In Kladow wird Spandaus Wetter gemacht

Die Leidenschaft begann schon in jungen Jahren

Stefan Proft misst seit mehr als 10 Jahren das Kladower Wetter (Foto: Ralf Salecker)

Stefan Proft misst seit mehr als 10 Jahren das Kladower Wetter (Foto: Ralf Salecker)

Alle reden vom Wetter. Wieder einmal. Kaum gibt es ein paar Tage etwas höhere Temperaturen als üblich, wird geschimpft. Petrus, oder die „Wetterfrösche“ können es offensichtlich niemandem recht machen. Immer herrscht das falsche Wetter. Auch wenn viele das aktuelle Wetter thematisieren, hält sich das Interesse an seinen Gesetzmäßigkeiten in Grenzen. Kaum jemand würde auf den Gedanken kommen, das Wetter so genau zu beobachten, um im Laufe der Jahre Berge von Heften zu füllen. Stefan Proft, ein junger Mann aus Kladow macht dies, seit er ein kleiner Junge war. Akribisch zeichnete er seit seinem 13ten Lebensjahr alles auf, was er im Garten seiner Eltern mit Messgeräten erfassen konnte. Inzwischen geht er seiner Leidenschaft in Form eines Studiums der Meterorologie an der Freien Universität in Dahlem nach.

Der eigene Garten als Wetterstation

Betritt man den Garten in Kladow, fällt nur wenig auf, was auf regelmäßige Wettermessungen hinweist. Einzig ein übergroßes Thermometer lässt etwas erahnen. Auf dem Dach des Hauses dreht sich munter ein Messgerät zur Erfassung der Windgeschwindigkeit. Im Garten verteilt messen weitere Thermometer die Temperaturen in einer definierten Höhe über dem Boden, wie auch in unterschiedlichen Tiefen im Boden. Daten, die Gärtner wertvolle Hilfen liefern, wenn es darum geht zu entscheiden, ob Pflanzen in den Boden eingebracht werden können.

Ein Regemesser sammelt den anfallenden Regen. Um seine Messgenauigkeit zu erhöhen, hat Stefan Proft einen größeren Trichter angebracht. Jetzt können auch die kleinsten Wassermengen erfasst werden. All die erfassten Daten müssen nicht mehr abgelesen und in Tabellen eingetragen werden. Moderne Technik hat Einzug gehalten. So ist das Regenmessgerät mit einer Kippwaage ausgestattet, die regelmäßige automatische Messungen ermöglicht. Alle erfassten Daten werden drahtlos an den Computer geschickt. Aufbereitet landen sie dann auf der Internetseite, die der angehende Meteorologe seit 2012 betreibt. Selbst bekannte Wetterfrösche aus dem Fernsehen haben schon wohlwollende Bemerkungen im Gästebuch hinterlassen. Niemand in Spandau hat bisher vergleichbar akribisch Wetterdaten gesammelt. Meteorologen wünschen sich ein möglichst dichtes Netz an Messstationen. Darum kann eine solche private Initiative eine große Hilfe sein.

Als Schüler bekam Stefan Proft die Gelegenheit zu einem Praktikum am Meteorologischen Institut. Seit diesem Zeitpunkt war es dann endgültig um ihn geschehen. Seine eigene Zukunft sieht er weniger als „Wettermann“ im Fernsehen, sondern in der Forschung.

Trotz aller Wissenschaft ist die Beobachtung und Vorhersage von Wetterereignissen von vielen Faktoren abhängig. Drei Tage im Voraus zu bestimmen, wie das Wetter aussehen wird, ist noch eine realistische Grenze. Prognosen, die deutlich darüber hinausgehen, beinhalten eine große Menge an Unwägbarkeiten. Das liegt nicht an den Fehlern der Meteorologen, sondern an der Komplexität der Daten. Bauernregeln helfen da manchmal weiter, auch wenn sie eher regionale Bedeutung haben. Sie sind das Ergebnis langer Beobachtungen. Meteorologen versuchen das Geschehen mit Hilfe komplexer mathematischer Gleichungssysteme zu erfassen.

Ralf Salecker


Zu finden unter: FeaturedFreizeittipps

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