Goldene Hochzeiten werden immer seltener

„Bis das der Tod uns scheidet“ zählt heutzutage kaum noch für eine Ehe, Werner und Melanie aus Kladow sind jedoch auf dem richtigen Weg.

Es gibt viele Versprechen die bei einer Eheschließung gegeben werden: „Bis dass der Tod uns scheidet“ und „in guten wie in schlechten Zeiten“ sind nur zwei davon. Aber beide hängen eng miteinander zusammen und werden immer seltener eingehalten. Umso erfreulicher war daher am Freitag die Feier zum 50. „goldenen“ Hochzeitstag von Werner und Melanie Münster aus Kladow.

Hochzeitsfoto aus dem Jahr 1963 von Werner und Melanie Münster.

Hochzeitsfoto aus dem Jahr 1963 von Werner und Melanie Münster.

Schlechte Zeiten, gute Zeiten

Die Generation von Werner, Jahrgang 1941, hat durch Krieg und Zerstörung eventuell von Kindheit an gelernt, dass das Leben auch seine Schattenseiten hat. Als Zwillingskind zur Welt gekommen, musste der Vater in den Krieg, die Mutter war allein zu Haus und wurde wie so viele damals mehrfach ausgebombt. Verzicht bis hin zur Armut bestimmten das Leben und so mussten sich „die Zwillinge zeitweise ein paar Schuhe teilen. Die Familie war nicht besonders wohlhabend, zum Fußballspiel sind die Jungs auch gern mal über den Zaun ins Olympiastadion gelangt“ erzählt uns die Nichte Monika Müller. Melanie wuchs in Wilhelmsruh bei der Oma auf und zog später mit der Mutter nach Charlottenburg. Dort lernten sich Werner und Melanie – im gleichen Haus wohnend, hatte er  bei ihr im ersten Stock „gefensterlt“- dann auch kennen. Der Krieg war vorbei und eine generelle Aufbruchsstimmung versetzte das ganze Land in eine Euphorie. Diese mündete für Werner und Melanie in der Hochzeit  am 12. Juli 1963.

Auch 50 Jahre später haben sie Eheleute beim goldenen Hochzeitstag immer noch den selben Partner im Blick.

Auch 50 Jahre später haben sie Eheleute beim goldenen Hochzeitstag immer noch den selben Partner im Blick. Fotos (2): Monika Müller

Durch dick und dünn

So rührend und schön wie die Geschichte nun mit 50 gemeinsamen Ehejahren seinen vorläufigen Höhepunkt hat, so zeigt sie doch auch den heute allgegenwärtigen gesellschaftlichen Wandel bezüglich der Institution Ehe, auch schlechte Zeiten durchzustehen. Dafür gibt es viele und unterschiedlichste Gründe, doch einer ist sicherlich die Bequemlichkeit anstatt Probleme gemeinsam zu bewerkstelligen den einfacheren Weg einer Trennung zu gehen. So wurden nach der letzten Erhebung des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2011 in Deutschland rund 187 600 Ehen geschieden. Wie das Amt (Destatis) weiter mitteilt, wurden damit elf von 1 000 bestehenden Ehen geschieden. Zum Vergleich: Im Jahr 1992 endeten von 1 000 bestehenden Ehen lediglich sieben Ehen vor dem Scheidungsrichter. Bei den im Jahr 2011 geschiedenen Ehen wurde der Scheidungsantrag meist von der Frau gestellt, lediglich 39,4 % der Anträge reichte der Mann ein. Die durchschnittliche Dauer der im Jahr 2011 geschiedenen Ehen betrug 14 Jahre und 6 Monate. Fast die Hälfte der Ehepaare, die sich 2011 scheiden ließen, hatte Kinder unter 18 Jahren.

Bei Werner Münster, der sich mit der BSG Bauklempnerei – Sanitär früh selbstständig gemacht hatte, sind lange Ehen Tradition: So feierte auch seine Schwester im letzten Jahr ihre Goldene Hochzeit. Die sechs Nachkommen hingegen folgen eher dem Trend und werden es wohl nur noch schwer auf 50 Ehejahre bringen – bisher sind alle nicht verheiratet.

Patrick Rein


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