Ist die Pichelsdorfer Straße Spandaus längste Spielstraße?

Eine alte Einkaufsmeile und die Spielhöllen

Seit 1879 trägt die Pichelsdorfer Straße ihren Namen. Als Weg existiert sie schon viel länger. Bis ins 13. Jahrhundert lässt sich ein Weg an dieser Stelle nachweisen. Die Pichelsdorfer Straße in der Spandauer Wilhelmstadt hat nicht nur ein ehrwürdiges Alter, sie war vor langen Jahren eine bedeutende und beliebte Einkaufsmeile im Bezirk. Davon ist heute nicht mehr viel geblieben. Nur sehr wenige Alteingesessene Geschäfte existieren noch. Manch alte Straße setzt im Laufe der Zeit Patina an. Hier ist eher der Lack ab. Alteingesessene Läden machen dicht, Spielhöllen und Spätkauf-Läden ziehen ein. In ganz Berlin warten 500 Spielhöllen und mehr als 10000 zugelassene Automaten auf die Spielsüchtigen. Doch es regt sich Widerstand.

Spielcasino in der Pichelsdorfer Straße

Die Pichelsdorfer Straße ist eine kurze Straße. Auf einer Länge von 1,7 Kilometern befinden sich 7 Spielkasinos, 16 nach Zählung der Berliner Zeitung, wenn man die Nebenstraßen mit zählt. Dazu kommen einige Kneipen und Imbissläden mit Spielautomaten (nicht angemeldete Automaten nicht eingerechnet). Zum Flanieren und Bummeln lädt sie nicht mehr wirklich ein – auch wenn in einigen Immobilienangeboten noch vollmundig dafür geworben wird.

Elke Seidel vom Eisenwarenladen in der Adamstraße:

„Leider hat sich sehr vieles verändert. Viele Geschäfte haben zumachen müssen. Die ganze Struktur hat sich verändert. Aber die Menschen, die hier wirklich an der Gegend hängen, die hier seit Jahrzehnten leben und geboren sind, versuchen gegenzusteuern, indem sie sich bemühen den Kiez zu erhalten.“

In Spandau, wie auch in anderen Bezirken wünschen sich die Bewohner endlich ein Eingreifen des Staates. Politiker aller Parteien sind sich im Prinzip einig, nur in der Ausführung gibt es z. T. erhebliche Differenzen. Gesetze sollen den Spielhallenwildwuchs eingrenzen. Das ist aber nicht so einfach.
„Wir müssen dringend etwas tun, weil Spielhallen vor allem sozial schwache Kieze überziehen und schon ganze Straßenzüge beherrschen“, sagte der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz.
Die CDU brachte im September letzten Jahres einen Gesetzesentwurf in das Berliner Abgeordnetenhaus ein, nach dem nur eine Spielhalle pro 50000 Einwohner genehmigungsfähig wäre. Im 1 km-Kreis um Schulen herum wäre Glücksspiel grundsätzlich verboten. Die Erlaubnisgebühr für Betreiber von Spielcasinos sollte von rund 1550 Euro auf 25 000 Euro steigen. Daniel Buchholz von der SPD lehnt den vom Spandauer CDU-Abgeordneten Heiko Melzer erarbeiteten Vorschlag als unzureichend und „juristisch nicht durchsetzbar“ ab.
Anfang des Jahres wurde die Glücksspielsteuer von 11 auf 20 Prozent erhöht. Es darf bezweifelt werden, ob dies die Spielsucht eindämmen kann. Schließlich hat auch die ständig steigende Tabaksteuer nur einen geringen Einfluss auf das Suchtverhalten.

Bunt zugeklebte Scheiben verhindern Einblicke

Weiterhin soll durch eine Änderung der Baunutzungsverordnung der Betrieb von Spielhallen aus städtebaurechtlichen Gründen untersagt werden können. Heute ist es in einem großen Teil der Spielbetriebe üblich, kostenlos kleine Snacks und Getränke anzubieten. Dem möchte man einen Riegel vorschieben, in dem Geldspielautomaten zukünftig nur noch in „Vollgaststätten“ stehen dürfen. Durch eine Verringerung von Spielverluste und Gewinnmöglichkeiten und der Beschränkung der Anzahl von Spielautomaten soll die Attraktivität für das Glücksspiel selbst sinken.
2010 initiierte die AG Meine Wilhelmstadt, eine Initiative von Bewohnern und Geschäftsleuten der Spandauer Wilhelmstadt, den ersten Runden Tisch gegen Spielhallen. Weitere Gespräche folgten. Vertreter der Senatsverwaltung, der Wilhelmstadt, des Bezirksamtes, der Parteien, der Polizei und auch Vertreter des Automaten-Wirtschaftsverbandes in der Wilhelmstadt diskutierten gemeinsam.
Gesetzesinitiativen alleine sind es nicht, die dem Spielhallenproblem Einhalt gebieten können. Die eigentlichen Ursachen liegen tiefer. Der Stadtteil muss wieder lebenswert für alle Bevölkerungsgruppen werden. Eine Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur im Kiez ist die unabdingbare Voraussetzung dafür.
Eine gute Nachricht gibt es. Im Februar 2011 wird ein großer Teil der Wilhelmstadt zum Sanierungsgebiet zu erklärt. Damit sind mehrjährige Sanierungsmaßnahmen möglich. Ganz ungetrübt ist die Freude leider nicht. Erhebliche Kürzungen der Mittel für das Programm „Soziale Stadt“ betreffen ganz Spandau und damit auch die Wilhelmstadt. In der Folge wird es hier kein Quartiersmanagement geben, wie in anderen Ortsteilen. Übrig bleibt einzig die Ausweisung als Sanierungsgebiet mit einem Geschäftsstraßenmanagement, um die Attraktivität des Gebietes zu verbessern.
Die AG Meine Wilhelmstadt wird ihre engagierte Arbeit für den Kiez weiter fortführen. Ein wichtiger Schritt ist die Gründung des Stadtteilvereins „Meine Wilhelmstadt“ am 17.2.2011.
Wer daran teilnehmen möchte, sollte sich bis zum 15. Februar 2011 entweder per E-Mail unter info@meine-wilhelmstadt.de oder Telefonisch 0163-3366555 bei Herrn Claudius anmelden verbindlich anmelden.

Ralf Salecker
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Zu finden unter: Wohnen & Immobilien

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