Hat Spandaus Bahnverbindung in Richtung Westen eine Chance?

Fast 20 Jahre Diskussionen ohne Ergebnisse

Bahnverbindung nach Westen? (Foto: Ralf Salecker)

Bahnverbindung nach Westen? (Foto: Ralf Salecker)

Der Raum in der Klosterfeld-Grundschule war bis zum Bersten gefüllt. Die Diskussion um eine Zukunft der Bahnanbindung in Richtung Westen erregt noch immer die Gemüter. Eingeladen dazu hatte die GAL-Spandau.

SPD und CDU hatten in ihrem Koalitionsvertrag Verlängerung der S-Bahn ab Bahnhof Spandau nach Westen bis nach Falkensee festgeschrieben. Die Brandenburger Landesregierung hat sich dagegen klar gegen die Verlängerung auf Brandenburger Gebiet positioniert. Im Podium saßen Daniel Buchholz (MdA), verkehrspolitischer Sprecher der SPD im Abgeordnetenhaus, Peter Buchner, Chef der S-Bahn Berlin und Stefan Gelbhaar (MdA), verkehrspolitischer Sprecher der Grünen.

Geschichte

Der Hauptbahnhof Spandau war nicht immer Endstation für die S-Bahn gewesen. Als er noch Spandau-West hieß, führten sogar zwei Linien in Richtung Westen. Eine führte nach Staaken, die andere nach Falkensee. 1961, also mit dem Mauerbau, war es damit vorbei. Auf der Hamburger Fernbahnstrecke fuhr lange Zeit nichts mehr. Erst seit 1995 ist die neu gebaute Strecke der Hamburger Bahn wieder in Betrieb. Im Einigungsvertrag sichert der Bund eine Wiederherstellung des S-Bahn-Netzes in den Ausdehnungen vom 12.August 1961 zu – wenn die Finanzen es zulassen …

Emotionale Diskussion

Im Publikum waren die unterschiedlichsten Interessen vertreten. Bei manchen schienen die Nerven blank zu liegen. Wenig hilfreich war der Vorwurf, die Brandenburger hätten sich der Fusion von Berlin und Brandenburg widersetzt. Der Vorwurf, mit Falkensee/Brandenburg ließe sich nicht auf Augenhöhe diskutieren, spricht Bände. Fakt ist aber auch, das Brandenburg/Falkensee kein Interesse an einer Verlängerung der S-Bahn-Strecke nach Spandau haben, da sie befürchten, dass diese auf Kosten der bestehenden komfortablen Regionalanbindung in die Berliner City gehen könnte. Mehr Autoverkehr könnte dann die Folge sein.

An diesem Punkt vertreten Spandauer und Brandenburger Grüne unterschiedliche Standpunkte.

In die leidenschaftliche Diskussion wurden die unterschiedlichsten Streckenführungen, mit der Wiederbelebung alter oder der Schaffung neuer Bahnhöfe und dem Einsatz von Technologien, die den Betrieb auf Gleichstrom- und Wechselstrom-Gleisen ermöglichen sollen eingebracht. Eine Aufzählung würde hier völlig den Rahmen sprengen. Vor- und Nachteile wurden, je nach Standpunkt, hervorgehoben oder banalisiert. Manch einer sprach davon, der Nahbereich an der S-Bahn würde fast unbewohnbar werden.

Inhalt und Art der Diskussion in den letzten Jahren ließen bisher nie die Bereitschaft zu Kompromissen erkennen. Auch jetzt ist kein Kompromiss erkennbar. Der ist aber unbedingt notwendig.

Lösungsansätze?

Wenn Brandenburg nicht will, dann muss es eine Berliner Lösung geben. Dabei liegt die Betonung auf EINE. Die Fortführung der S-Bahn-Linie bis zur Stadtgrenze wäre wirtschaftlich (auch wenn einige die Qualität der Studie anzweifeln), erheblich wirtschaftlicher jedenfalls, als eine Streckenführung bis nach Falkensee. So sieht es eine Studie. Erstere bekäme auch eine Förderung durch den Bund. Damit scheint ein Punkt schon einmal klar.

Der S-Bahn-Berlin-Chef, Peter Buchner, sprach von einer Grenzbelastung der bestehenden Strecke. Mehr Züge wären nicht verkraftbar. Andere widersprachen dieser Aussage heftigst. Er bezeichnete den Bahnhof Spandau als den größten Infrastrukturengpass Berlins. Folgerichtig wäre ein zusätzlicher Streckenneubau in Richtung Westen unumgänglich.

Die lang anhaltenden Diskussionen müssen endlich aufhören und zu einem in überschaubarer Zeit verwirklichbaren Ansatz enden. Daniel Buchholz sprach davon, dass man mit der Fokussierung auf einen Kompromiss sicherlich wenig Dankesbriefe erwarten dürfe. Genau diese Entscheidung ist aber unabdingbar. Eine ideale Lösung gibt es nicht.

Der Verkehrsraum Berlin-Brandenburg als Ganzes soll dabei im Auge behalten werden. Nicht nur für den Westen Spandaus wäre eine S-Bahnstrecke eine positive Infrastrukturmaßnahme. Ob der Streckenausbau ein- oder zweigleisig zu führen sei, müsse im Einzelfall entschieden werden. Die Planung dürfe in keinem Fall eine Erweiterung der Neubaustrecke in Zukunft unmöglich machen.

Wenn all dies einmal geschehen sollte, dann ginge auch ein geäußerter Wunsch in Erfüllung, dass die Brandenburger einfach mal kurz zum Essen in die Spandauer Altstadt fahren würden.

 

Ralf Salecker

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  1. Manfred Kurt Vormelker sagt:

    Der Verweis auf das Zielnetz 2020 der brandenburgischen Grünen hilft Spandau wenig. Ein drittes Gleis nur für den Regionalverkehr wird weder DB Regio bauen noch der Bund bezahlen. Und wie schon Peter Buchner ausführte, könnten die möglichen Mehr-Züge vom Berliner Netz gar nicht mehr aufgenommen werden, da allmählich sowohl Stadtbahn als auch der Tunnel an die Belastungsgrenze stoßen. Neben S-Bahn und Regional-Zügen Verkehr mit einer SE-Bahn ein drittes Eisenbahn-System in Berlin zu installieren, wird auch kein Mensch machen. Das ist rausgeworfenes Geld ohne Effekte.
    Bleibt also nur die ohnehin in Spandau endenden S-Bahn-Züge nach Falkensee oder Nauen zu verlängern. Damit werden die notwendigen Mehrkapazitäten nebst den bestehenden Regionalzug-Verbindungen im Havelland geschaffen. Und Falkensee würde endlich mit Umlandstädten wie Oranienburg, Bernau, Erkner, Königs Wusterhausen usw. gleichziehen können, die ja neben der S-Bahn auch explizit Anschlüsse in die Hauptstadt sowohl mit Regional-Bahnen und Express-Zügen verfügen. Wenn die Argumente gegen eine S-Bahn nach Falkensee stimmen würden, müssten folgerichtig sofort die S-Bahnen nach Oranienburg, Bernau, Königs Wusterhausen, Erkner usw. entfallen, weil diese Orte kleiner sind als Falkensee und zudem von Berlin viel weiter weg liegen. Dies kann doch niemand ernsthaft fordern. Bei Falkensee tut man es aber offenkundig!

    Im Übrigen ging die Diskussion gegen die S-Bahn in Falkensee erst um 1999 los, nachdem Bonner Parteizentralen-Mitarbeiter aller Couleur in die Gartenstadt zogen und auf ihre bequemen aber unpünktlichen Regionalbahnen pochten, als die S-Bahn-Diskussion im Wahlkampf 2001 dort aufflammte. Dabei aber vergessen wird, dass die S-Bahn als Ergänzung notwendig und wie schon dargelegt in anderen Gegenden des Berliner Umlandes auch normal ist.

    Dass Brandenburg die S-Bahn nicht von Beginn an nicht favorisierte liegt auch daran, dass die Landesregierung Anfang der 90er Jahre die Entwicklung berlinferner Regionen an der Landesperipherie bevorzugte. So sollte z. B. Neuruppin zur Verwaltungshauptstadt werden und mit elektrischen Zügen an Berlin angebunden werden. Heute pure Utopie. Falkensee, auch Nauen, erhielten die S-Bahn nicht mehr wieder nach dem Fall der Mauer, um diese berlinnahen Städte nicht allzu sehr für einen Zuzug ins Märkische attraktiv zu machen. Die Menschen, so wollte es Potsdam sollten nach Rathenow, Stölln oder Friesack ziehen. Nur was Brandenburg übersah, in einem freiheitlichen Land lassen die Menschen sich nicht vorschreiben, wohin sie zu ziehen oder ihr Häusle zu bauen haben. Und das tun sie halt in Falkensee, Brieselang oder Nauen statt Rathenow, Premnitz oder Pritzwalk. Und dann aus Daffke diesen Menschen dann die S-Bahn vorzuenthalten und sogar pseudo-politisch zu begründen , ist schon recht merkwürdig.

    Und daher bin ich froh, dass Brandenburg gegen die Länderfusion 1993 stimmte, weil damit dem Land der Planungseinfluss über die Berliner Verkehrsinfrastruktur entzogen wurde. Und somit Spandau entscheidet, bis wohin die S-Bahn fahren soll.

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