In Spandau werden „Kleine Helden“ geschult

Selbstbewusste Kinder geraten seltener in Gefahr

Gerhard Hanke, Christoph Schubert, Jascha Wozniak und Kai Wegner mit Schülern der Linden-Grundschule (Foto: Ralf Salecker)

Gerhard Hanke, Christoph Schubert, Jascha Wozniak und Kai Wegner mit Schülern der Linden-Grundschule (Foto: Ralf Salecker)

Der größte Alptraum von Eltern ist die Angst vor gewalttätigen oder sexuellen Übergriffen auf ihre Kinder. Darum gehören: Lass dich nicht ansprechen, geh mit niemandem mit, steige zu keinem ins Auto zu den üblichen Mahnungen, die jedes Kind mitbekommt. In Spandau hat es einige Vorfälle gegeben, die bei Eltern, Schulen und Politikern die Warnglocken klingen ließen. Der Bundestagsabgeordnete Kai Wegner und der Bildungsstadtrat Gerhard Hanke nahmen dies zum Anlass, um geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Mit dem Sicherheitstraining „Kleine Helden“ sollen Kinder im Grundschulalter fit gemacht werden, ums sie für solche Situationen zu wappnen. Das Bezirksamt kommt dabei für die anfallenden Kosten auf.

Es braucht nur eineinhalb Sekunden um ein Kind zu entführen

Als in der Linden-Grundschule in Staaken die Frage gestellt wurde, wie viel Zeit notwendig ist, um ein Kind ins Auto zu zerren, lagen die meisten Schätzungen mit etwa 30 Sekunden weit daneben. Eineinhalb Sekunden genügten, um das Kind in einer Testsituation auf der Fahrerseite ins Auto zu ziehen. All dies geschah unbemerkt von einer Erzieherin, die mit ihren Schülern auf dem Bürgersteig unterwegs war.

Jascha Wozniak, ehemaliger Präventionsbeauftragter bei der Polizei und Leiter des Projekts schilderte, wie einfach es auch heute ist, Kinder in die Gewalt von Erwachsenen zu bringen. Viele Eltern sind der Überzeugung, ihr Kind würde sich niemals von Fremden ansprechen lassen. Sie sind maßlos überrascht, wenn sie feststellen müssen, dass diese Sicherheit trügerisch ist.

Die Zeiten sind vorbei, als Bonbons und Stofftiere die Lockmittel waren, auf die Kinder hereinfielen. Das Handy ist für manche ein unwiderstehliches Lockmittel. Der Blick auf ein eben erstelltes Foto lässt alle Vorsicht vergessen.

In anderen Situationen ist ein autoritäres Auftreten der Schlüssel zum Erfolg für mögliche Straftäter. Mit einem passenden Training lernen Kinder sich auch in solchen Situationen behaupten.

Das Selbstbewusstsein der Kinder stärken

Jascha Wozniak betont, es gehe in dem Projekt nicht darum, die Kinder in Selbstverteidigung zu schulen. Die zweieinhalbstündigen Übungen gliedern sich in drei Abschnitte. Im ersten Teil werden Situationen aufgezeigt, um ein Bewusstsein für mögliche Gefahren zu entwickeln. Der zweite Teil gilt dem Selbstschutz, wobei die Flucht immer im Mittelpunkt steht. Lautstark sollen Kinder auf die unerwünschte Situation aufmerksam machen. Ein lautes „NEIN“ mit aller Kraft geäußert, unterstützt durch Treten und Schlagen kann viel bewirken. Aufmerksamkeit möchte ein Täter in jedem Fall vermeiden. Meist erwartet er ein hilfloses Opfer.

„Junge Helden“ möchte Kinder aus der möglichen Opferrolle herausbringen. Darum trainiert der dritte Teil entsprechende Situationen, damit Kinder sich richtig zu verhalten lernen. Mit einem gesunden Selbstbewusstsein den Erwachsenen gegenüber sinkt die Gefahr, zum Opfer zu werden.

Alle Spandauer Grundschulen sollen in den Genuss des Sicherheitstraining kommen, welches sich besonders an Zweitklässler richtet. Gerhard Hanke erhofft sich eine Vorbildfunktion für die restlichen Berliner Bezirke.

 

Ralf Salecker


Zu finden unter: BezirksamtFeaturedSchulen

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