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Freybrücke: Drei Jahre Stau über der Havel

Abriss und Neubau sind unvermeidbar, Staus sind vorprogrammiert

Der Senat hat vor ein paar Tagen den endgültigen Abriss der Spandauer Freybrücke verordnet. Seit 102 Jahre steht die Brücke nun über der Havel und verbindet Spandau mit der Innenstadt. Mehr als 50 000 Fahrzeuge überqueren sie täglich, also insgesamt 18,25 Millionen Autos im Jahr. Eine Sanierung der Brücke wäre, nach Ansicht der Experten, zu kostspielig. Der Abriss und der Bau einer neuen Brücke soll insgesamt 33 Millionen € kosten, von denen die Stadt Berlin 5,4 Millionen € übernimmt. Das Projekt wird am Ende des Jahres gestartet und soll voraussichtlich drei Jahre lang dauern.

Freybrücke: Drei Jahre Stau

Die Freybrücke nach ihrer Fertigstellung in 1909

Ein wenig Geschichte

Die Freybrücke ist ein Wahrzeichen Spandaus und sichert die Verbindung zwischen Wilhelmstadt-Spandau und dem Rest der Hauptstadt. Sie wurde zwischen 1908 und 1909 vom Bauingenieur Karl Bernhard geplant und gebaut. Als eine direkte Weiterführung der Heerstraße beherbergt die 174 Meter lange Stahlkonstruktion fünf befahrbare Spuren. Benannt wurde sie nach dem Bauleiter der Heerstraße, Adolf Frey. Das damalige Brückenbauprojekt kostete insgesamt 1,14 Millionen Mark.

Während dem Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke am südlichen Pfeiler gesprengt, was das Hauptfeld in die Havel stürzen ließ. Der Sprengsatz wurde höchstwahrscheinlich von der Deutschen Wehrmacht platziert um den Fortschritt der Sovjetischen Truppen zu verlangsamen. Von 1948 bis 1951 wurde die Brücke wieder aufgebaut, wobei die Trümer und Fundamente der ursprünglichen Brücke weitgehend wiederverwendet wurden.

Freybrücke: drei Jahre Stau

Die Geländer werden für den Neubau nicht wiederverwendet

Eine marode Stahlkonstruktion

Die Schäden der Sprengung sind noch heute vorhanden und die wiederverwendeten Elemente der Ursprungskonstruktion sind teilweise marode, was die Stabilität der Struktur gefährdet. Auch das Alter der Brücke stellt ein wahrhaftiges Risiko dar. So wurden, 2008, beträchtliche Korrosionsschäden an den Längs- und Querträgern festgestellt. Demzufolge wurde die Geschwindigkeit auf 30 km/h begrenzt und der Zugang für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen ausschließlich auf die Rechte Spur beschränkt. Eine hundertprotzentige Sanierung der historischen Brücke wäre daher mit unkalkulierbaren Kosten verbunden.

Außerdem ermöglicht der Neubau, die Brücke an heutige Standarte anzupassen und ein Hauch Modernität in die Heerstraße zu bringen. Deswegen werden wenige Elemente der historischen Brücke für den Neubau übernommen. Die Geländer entsprechen zum Beispiel nicht den heutigen Sicherheitsstandarten und werden daher entsorgt.

Freybrücke: drei Jahre Stau

Die Entstehung von Staus ist vorprogrammiert © M.E. / PIXELIO

Drei Jahre vorprogrammierter Stau

Durch den Abriss der Freybrücke wird die Heerstraße abrupt am Ufer der Havel enden und den Autofahrern nur wenig Möglichkeiten bieten den Fluss zu überqueren. Eine etwas nördlicher gelegene Behelfsbrücke soll ab Beginn der Bauarbeit geöffnet werden. Doch wird sie nicht imstande sein den gesamten Verkehrsstrom der Freybrücke zu überbrücken und Staus nur teilweise vermeiden. Auch die dort verkehrenden Buslinien sind von der Staugefahr betroffen.

Schließlich muss man betonen, dass der Neubau auch auf Landesebene eine Rolle spielt. Ursprünglich plante die Bundesregierung die Brücken der Havel anzuheben und zu erneuern, um die Wasserstraße Havel-Oder zu erweitern. Das Vorhaben stieß jedoch auf starken Widerstand und begrenzt sich jetzt ausschließlich auf die Freybrücke. Die Charlottenbrücke und die Schulenburgbrücke bleiben daher momentan unverändert.

Die Redaktion

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Zu finden unter: Auto & VerkehrNews

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