Frischemarkt und Bibliothek brachten Unruhe in die Wilhelmstadt

Zwei Stadträte klärten auf

Frischemarkt am Földerichplatz (Foto: Ralf Salecker)

Frischemarkt am Földerichplatz (Foto: Ralf Salecker)

Zwei offene Briefe der Stadtteilvertretung der Wilhelmstadt zeugten vom Unmut im Ortsteil über ungewollte Entwicklungen. Wenn es nach dem Wunsch der Mitglieder der Stadtteilvertretung gegangen wäre, hätte der neu gestartete Frischemarkt auf dem Földerichplatz ohne Konkurrenz dastehen sollen. Die Schließung der bisher für die Öffentlichkeit nutzbaren Schulbibliothek der Berthold-Brecht-Oberschule wurde enttäuscht zur Kenntnis genommen – gerade im Hinblick auf die missliche Lage des Sanierungsgebietes Wilhelmstadt. Gerhard Hanke und Stefan Machulik versuchten die Situation den Mitgliedern der Stadtteilvertretung zu erklären.

Eine Schulbibliothek ist keine Stadtteilbibliothek

Ausgerechnet im Sanierungsgebiet Wilhelmstadt ist eine liebgewordene Bibliothek nicht mehr für die Öffentlichkeit, sondern nur noch schulintern zugänglich und das trotz beneidenswert großer Nutzerzahlen. Die Nutzung der Schulbibliothek als Stadtteilbibliothek wurde zur schönen Selbstverständlichkeit. Ein großer Luxus, obwohl die Hauptbibliothek in der Altstadt nur wenige Fußminuten entfernt liegt. Eine Haupt-, vier Stadtteil und eine Fahrbibliothek sorgen für die Versorgung mit Lesestoff in Spandau. 60 Mitarbeiter sind dort tätig. Spandau muss bis 2016 72 Stellen einsparen. Auf den außerschulischen Bildungsbereich entfallen dabei 7 Stellen.

Auf die Frage, ob die weggefallenen stellen nicht mit Ehrenamtlichen besetzt werden könnten, antwortete Gerhard Hanke, dass dies aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich sei. Eine Begründung, die viel Unmut hervorrief.

Alternativ soll möglicherweise zukünftig eine Teilöffnung über das Projekt „Familienwelten“, eine Helferbörse in Spandau, möglich sein. Der Verein „Berliner Verein für Integration e.V.“ stellt kostenlose Helfer zur Verfügung. Kann das eine anzustrebende Lösung sein?

 

Zwei Märkte in der Wilhelmstadt?

Der Frischemarkt auf dem im letzten Jahr neugestalteten Földerichplatz fand nicht den gewünschten Zuspruch. Anders, als auf anderen Märkten sollten hier bewusst nur hochwertige Lebensmittel angeboten werden, eine berlinweit einzigartige bezirkliche Einrichtung.

Um dieser guten Idee eine zweite Chance zu geben, kam es kürzlich zu einem Neuanfang mit Händlern, die sich nach längeren Verhandlungen bereiterklärten, dort regelmäßig ihre Waren anzubieten. Einige in der Wilhelmstadt hatten sich andere Öffnungszeiten vorgestellt, als die aktuell geltenden. Vor allem konnten sich nur wenige wegen der Offenhaltung des bestehenden Samstag-Marktes in der Adamstraße freuen, für sie bedeutet er eine Gefährdung des neuen Marktes.

Wie sich herausstellte würden die drei dortigen Händler um keinen Preis ihren alten Platz aufgeben wollten, weil sie an einem anderen Ort keine Chance auf Kundschaft sehen. Offensichtlich teilt sich die Wilhelmstadt in sehr unterschiedliche Kaufgebiete. Ein Jahr bleibt der Adamstraße, um auf 5 bis 10 Stände zu kommen. Erst dann trägt er sich finanziell. Klappt dies nicht, findet er endgültig sein Ende.

Für die Bewohner der Wilhelmstadt war es schwer einzusehen, welche Schwierigkeiten es bedeutet, Händler zu finden, die bereitwillig zu bestimmten Zeiten den Markt am Földerichplatz beleben. Mit den bestehenden Händlern ist eine attraktive Mischung gefunden, die noch ein paar zusätzliche Stände vertragen könnte. Langfristig bleiben sie nur, wenn dort auch gekauft wird. Es liegt also auch an den Bewohner selbst, ob dieses Projekt von Erfolg gekrönt ist.

 

Ralf Salecker


Zu finden unter: FeaturedWochenmärkte

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