Geschichtsunterricht der anderen Art

Holocaustüberlebender Zwi Steinitz war zu Besuch an der Carl-Friedrich-von-Siemens-Oberschule.

Am 7. Mai wurde den Schülerinnen und Schüler der Carl-Friedrich-von-Siemens-Oberschule die Lebensgeschichte von Zwi Steinitz, einem Überlebenden des Holocaust in Auschwitz, bei dessen Besuch aus erster Hand näher gebracht und stand allen für Fragen zur Verfügung.

Von links nach rechts: Persönliche Referentin von Herrn Steinitz, Herr Franz (Geschichtslehrer), Zwi Steinitz, Herr Pohl (Schulleiter)

Von links nach rechts: Persönliche Referentin von Herrn Steinitz, Herr Franz (Geschichtslehrer), Zwi Steinitz, Herr Pohl (Schulleiter)

Konzentrationslager und Todesmärsche

Zwi Steinitz wurde 1927 geboren und ist einziger Überlebender einer jüdischen Familie aus Posen. In der heutigen Zeit unvorstellbar endete im Alter von 12 Jahren bereits seine unbeschwerte Jugend. Die Familie wurde 1939 enteignet, interniert, dann „nach Osten“ abgeschoben und geriet über Zwischenstationen in das Krakauer Ghetto. Von nun an prägten Armut und Unsicherheit sein Leben. Zwi versuchte, seine Eltern zu unterstützen und zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Von Krakau verschleppten die Besatzer Zwis Eltern und seinen jüngeren Bruder in die deutsche Mordstätte Belzec. Zwi Steinitz selbst entging zwar dem Todestransport, kam aber nach Auschwitz, wo er in einem Nebenlager für die deutsche Kriegsindustrie als Schlosser arbeiten musste. Auf sich alleine gestellt, überlebte Zwi Steinitz unter anderem die Konzentrationslager Plaszow, Auschwitz und Buchenwald sowie zwei Todesmärsche. Als die östliche Front im Januar 1945 näher rückte, trieb die SS abertausende Häftlinge in einem Todesmarsch von Auschwitz nach Westen. Er überlebte.

Zwi Steinitz in der Aula vor ca. 80 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe sowie der 10. Klassen.

Zwi Steinitz in der Aula vor ca. 80 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe sowie der 10. Klassen. Fotos (2): C. Kaiser-Gernoth

Gegen das Vergessen

Hass- und Rachegefühle seien ihm fremd. Und bei den jungen Leuten, mit denen er spreche, wolle er keine Schuldgefühle wecken. „Es geht mir darum, auf die Gefahr einer Diktatur hinzuweisen“, so Zwi Steinitz bei der Veranstaltung in der Schule. In Zusammenarbeit mit der Jugendgeschichtswerkstatt Spandau (JGW) ist es dem Geschichtslehrer Herrn Franz bereits zum zweiten Mal gelungen, einen der letzten Überlebenden des Holocaust an die Schule zu holen. „Es ist immer wieder erstaunlich, wie betroffen die Schülerinnen und Schüler auf die Erzählungen von Herrn Steinitz reagieren“, so der Geschichtslehrer Franz. „Sie sind nicht nur interessiert, sondern auch sehr schockiert über die Ereignisse des Holocaust! Dieses Empfinden muss auch weiterhin in unserer Gesellschaft bewahrt werden“, führt Schulleiter Pohl, ebenfalls Geschichtslehrer, aus. Aus der Zusammenarbeit mit der JGW entwickelt sich eine Gedenkstättenfahrt der Schule nach Belzec.

Patrick Rein


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