wieder, in dem es sich befindet. „In der Ausstellung „Kellerkinder“ werden Themen der Kindheit künstlerisch reflektiert: Spiel, Lernen, Wachsen, Schutz und Geborgenheit aber auch Mangel, Anpassung, Missbrauch. “

Kulturstadtrat Gerhard Hanke und Kunstamtsleiterin Andrea Theissen hatten diese Ausstellung vor kurzem eröffnet. 8 in Berlin lebende Künstler aus verschiedenen Ländern zeigen ihre Arbeiten und hauchen dem alten Gemäuer neues Leben ein. Beide hoffen, dass sich auch in Zukunft Kunst auf diese ungewöhnliche Art in Spandau präsentiert wird.

Reflektionen über die Kindheit

Früher einmal gehörte der Keller zu einem alten Patrizierhaus. Später wurde das Gebäude darüber als Prinz-Heinrich-Palais bekannt. Benannt nach dem Bruder Friedrichs des Großen. Den zweiten Weltkrieg hat das Gebäude nicht überstanden. Jetzt aber ruft ein Objekt der Ausstellung für manche die Erinnerung an Bombennächte im Keller zurück oder aber auch die Nachkriegszeit. Ein über eine Leiter begehbarer Kellerraum entpuppt sich als Zimmer mit laufendem Fernseher. Der Film „Wir Kellerkinder“, eine Gesellschaftssatire mit dem genialen Wolfgang Neuss, zeigte schon damals, welche Spannungen in einem Keller entstehen können, wenn dort Geschichten erzählt werden. Deutsche Filmverleiher boykottierten diesen Film erst einmal. Nadya Dittmar schuf diese Installation, deren Film gleichzeitig Namensgeber der Ausstellung wurde.

Ihre Künstler-Kollegin Madoka Chiba, mit der sie die Ausstellung gemeinsam konzipiert hat, verwandelte einen kleinen düsteren Kellerraum in ein Schlafzimmer. Ein schlichtes Bett in absoluter Finsternis. Nur ein Lichtstrahl, der durch ein Fenster dringt, projiziert „Schatten der Vergangenheit“ auf das Bett.

Licht dagegen wirkt direkt im Nachbarraum in der Installation Haut an Haut. Große Papierbahnen werden von Lichtern durchstrahlt und verwandeln den abweisenden Raum in ein warmes Nest.

Ganz bewusst verzichten die Künstler auf Erklärungen zu ihrer Kunst. Ein Titel allein soll genügen, um die Fantasie des Betrachters anzuregen. Bis zum 23. Juni ist noch Gelegenheit, dieses Ausstellung zu besuchen. Spandau hat mit diesem Gewölbe und den Ausstellungen von Nadya Dittmar ein echtes künstlerisches Kleinod bekommen. Hier wird Kunst präsentiert, die den Besucher auch ein wenig fordert.

 

Ralf Salecker

 

Projektraum Historischer Keller

  •     Carl-Schurz-Str. 49/51 (direkt hinter dem Torbogen)
  •     13597 Berlin
  •     Eröffnung am 23.5. 2013 um 19 Uhr
  •     Dauer bis zum 23.6. 2013
  •     Voraussichtliche Öffnungszeiten: Sa und So 14-18 Uhr
  •     sowie nach Vereinbarung: kontakt@projektraum-historischer-keller.de
  •     www.projektraum-historischer-keller.de
  •     oder 030/ 23180592

Wiederbelebung der Altstadtplenen zur Aufwertung der Altstadt

Gemeinsam an einem Strang ziehen

Susanne Babst (Grafikerin) und Sven-Uwe Dettmann (Partner für Spandau) (Foto: Ralf Salecker)

Susanne Babst (Grafikerin) und Sven-Uwe Dettmann (Partner für Spandau) (Foto: Ralf Salecker)

Altstadtmanagement Spandau und das bezirkliche Wirtschaftsförderung luden zur Auftaktveranstaltung für eine neue Reihe von Altstadtplenen. In den Plenen soll ein Problembezogener Austausch unterschiedlicher Akteure im Bereich der Spandauer Altstadt stattfinden. Im Vordergrund steht dabei ein konkreter lösungsorientierter Ansatz. Mit der „Spandauer Altstadtmeile – Kunst verbindet“ und den dazu gehörenden drei Aktionstagen „Was Kunst Du?“ mit dem Straßenkünstlerwettbewerb am 8.6., „Hinz und Kunst“ und „Kunst Du Leuchten“, sowie dem Fotowettbewerb, der noch bis zum 19.6. läuft, ist ein mehr als beachtliches Ergebnis in den früheren Altstadtplenen erzielt worden.

Der Gewinn des berlinweiten Wettbewerbs „MittendrIn Berlin! Die Zentren-Initiative“ ist eine gute Motivation für die Fortsetzung des erfolgreichen Konzeptes der Altstadtplenen. Da nicht alle Beteiligten regelmäßig an den Veranstaltungen teilnehmen können, wird ein „Ideenpool“ auf der Seite des Altstadtmanagements eingerichtet. So kann sich jeder per E-Mail an der Ideenfindung beteiligen.

Dazu Kerstin Schmiedeknecht vom Altstadtmanagement:

„Die Aufwertung der Spandauer Altstadt zu einem attraktiven und modernen Stadtzentrum ist ein Prozess, der einen „langen Atem“ und viel Unterstützung braucht. Vor allem aber kommt es darauf an, dass alle „an einem Strang ziehen“. Deshalb wollen wir die bewährten Altstadtplenen aus dem Jahr 2011 wieder reaktivieren; diese jedoch sowohl inhaltlich als auch organisatorisch „straffen“. Ziel der neuen Altstadtplenen soll es sein, neue Perspektiven für die Altstadt aufzuzeichnen und auf breiter Ebene zu diskutieren. Aber auch neue Projektideen sollen hier entwickelt werden. Die Ergebnisse der Altstadtplenen sollen als Handlungsempfehlungen für die Akteure vor Ort und die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung dienen.“

Drei Arbeitsgruppen wird es geben

In einer Leitbildentwicklung soll das Ziel einer anzustrebenden Entwicklung bestimmt werden. Spandau muss ein unverwechselbares Profil entwickeln. Die Altstadt soll ein Ort werden, an dem man etwas Besonderes erleben kann. Junge Menschen müssen für sie begeistert werden, wozu ein gesunder Branchenmix sicherlich beitragen kann, der zusätzlich einen hohen Qualitätsstandard aufweisen soll.

Dazu ist eine weitergehende Standortentwicklung notwendig, die lohnenswerte Angebote für bestimmte Zielgruppen schafft. Gemeinsamen Veranstaltungen schaffen dabei Synergieeffekte und stärken das Gemeinschaftsgefühl. Dazu gehören auch „Spandau-Tage“ an anderen Orten, um für Spandau zu werben.

In der Gestaltung des öffentlichen Raums soll sich das Leitbild widerspiegeln. Dazu ist eine Gestaltung notwendig, die den Bedürfnissen der Besucher entspricht. Ein Leitsystem soll sie auf die interessantesten Orte, wie z. das neuzugestaltende Lindenufer, aufmerksam machen.

All diese Ziele sind nicht über Nacht zu erreichen. Ohne eine konstruktive Beteiligung der Geschäftsleute und Vermieter vor Ort dürfte es sehr schwierig werden. Die Altstadtmeile könnte ein Signal dafür sein, was möglich ist, wenn man an einem Strang zieht.

 

Ralf Salecker

Worte der Kritik von den Heimatkundlern

Jahreshauptversammlung im Bürgersaal

Erster Vorsitzende der Heimatkundlichen Vereinigung Spandau e.V. (HKV) Karl-Heinz Bannasch (Foto: Ralf Salecker)

Erster Vorsitzende der Heimatkundlichen Vereinigung Spandau e.V. (HKV) Karl-Heinz Bannasch (Foto: Ralf Salecker)

Die Versammlung begann mit einem traurigen Teil, dem ehrenden Gedenken an drei im letzten Jahr verstorbene Mitglieder der Heimatkundler. In seiner Einstiegsrede hielt sich der Erste Vorsitzende der Heimatkundlichen Vereinigung Spandau e.V. (HKV) Karl-Heinz Bannasch mit Kritik nicht zurück, als er die Jahreshauptversammlung im Bürgersaal eröffnete. Das Verhältnis zu Bildungsstadtrat Gerhard Hanke ist anscheinend etwas angespannt. Bannasch betonte, dass sie nur vorübergehend ihre Räumlichkeiten auf der Zitadelle verlassen hätten, um den Renovierungs- und Sanierungsarbeiten während des Umbaus von Haus 8 nicht im Wege zu stehen. Er machte deutlich, dass die ausgesprochene Kündigung für die Vereinsräume in Haus 9 durch Gerhard Hanke wieder zurück genommen werden musste. “Wir kommen wieder zurück!”

Einige Veranstaltungen konnte die Vereinigung auch im vorangegangenen Jahr durchführen. Bannasch hob dabei die Gedenkveranstaltung für die Mauertoten und die umfangreiche Exponatübergabe an das Stadtgeschichtliche Museum im Schätzwert von rund 12000 Euro hervor.

Im Jahr 2013 starteten die Heimatkundler ihr Gedenktafelprogramm. Die erste Gedenktafel hat ihren Platz in der Filiale der Volksbank am Markt. An der Stelle des heutigen Volksbankgebäudes stand einst das alte Rathaus, in dem vor 100 Jahren die Entscheidung zum Bau des heutigen Rathauses getroffen wurde. Die Heimatkundlichen Vereinigung Spandau e.V. beteiligt sich an der Vorbereitung der Feierlichkeiten zum diesjährigen Jubiläumsprogramm und wird auch einige Programmpunkte aktiv bestreiten. Gerne, erklärte Bannasch, sind die Heimatkundler auch zukünftig bereit, mit Rat und Tat im Sinne des Bezirkes mitzuwirken – wenn man sie bittet.

Oft muss die HKV Besuchern und Anrufern und per E-Mail auf der Zitadelle Auskünfte erteilen zu Dingen, die eigentlich nicht in ihren Aufgabenbereich fallen, sei es zu Veranstaltungen oder Eintrittsgeldern. Aber sie machen es gerne, betonte der 1. Vorsitzende. Die Vereinigung sieht sich als Teil der Zitadelle. Nicht so gerne sehen sie Zeugnisse der DDR-Vergangenheit, die als Exponate in der großen Ausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ zu sehen sein werden.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein langer – ein wenig zu patriotischer – Vortrag von Manfred Schulze, der die Befreiung Spandaus vor 200 Jahren von den Franzosen thematisierte. Spannend war der Ansatz, den Blick auf Frauen und ihre Beteiligung an dieser Befreiung zu beleuchten, so gab es einige, die als Mann verkleidet in den Krieg zogen. Kritik wurde am Bezirk geäußert, der es versäumt hat, diesem wichtigen Jubiläumsdatum in der Bezirksgeschichte eine entsprechende Würdigung zu geben.

 

Ralf Salecker

Altstadtmanagement Spandau

Gemeinsam Zukunft gestalten

Das Team vom Altstadtmanagement Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Das Team vom Altstadtmanagement Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Das Altstadtmanagement Spandau stellte sich am Montag im Bürgersaal der Öffentlichkeit vor. Den meisten Geschäftsleuten in der Altstadt war die noch recht junge Institution in Spandau spätestens durch die persönliche Einladung zu dieser Informationsveranstaltung bekannt. Der Bürgersaal war insgesamt recht gut gefüllt, ein Zeichen für das große Interesse. Trotzdem hätten es durchaus mehr Geschäftsleute sein können.

Die großen Ziele der Zukunft

In den nächsten zwei Jahren hat das Altstadtmanagement ein paar nur schwer zu bewältigende Aufgaben vor sich. „Aktivierung und Vernetzung der lokalen Akteure zur Förderung des gemeinsamen Handelns“ hört sich erst einmal sinnvoll und wichtig an. Schaut man sich die „üblichen Aktiven“ an, die sich kontinuierlich konstruktive Gedanken um die Altstadt machen, dann ist der Kreis der Akteure eher überschaubar. Frust, Desinteresse, schlechte Erfahrungen, wenig Zeit …, die Liste der Gründe, sich nicht zu beteiligen, ließe sich fast endlos fortsetzen.

Ein erster erfolgreicher Schritt scheint mit der Spandauer Altstadtmeile und dem Fotowettbewerb gemacht. Das gemeinsam erarbeitete Konzept „Kunst verbindet“ war so erfolgreich, dass es zu den Gewinnern von Mittendrin! Berlin gehörte. Ein enormer Motivationsschub und der Beweis dafür, dass es gelingen kann, gemeinsam an einem Strang zu ziehen – für eine „bessere“ Altstadt. Trotzdem sind die Zweifler noch immer in der Mehrheit.

Hausbesitzer und Geschäftsleute in der Altstadt müssen ihrer Verantwortung für die Altstadt gerecht werden. Zu hohe Mieten erschweren die Ansiedlung eines gesunden Branchenmix. Die Altstadt braucht keine weiteren Billig-Friseure, Nagelstudios, 1-Euro-Läden, Handy-Shops usw., Qualität und ein bedarfsgerechte Angebote sind das Ziel.

Es gilt ein klares erkennbares Profil der Altstadt zu entwickeln, um sie erfolgreicher vermarkten zu können. Dieses Ziel muss gemeinsam erarbeitet werden. Es müssen Gründe geschaffen werden, damit alte und neue Kunden gerne und bewusst in die Altstadt kommen. Die Gestaltung des äußeren Raumes gehört ebenso dazu, wie die inhaltlichen Angebote. Dazu ist eine positive Abgrenzung von anderen Geschäftsstraßen unerlässlich. Das Besondere und einzigartige muss herausgearbeitet und auch entsprechend „verkauft“ werden.

Über politische Grenzen hinweg

Das Team des Altstadtmanagements freut sich über eine Unterstützung, die über Parteigrenzen hinweg funktioniert. Nur wenn alle (Politik, Wirtschaft und Kreative) gemeinsam, an einem Strang ziehen, ist eine positive Entwicklung der Altstadt möglich – eine Erkenntnis, die von den meisten uneingeschränkt geteilt wird. Jetzt muss sie nur mit Leben erfüllt werden.

Im Rahmen von Altstadt-Plenen, Info-Veranstaltungen und Workshops sollen alle Akteure gemeinsam neue Konzepte entwickeln und Fördermittel zur Sicherung von notwendigen Investitionen akquirieren, die nicht aus dem Bezirkshaushalt getätigt werden können.

 

Ralf Salecker

Kiezväter in der Spandauer Neustadt

Starke Väter braucht der Kiez

Kiezvater Israfil- Yldizkan (Foto: Ralf Salecker)

Kiezvater Israfil- Yldizkan (Foto: Ralf Salecker)

Oft ist Erziehung Sache der Frauen, nicht nur in unserem Kulturkreis. Erziehung ist kein Zuckerschlecken. Es ist keine neue Erkenntnis, dass ein großer Anteil des uns prägenden Lernprozesses im Kreis der Familie stattfindet. Es können Probleme auftreten, die Eltern überfordern. Das trifft insbesondere Alleinerziehende. Dann erfordert es viel Mut, sich dies einzugestehen und nach Wegen zur Problemlösung zu suchen obwohl das Rollenverständnis des eigenen Kulturkreises eine solche Entscheidung nicht gerade erleichtert. Eltern benötigen ebenso Stärkung, wie Kinder. Seit rund eineinhalb Jahren existiert in der Spandauer Neustadt eine Gruppe, deren Namen neugierig macht – die Kiezväter. Sie bieten Beratungsangebote zu sozialen und Erziehungsfragen. Mit regelmäßigen Veranstaltungen werden alltägliche Dinge des Lebens zum Thema gemacht aber eben auch Konflikte, die sich aus der eigenen Kultur ergeben.

In Neukölln existieren solche Projekte seit vielen Jahren

Gerade im Problembezirk Neukölln entstanden die ersten Kiezväter-Gruppen. In den Medien wurde immer wieder über die sehr erfolgreiche Idee berichtet. Väter, die Angst davor hatten, ihren Kindern und Frauen gegenüber gewalttätig zu werden oder es sogar waren, wie solche, die sich ein Herz fassten und sich allgemeinen Erziehungsproblemen widmen wollten, die sie deutlich überforderten. Dort wurden die Kiezväter als Multiplikatoren ausgebildet, damit sie ihre Erfahrungen weiter tragen konnten, sei es in den Freundes- und Verwandtenkreis, der oft kein Verständnis für alleinerziehende Väter aufbrachte oder gar in die Teehäuser.

In der Spandauer Neustadt wird ähnliches versucht

Initiator der Spandauer Kiezväter ist Baljan Moradli. Der sytemische Paar- und Familientherapeut turkmenischer Herkunft arbeitete 18 Jahre in der Familienberatung. Einen großen Schatz an Erfahrungen kann man also voraussetzen. In der Neustadt möchte man in dem Projekt u.a. „Scouts“ ausbilden, die Informationen zu scheinbar alltäglichen Probleme weitergeben sollten.

Probleme mit der Schule, Ernährungsberatung, die Heranführung an Kultur über Lesestunden (Leseväter), Erziehungsberatung, der Umgang mit Behörden, Tipps zu Sportvereinen und auch Computerkurse, Rechtsberatung und ein Väter-Café (als regelmäßigen Treffpunkt) sind nur einige Beispiele für das bunte Spektrum.

Dabei gehört die intensive Zusammenarbeit mit Initiativen, die ähnliches versuchen, zum wichtigen Standbein. Es sollen keine Einzelkämpfer herangebildet werden.

Weiterhin geht es nicht darum, Konflikte zwischen Müttern und Vätern, die ihre Kinder und das Sorgerecht betreffen zu verstärken. Ganz im Gegenteil. Konfliktmoderation soll gerade diese Hürden für das Miteinander überwinden helfen.

Schade nur, dass diesem besonderen projekt nicht der Erfolg seines Neuköllner Vorbildes beschieden ist. Sind die Väter hier weniger mutig oder problembewusst?

 

Ralf Salecker

 

 

Kiezväter:

  • Lutherstraße 17, 13585 Berlin
  • Baljan Moradli: moradli@jugendwohnen-berlin.de

 

Öffnungszeiten Kiezväter-Treff

  • Dienstag 12.00-14.00 Uhr – Allgemeine Beratung
  • Dienstag 14.00-16.00 Uhr – Rechtsberatung
  • Dienstag 16.00-18.00 Uhr – Väter-Café, Computer-Väter (Anfänger)
  • Donnerstag 15.00-18.00 Uhr – Allgemeine Beratung
  • Weitere Termine nach Vereinbarung (Tel: 030-22194583)

100 Jahre Regierungssitz Spandaus

Das Rathaus feiert ein rundes Jubiläum

Modell - Rathaus Spandau  (Foto: Ralf Salecker)

Modell – Rathaus Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Ein großes Hin und Her hat es damals gegeben, als die Honoratioren der Stadt Spandau überlegten, wo denn das neue Rathaus stehen sollte. Das alte Haus am Markt war inzwischen viel zu klein geworden und die Altstadt letztendlich zu „eng“. Man wollte ein deutliches Zeichen setzen, also errichtete man das neue Rathaus vor den Toren der Altstadt. 100 Jahre ist es im September diesen Jahres her. Für Spandauer ein guter Grund zu feiern.

Im letzten Jahr wurde schon das 100jährige Jubiläum der Grundsteinlegung begangen. 100 Bürger kamen zur Feier in den Bürgersaal. Diesmal soll es eine Veranstaltung im Saal der Bezirksverordnetenversammlung geben, weil nur er groß genug ist, um die erwarteten Menschen aufzunehmen.

Stolz führte schon damals zu großen Schulden

Stolz waren die Bürger damals, nicht alle, aber diejenigen, die sich durchsetzen konnten, erwirkten den Bau eines Rathaus, mit dem man Eindruck schinden wollte. Berlin drohte, die Stadt Spandau zu „verschlingen“. Vorbei wäre es dann mit der lange gepflegten Eigenständigkeit. Groß und prächtig sollte der Bau also werden – trotz großer Schulden. Damals hat man es nicht anders, als heute gemacht. Augen zu und durch. Natürlich wurde das Rathaus teurer, als geplant. Natürlich wurde Spandau trotzdem eingemeindet – zum Glück, kann man heute nur sagen. Sonst hätten alle Spandauer 40 Jahre DDR erleben dürfen.

Ganz bewusst errichtete man einen Turm, der auch den nahen Turm der Nikolai-Kirche in der Altstadt überragte, schließlich ging es auch darum, ein starkes Bürgertum zu dokumentieren. Ein Wettbewerb sollte die Entscheidung über den Entwurf liefern. Nicht der erste Platz wurde dann gebaut, vielmehr griff man auf den 2.Platz zurück, einen Entwurf der Architekten Heinrich Reinhardt und Georg Süßenguth, die schon für das Rathaus Charlottenburg verantwortlich zeigten.

Feier findet früher statt

Eigentlich hätte die Feier am 15. September stattfinden müssen, dem Tag, an dem das Rathaus damals feierlich eingeweiht wurde. Die nahe bei liegenden Bundestagswahlen erzwingen aus organisatorischen Gründen eine Vorverlegung des Termins, so Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank. Das ist nicht weiter schlimm. Vor den Toren des ehrwürdigen Rathaus Spandau feiert Spandau sein traditionelles Altstadtfest und den Weinsommer. Kein Grund zur Traurigkeit also! Neugierigen können zur Feier des Jubiläums in Räume vordringen, die nur wenige zuvor gesehen haben.

Im Oktober findet aus Anlass des Jubiläums ein ökumenischer Gottesdienst in der Nikolai-Kirche statt. Im Rathaus selbst ermöglicht eine Ausstellung der Heimatkundlichen Vereinigung einen Blick 100 Jahre zurück.

Zu solch einen Jubiläum soll ja immer etwas Besonderes geboten werden. Es ist zwar kein Geschenk, dafür aber trotzdem etwas Ungewöhnliches. 781 Kopien des goldenen Buches der Stadt Spandau werden zu kaufen sein – schließlich wurden 781 Jahre zuvor Spandau die Stadtrechte verliehen.

 

Ralf Salecker

35 Jahre Arbeitskreis Spandauer Künstler

Ein buntes Haus an der ehemaligen Grenze

Hella Zarski, die gute Seele des ASK (Foto: Ralf Salecker)

Hella Zarski, die gute Seele des ASK (Foto: Ralf Salecker)

Es ist kalt, verschorfter Schnee liegt auf dem Bürgersteig und die Autos rasen an dem flachen bunten Gebäude vorbei. Niemand scheint Notiz von dem Bau an der Heerstraße zu nehmen. Es ist noch nicht lange her, da mussten hier alle einen Stopp einlegen, ob sie wollte oder nicht. Heute kommen die Besucher gerne, nicht nur, um das 35-jährige Jubiläum zu feiern. Die ehemalige Zollstation an der Heerstraße ist heute die Heimstatt vieler Künstler, die sich hier einige Ateliers teilen.

1978 gründete der Spandauer Maler Otto Witte diese unentwegte Gruppe, von der damals kaum jemand annahm, dass sie so lange Bestand haben würde. Er selbst kann dieses Jubiläum nicht mehr feiern da schon 1984 verstarb. 1991 bezog der Arbeitskreis Spandauer Künstler die alte Zollstation an der Heerstraße. Der Einzug war gleichzeitig eine Rettungsaktion für das Gebäude. Eigentlich sollte es dem Bagger weichen. Mit Transparenten vor dem Rathaus setzten sie sich für den Erhalt des Gebäudes ein.

Bunte künstlerische Vielfalt in der Zollstation

Schon von außen macht der Flachbau deutlich, hier geht es künstlerisch zu. Tritt man hinein, ist kaum ein freies Fleckchen Wand zu entdecken. Bilder über Bilder in den unterschiedlichsten Malstilen schmücken die Wände und machen deutlich, hier wird mit viel Elan gemalt.

Die älteste Dame im Künstlerkreis ist stolze 92 Jahre alt, erzählt Hella Zarski, die Vorsitzende des ASK. Seit mehr als 10 Jahren leitet sie die Geschicke des Vereins. In vielen Ausstellungen präsentierten die Mitglieder die Ergebnisse ihrer Arbeit. Zuletzt unter dem Titel „Vielfalt statt Einfalt“ im Gotischen Haus.

Selbst in der Schweiz wurden Werke der Künstler schon präsentiert. Das aufregendste Erlebnis war aber eine große Ausstellung in der Petri-Kirche in Riga, erzählt mit großer Begeisterung Helga Zarski. Der ehemalige Kunstamtsleiter Gerd Steinmöller pflegte einen freundschaftlich-künstlerischen Austausch mit der Stadt in Lettland. Die Ausstellung des ASK dort war die erste deutsche Ausstellung nach 50 Jahren dort gewesen.

Offene Ateliers

Jeden 1. Und 3. Sonntag im Monat können Besucher sich von der Kunstfertigkeit im Haus überzeugen. Von 14 bis 17 Uhr sind diese bei freiem Eintritt gerne gesehen.

Kunst von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen ist hier präsent. Seit kurzem nutzt eine iranische Künstlerin ein Atelier dort. Ein Yankton-Sioux-Indianer, Robert Alan Packard, fertigt kunstvolle Skulpturen und Pfeifenköpfe aus einem speziellen blutroten Tonstein, dem Catlinit, der nur in seiner Heimat South Dakota vorkommt.

Die Bilder von Hella Zarski finden ihren Ursprung in der Natur – Steine am Ostseestrand oder von Wind und Wellen geformte Zweige. Ganz anders sind die Bilder von Karin Schulte – Götel. Sie war früher in der Modebranche tätig und gibt sich nun abstrakten Ölbildern mit warmen explosiven Farben hin. Klaus Linderhaus ist gleich in doppelter Art und Weise tätig. Als Flaneur durchwandert er die Stadt und beschreibt seinen Blick auf Berlin in Lesungen. Seine Bilder dagegen sind Skizzen der Stadt in Tusche und Aquarell.

Ein Besuch im Haus an der Heerstraße lohnt sich also in jedem Fall.

 

Termine

17. März: Lesung der Autorengruppe Dichtung und Wahrheit um 15 Uhr

26. Mai: Kunst und Maibowle von 14 bis 19 Uhr

11. August: Sommerfest von 14 bis 19 Uhr

Weiteres auf: http://www.ask-galerie-berlin.de/

Es ist vollbracht, das Jahr wird Gelb in Spandau

Spandauer Altstadtmeile ging in die Startlöcher

Spandauer Altstadtmeile - Ich bin dabei

Spandauer Altstadtmeile – Ich bin dabei

Vor kurzem gewann der Bezirk Spandau in einem berlinweiten Wettbewerb. “MittendrIn Berlin! Die Zentren-Initiative” von IHK Berlin, Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Umwelt sowie Wirtschaft, Technologie und Forschung und Partnern aus der Wirtschaft möchte damit städtische Zentren fördern. Besser gesagt, ihnen helfen, die jeweiligen Standtorte/Geschäftsstraßen in ihrer Attraktivität zu steigern.

Es ist das erste Mal, dass Spandau mit einem Beitrag zu den Gewinnern gehört. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Monatelang haben Kunstschaffende, Geschäftsleute, Verwaltung und Spandau-Marketing gemeinsam an einem Konzept gefeilt. Unter dem Motto des Wettbewerbs „Laufend Neues erleben“, veranstaltet Spandau an drei Tagen im Jahr die „Spandauer Altstadtmeile – Kunst verbindet“. Kulturelle Veranstaltungen der besonderen Art im Herzen Spandaus.

Gelb ist die Farbe der Altstadtmeile

Vereinigung Wirtschaftshof Spandau e.V., Partner für Spandau GmbH, die Wirtschaftsförderung des Bezirksamtes und Künstler haben einfach mal die Altstadt vergrößert. Von den Arcaden bis zur Zitadelle reicht sie nun. 1606 Meter sind es – eine Meile. Damit sie auch niemand übersieht, wird eine gelbe Linie „als roter Faden“ alles verbinden.

„Drei kulturelle Veranstaltungen im Sommer 2013 sollen das gewachsene Hauptzentrum Altstadt Spandau als attraktive, überraschende und interessante Einkaufs, Kultur-, und Flaniermeile berlinweit bekannt machen. Kunst ist dabei verbindendes Element und bringt engagierte Bürger mit vielfältigen kulturellen Hintergründen, Händler, Künstler, Kulturschaffende und Vereine zusammen, um die größte Fußgängerzone Berlins nachhaltig attraktiv zu machen.“

Gelb wird nicht nur die verbindende Linie, sondern auch die Farbe von Veranstaltungsorten und Schaufenstern, in denen Kunst präsentiert wird.

Auftaktveranstaltung im Bürgersaal

Am Montag war der große Tag der Präsentation der Spandauer Altstadtmeile. Schon in der Eingangshalle zum Rathaus wurden die Gäste zünftig empfangen. Magma-Theater und die freie Theatergesellschaft Elektra stimmten die Besucher ein. Der Weg in den Bürgersaal ging – natürlich – entlang der gelben Linie. Es wurde voll dort oben, so voll wie schon lange nicht mehr. Das Interesse war riesig groß.

Damit möglichst keine Langeweile aufkommt, wurden die Programmpunkte der Aktionstage nur kurz vorgestellt. Fragen konnten dann an den jeweiligen „Ständen“ eine Antwort finden. Gabriele Fliegel vom Wirtschaftshof, Carsten Röding, Sven-Uwe-Dettmann und Björn Martin stellten die wichtigsten Eckdaten vor, unterhaltsam unterbrochen von musikalischen Darbietungen, Aktion-Painting und einem Spandau-Sketch. Spandau zeigte, dass es begeistern kann.

Drei besondere Tage 2013

Spandauer Altstadtmeile - Ich bin dabei

Spandauer Altstadtmeile – Ich bin dabei

Am 1. Juni geht es los mit „Was Kunst Du?“. Schirmherr ist der bekannte Comedien Sascha Grammel. Auf fünf Bühnen unterhalten Musiker, Jongleure, Pantomimen, Comediens und Schauspieler. Schaufenster präsentieren Kunst. Ein Straßenmusiker-Wettbewerb sorgt für eine lebendige Altstadt.

Am 17.August geht es weiter mit „Hinz und Kunst“. Kunst zum Mitmachen ist angesagt. Musik, Malerei und mehr.

Zu Ende geht es am 7. September mit „Kunst Du Leuchten?“. Die lange Kunst- und Shopping-Nacht wird mit besonderen Illuminationen zu einem sinnlichen Erlebnis.

Ein besonderes Highlight ist der „Foto-Kunst-Lauf“, initiiert von der Grafikerin Susanne Babst, und den Fotografen Alexander Hauswald und Ralf Salecker, der am 11.2. 2013 beginnt. Teilnehmen können alle, die Spaß am Fotografieren haben. Teil 1, vom 11.02. bis zum 18.06.2013, fordert die Teilnehmer heraus, Spandau unter einem besonderen Blickwinkel zu zeigen. Attraktive Preise locken und natürlich eine Ausstellung mit den besten Bildern.

Die Auftakt-Veranstaltung war ein voller Erfolg. Wer nun meint „Ich bin Dabei“, kann dies als Künstler, Helfer, Sponsor, Dienstleister und Gewerbetreibender gerne unter der E-Mail-Adresse des Altstadt-Managements gerne tun.

Altstadtmanagement Spandau

 

Ralf Salecker

Vereinsgründung im Bürgersaal: Kulturladen Altstadt

Erfolgreicher Start durch finanzielle Unterstützung aus LSK-Mitteln

Elmas Wieczorek (lv) und Hans Kamprad (hr) im Kulturladen Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Elmas Wieczorek (lv) und Hans Kamprad (hr) im Kulturladen Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Am Dienstag, den 8. Januar war es soweit. Der Traum der Sozialarbeiterin Elmas Wieczorek ging in Erfüllung. Viele Interessierte aus Politik, Wirtschaft und Kultur folgten der Einladung, sich über einen neuen Kulturverein in der Altstadt zu informieren. Etwa 15 Mitglieder gründeten im Rahmen der Veranstaltung den Verein „Kulturladen Altstadt – Spandau“ im Bürgersaal des Rathauses Spandau.

Die Idee zu diesem Projekt kam Elmas Wieczorek schon während ihres Studiums und ließ sie auch später nicht mehr los. Der Ansatz ist recht einfach: Schaffung einer Begegnungsstätte für unterschiedliche Kulturen im Herzen der Spandauer Altstadt. Jung und Alt sollen hier zusammenkommen und von den Fertigkeiten der anderen profitieren.

Helmut Kleebank: Die Idee ist unbedingt unterstützungswert

In einer einleitenden Rede zur Veranstaltung betonte Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, dass Elmas Wieczorek, die schon 17 Jahre in Deutschland lebt, bei ihm mit der Vorstellung der Idee offenen Türen eingerannt hat: „Der Kern der Idee, einer interkulturellen Begegnungsstätte im Herzen der Spandauer Altstadt ist unbedingt unterstützendwert, weil sie so gut, so sinnvoll und so zielführend ist. Hier werden die beiden großen Themen Integration und Belebung der Altstadt miteinander verwoben.“

Niemand kann solch ein Projekt alleine stemmen. Hierfür braucht es viel Kompetenz und Engagement, betonte der Bürgermeister dann auch – und natürlich auch Geld. „Ansonsten ist dieses Projekt eine schöne  Idee, aber mehr auch nicht. So stellte sich die Frage, wer denn die Unterstützung im Bezirk sein könnte. Wer hat genug Know-how, wer hat genügend Kreativität und Vernetzung und vor allem genügend Weitsicht, ein solches Projekt hier in Spandau mit auf den Weg zu bringen.“

Der Wirtschaftshof Spandau, vertreten durch Frau Fliegel, das Kulturhaus Spandau, vertreten durch Frau Richter, Staakkato e.V., vertreten durch Hans Kamprad und viele mehr, halfen mit, dass es im Dezember einen praktischen Probebetrieb in Räumen der Raab-Passage geben konnte. Auch dies war nur möglich, weil die Familie Raab die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung stellte.

Die Aufgabe besteht jetzt darin, wie es gelingen kann, aus dieser Initialzündung in der Altstadt eine dauerhafte Einrichtung zu machen. Eine Voraussetzung dafür ist die Gründung eines Vereins. Eine andere zweifelsohne das Geld. Im Programm Lokales Soziales Kapital (LSK) wurde kurz vor der Veranstaltung ein Projekt beantragt und beschlossen – mit der Auflage, dass es in der Altstadt stattfinden muss. Nach Möglichkeit in den erprobten Räumen in der Raab-Passage oder, wenn es nicht gehen sollte, an einem anderen Ort in der Altstadt.

 

Ralf Salecker

Mit guten Vorsätzen in die Volkshochschule Spandau

Körper und Geist etwas Gutes tun

Volkshochschule Spandau

Volkshochschule Spandau

Das alte Jahr liegt noch nicht so weit zurück, doch die guten Vorsätze für das neue Jahr haben viele schon jetzt über Bord geworfen. Oder? Jedes Jahr aufs Neue wollen Mann und Frau mehr für die Gesundheit tun, einen ganz speziellen Fortbildungskurs belegen oder ihre Allgemeinbildung auf Vordermann bringen.

Ein wenig Zeit, bis zum offiziellen Semesterbeginn der Volkshochschule Spandau scheint noch zu sein. Das Frühjahrssemester geht vom 11. Februar bis zum 21. Juni 2013. Doch einige Kurse beginnen schon am 8.Januar. Die bekannten und beliebten Kurse sind möglicherweise schon jetzt belegt. Oft sind es immer die gleichen Leute, die sich in den Kursen zusammenfinden. Es muss sich also lohnen. Preiswert sind die Kurse allemal.

Flexibel mit dem Flexibar

Es lohnt sich, einfach mal so durch das Angebot zu stöbern, um sich die weniger bekannten Kurse anzuschauen. Dort könnte sich die eine oder andere Perle entdecken lassen.

Wissen sie, was Bioswing ist? Nein, es ist keine biologisch abbaubare Tanz-Art. Das passende Sportgerät dagegen werden bestimmt schon einmal gesehen haben, den Flexibar. Ein langer dünner Stab aus Fiberglas, mit einem weichen Griff in der Mitte, der in unterschiedlichsten Köperhaltungen in gleichmäßige Schwingungen gebracht werden muss. Was sich so leicht anhört fordert dann doch eine Menge Anstrengung. Obwohl keine schweren Gewichte, wie beim normalen Krafttraining genutzt werden, trainiert es doch die Tiefenmuskulatur. Am 11.2. beginnt der passende Kurs “Flexibel mit dem Flexibar” (Sp3.500F) mit Kirsten Heidler in der VHS-Filiale in der Eiswerderstraße 7.

Wie sah es früher in Spandau aus?

Mit Jürgen Grothe in die Spandauer Vergangenheit reisen! Wer sich ein wenig über die Altstadt sowie deren Häuser und Bewohner informieren möchte, dem sei die Lesung (Sp1.427aF) von Jürgen Grothe im Lesecafé der Stadtbibliothek ans Herz gelegt. Dort liest er am aus seinem kürzlich erschienenen Buch „Ein Spaziergang durch die Spandauer Altstadt“. Am 7.3. von 18 bis 9:30 Uhr können sie sich bei freiem Eintritt erzählen lassen, wo sich Spandaus Reeperbahn oder das Brandenburger Tor befanden. Dieser Kurs ist kostenlos, aber nicht umsonst.

Politik, Gesellschaft und Umwelt jenseits des Stammtisches

Die politische Streit- und Diskussionskultur wird kaum mehr gefördert. Schaut man sich die Schlagzeilen einiger Zeitungen an oder hört, was so auf Stammtischniveau geredet wird, dann kann einem angst und bange werden. Wer politische Themen anspruchsvoller diskutieren möchte, findet in der VHS die passende Gelegenheit. Ein Besuch von Vorträgen, politischen Veranstaltungen oder Einrichtungen und Gespräche mit Experten zeigen, dass es auch anders geht.

„Selbstbild – Fremdbild – Körperbild“ (Sp1.222F), ein Kurs, der sich mit unserer eigenen Selbstwahrnehmung, der Vorstellung was andere über uns denken und unserer eigenen Reaktion darauf auseinandersetzt.  Ein spannendes Thema, weil es uns dazu bringt, die eigenen Gedanken und Handlungen stärker zu relativieren.

Sie sehen, die Vielfalt ist groß! Stöbern Sie doch einfach mal im aktuellen Programm der Volkshochschule.

 

Ralf Salecker

 

Harri-Reinert-Volkshochschule Spandau

  • Moritzstraße 17, 13597 Berlin
  • Auskünfte erhalten Sie unter: 90279 – 5000
  • Öffnungszeiten: Montag, Dienstag 10–13 Uhr, Donnerstag 16–19 Uhr
  • Abendbüro
  • Bertolt-Brecht-Oberschule, Wilhelmstraße 10, Raum 1.B.04,
  • Telefon 3308 – 9953
  • Öffnungszeit: Montag bis Donnerstag 17.30-18.30 Uhr
  • Sie können auch im Abendbüro Ihre schriftliche Anmeldung abgeben und Auskünfte einholen.

„Haus der Kulturen“ in Spandau?

Ein Kulturladen mit Visionen

Elmas Wieczorek (lv) und Hans Kamprad (hr) im Kulturladen Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Elmas Wieczorek (lv) und Hans Kamprad (hr) im Kulturladen Spandau (Foto: Ralf Salecker)

Der Countdown kurz vor den Feiertagen ist eingeleitet. Menschen hetzen durch die Altstadt Spandau. Es wird wieder häufiger gerempelt als sonst. Tagsüber ist merkbar mehr los in den Straßen, als zu anderen Zeiten. Ein paar Unentwegte haben sich aufgemacht, in dieser Zeit der Unruhe einen kreativen Ruhepol und Ort der Musik und des Tanzes gleichzeitig zu schaffen.

Kulturladen in der Altstadt

Die Sozialarbeiterin Elmas Wieczorek und ihre Mitstreiter verteilen immer wieder Flyer, um auf das spannende Angebot hinzuweisen. Manch einer ist neugierig, fragt nach und geht ein paar Schritte den Gang zwischen Dorotheenstädtischer Buchhandlung und Oxfam hindurch. Ein kleiner Innenhof tut sich auf. Schon hier ist von dem Trubel „draußen“ nichts mehr zu spüren.

Tritt man in den Kulturladen hinein, fallen unweigerlich die Utensilien der letzten handwerklichen Tätigkeiten auf. Holzspäne und Schnitzmesser auf dem Tisch, im Schaufenster stehen die letzten noch nicht abgeholten Tonarbeiten der Kinder und auf der Leine hängen Bilder. Ein wenig improvisiert, aber gemütlich. Es wird Tee erreicht.

Ein paar leerstehende Räume haben Dank der Bereitschaft des Vermieters der Raab-Passagen einen neuen „Mieter“ auf Zeit gefunden. Der Kulturladen Spandau lädt Jung und Alt zum Verweilen ein. . Hier ist immer wieder eine Menge los. Kinder nehmen das Angebot gerne an. Ab 16 Uhr konnte und kann während der Tage des Spandauer Weihnachtsmarktes gebastelt, getrommelt und auch getanzt werden. Am kommenden Sonntag, dem 4. Advent kann z.B. in den Räumen männlicher Bauchtanz bestaunt werden.

Zusammenführen der Kulturen

Hier wurde natürlich nicht einfach ein Laden aufgemacht, um gelangweilte Menschen zu bespaßen oder gestressten Elter eine Aufbewahrungsmöglichkeit für die Kinder während der Weihnachtseinkäufe zu bieten.

Die Motoren des Kulturladens möchten eine Begegnungsstätte von Migranten und Einheimischen schaffen. Der Austausch von unterschiedlichen Kulturen soll neugierig machen auf die Qualitäten der anderen – „Vielfalt der Kulturen – ein Schatz für Alt und Jung“. Gewachsene Grenzen, sei es aus Bequemlichkeit oder Vorurteil können am besten im regelmäßigen Miteinander überwunden werden.

„Wir wollen einen Ort schaffen, an dem Begegnung der Kulturen möglich wird. Ein Haus in dem Platz ist für Menschen aus allen Kulturen, die in Spandau vertreten sind. Ein Haus für Begegnung, Veranstaltungen, Werkstätten, Kurse und Beratungen. Ein Haus in dem Toleranz und Respekt vor der anderen Kultur und vor Menschen anderer Religion und Weltanschauung praktiziert wird.“

Nicht ohne Grund ist ein Ort in der Spandauer Altstadt gewählt worden: „Ein Kulturprojekt, welches möglichst alle in Spandau vertretenen Kulturen einbeziehen will, braucht einen zentralen Veranstaltungsort, der für jeden leicht zur erreichen ist. Der Kulturladen Altstadt will an erster Stelle Begegnungsmöglichkeiten für Künstler, Handwerker und Menschen des Stadtteils schaffen. In Werkstätten soll gemeinsam gearbeitet, musiziert, getanzt und gespielt werden.“

Ziel ist es, den Kulturladen zu einer festen Institution zu machen. Jetzt darf er die Räume nur bis zum 28.12. nutzen. In Kürze ist die Gründung eines Vereins geplant, der mit allen kulturellen Gruppierungen im Bezirk zusammenarbeiten möchte. Wenn alles gut geht, wird es einmal regelmäßige Veranstaltungen, Werkstätten und Workshops geben, einen Raum der Begegnung und Kommunikation, in dem Junge und Alte unterschiedlichster Kulturen sich austauschen können.

 

Ralf Salecker

Handwerk und Kunst im Gotischen Haus

Der leise Ausgleich zum lautstarken Trubel

Die Keramik-Künstlerin Dorothea Nerlich organisiert den Märkischen Handwerkermarkt (Foto: Ralf Salecker)

Die Keramik-Künstlerin Dorothea Nerlich organisiert den Märkischen Handwerkermarkt (Foto: Ralf Salecker)

Nur wenige kennen die Spandau-Information von Partner für Spandau nicht. Schließlich gibt es hier die von freundlichen und kompetenten Mitarbeitern betreute Touristeninformation. Eintrittskarten für Konzerte in Spandau gibt es ebenso, wie Andenken und gedruckte Informationen zum Bezirk. Immer wieder verlocken Ausstellungen zu einem Besuch in Berlins ältestem Bürgerhaus.

In diesen Tagen gibt es einen traditionellen weiteren Grund, diese ehrwürdigen Mauern zu besuchen. Der „Märkische Kunsthandwerkerhof“ ist wieder einmal einer der schönsten Orte des Weihnachtsmarktes in Spandau. Wer einen Besuch hier versäumt hat, dem ist etwas ganz besonderes entgangen. Im letzten Jahr feierte diese Institution ihr 20-jähriges Jubiläum. All die Jahre, seit der Eröffnung des Gotischen Hauses, hat die Keramik-Künstlerin Dorothea Nerlich viel Herzblut in die Organisation des Marktes gesteckt.

Stammgäste kommen schon seit 20 Jahren

Trotz all der vielen Jahre erstaunt es Dorothea Nerlich immer wieder, wie viele Leute in der Vorweihnachtszeit im Haus vorbei kommen. Hier gibt es die seltene Gelegenheit, den Kunsthandwerkern bei ihrer Arbeit über die Schultern sehen zu können – zu sehen, wie Dinge entstehen. Inzwischen sind diejenigen Stammgäste, die einst als Kinder von ihren Eltern hierher geführt wurden. „Damals konnten sie kaum über den Tisch gucken“. Nun kommen sie, nicht nur aus nostalgischen Gründen, sondern weil sie sich dem Charme der Atmosphäre nicht entziehen können, wenn aus einem Tonklumpen zu einem ansprechenden Objekt geformt wird, aus welchem, nach dem Brand eine schöne Keramik wird.

Mittwochs vorweihnachtliches Basteln für Kinder

Wie Ton zur Keramik wird, ist vielen ein Mysterium. Viele wissen nicht, ob Ton gebrannt wird. So, wie manche annehmen, Kühe wären lila und Fische hätten die Form eines Koffers, fehlen einigen ganz grundlegende Erfahrungen, wie Dinge entstehen oder sie sind einfach in Vergessenheit geraten. Gerne stehen die Handwerker und Künstler Rede und Antwort. Im umliegenden Trubel der Altstadt ist das Gotischen Haus in der Vorweihnachtszeit eine Insel der Ruhe.

Geduld muss man in jedem Fall mitbringen. An den Wochenenden schieben sich Heerscharen von Besuchern durch die Räume, da ist es unter der Woche ein wenig ruhiger. Immer mittwochs im Dezember wird ein vorweihnachtliches Basteln für Kinder angeboten: ab 15 Uhr und zu einem Kostenbeitrag von 1,00 Euro je Kind. Anmeldung erbeten: (030) 354 944 297

Kunsthandwerker aus Berlin und dem Umland sind im Gotischen Haus vertreten. Der Kerzenzieher aus dem Fläming versorgt zur Weihnachtszeit einen großen Teil der Berliner Kirchen mit seinen Kerzen. Die angebotene Qualität überzeugt. Das gilt für alle angebotenen Produkte des Handwerkermarktes: „Handgefertigtes, klassisches und besonderes Holzspielzeug, weihnachtlicher Glasschmuck, Kerzen, Zinn, Keramik, Seide, Korbgeflochtenes, Seifen, Puppen und Teddybekleidung, Ikonen, Bilder und Skulpturen werden gezeigt.“

Der Kunsthandwerkermarkt im Gotischen Haus ist vom 1. bis 23. Dezember täglich bei freiem Eintritt geöffnet – sonntags bis freitags von 11 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 20 Uhr.

 

Ralf Salecker

“Meine Oma van Gogh” in der Stadtbibliothek

 Im hohen Alter noch zum Pinsel greifen

Die Stadtbibliothek verwandelt sich in ein altes Wohnzimmer (Foto: Ralf Salecker)

Die Stadtbibliothek verwandelt sich in ein altes Wohnzimmer (Foto: Ralf Salecker)

Alte Menschen zwischen 55 und 100 haben zum Pinsel oder einem anderen Malwerkzeug gegriffen und „auf die Leinwand“ gebracht, was ihnen auf der Seele lag. Das Ergebnis kann seit einigen Tagen in einer Ausstellung im Lesecafé der Stadtbibliothek in der Spandauer Altstadt betrachtet werden.

Nun mag man sagen, das ist doch nichts Besonderes, schließlich ist fast ein Drittel aller Spandauer über 60. Es sind nicht irgendwelche ältere Menschen, die künstlerisch tätig wurden. Alle nutzen die Seniorentagespflegestätte der AWO und sind auf die eine oder andere Art und Weise pflegebedürftig.

Wir werden glücklicherweise alle älter, leider nicht immer bei vollständiger körperlicher oder geistiger Gesundheit. Unsere größte Angst ist es, alt und pflegebedürftig, genauer gesagt, abgeschoben, hilflos und zum Nichtstun abgestempelt zu sein.

Kunsttherapeuthische Begleitung

Allzu leicht besteht die Gefahr, im Alter zu verkümmern. Sei es, weil andere uns nichts mehr zutrauen, wir selbst ebenso denken oder echte Grenzen uns Probleme bereiten. Körperliche oder geistige Defizite erscheinen manchmal als der absolute Bremsschuh. Gerade dann ist es wichtig, jemanden zu haben, der verschüttete oder bisher ungenutzte Potentiale weckt.

Dies macht Elena Melichowa-Hass, die bei der AWO als Kunsttherapeutin tätig ist. In ihrer Malgruppe gibt sie den Senioren ein Werkzeug an die Hand, sich sinnvoll zu betätigen und damit wieder eine positive Erfahrung zu machen. Mit dem steigenden Selbstwertgefühl bekommen auch andere Dinge wieder eine positive Bedeutung.

„Farbe heilt die Seele“, davon ist Elena überzeugt. „Manche Menschen, die nicht sprechen können, reden durch ihre Bilder. Aller Anfang ist schwer. Das gilt auch für alte oder kranke Menschen, die ganz lange nichts Künstlerisches mehr getan haben – und sich vielleicht doch danach sehnen.“

Alte Menschen kommen und gehen

Das Alter und Krankheit fordern immer wieder ihren Tribut. Von einem Tag zum anderen sind Mitglieder der Gruppe nicht mehr dabei. Tod und Krankheit sind ein alltäglicher Begleiter. So bilden die Bilder oft einzige bleibende Erinnerung an einen Menschen.

„In dieser Zeit kamen Senioren und gingen …einige sind verstorben, einige kamen ins Altersheim, einige sind so dement geworden, dass sie ihr eigenes Bild gar nicht mehr erkennen … Es ist traurig. Ich muss mich damit abfinden, wenn ich morgens komme, könnte es immer passieren, dass einer „meiner Künstler“ einfach nicht mehr lebt …“

Aber das Ergebnis zählt. Manch einer hat erst spät seine schöpferische Ader entdeckt, ein anderer bekam erst in der Gruppe wieder die Gelegenheit, eine alte Leidenschaft auszuleben. So sind die Bilder alle höchst unterschiedlich, schließlich spiegeln sie die vielfältigsten Schicksale wider.

 

Ralf Salecker

 

Ausstellung im Lesesaal der Stadtbibliothek Spandau bis zum 29.11.2012.

  • Öffnungszeiten:
  • Mo, Mi, Fr 11 bis 20 Uhr
  • Di, Do 11 bis 18 Uhr, Sa 10 bis 14 Uhr
  • Stadtbibliothek Spandau, Carl-Schurz- Str.13 13597 Berlin