Jaczo von Köpenick überwindet in Spandau wieder die Havel

Alte Sage erneut zum Leben erweckt

Lebendige Geschichte - Das Lebend der Slawen: "Die Milzener"

Lebendige Geschichte - Das Lebend der Slawen: "Die Milzener"

Ein Drama hat sich vor vielen hundert Jahren in Spandau zugetragen. Unser heutiges Spandau gab es noch nicht. Albrecht der Bär will seinen Anspruch auf das Land mit Gewalt durchsetzen. So einfach war das damals gerne. Der Slawenfürst Jaczo von Köpenick unterlag dem Askanier. In wilder Flucht soll er dann durch die heutige Jaczoschlucht in Richtung Havel geflohen sein. Den Feind im Rücken und den breiten Fluss vor sich, blieb ihm nichts anderes übrig, als sich in die Fluten zu stürzen.

Mitten im Fluss verließen ihn die Kräfte. Da sein eigener Gott ihm nicht zu Hilfe kommen wollte, wandte sich Jaczo an den Gott seines Feindes. Der schien Gefallen an dem Flüchtigen gefunden zu haben. Am rettenden Ufer angelangt hängte der Fürst Schild und Horn an einen Baum und trat zum Christentum über. An dieser Stelle erinnert eine hochaufragende Sandsteinsäule an das sagenhafte Geschehen. In Spandau wurde später von unbekannter Hand ein Turm errichtet, um dieser schönen Geschichte ein Denkmal zu errichten.

Veranstaltungen beiderseits der Havel

Diese Geschichte hat schon vor mehr als hundert Jahren die Menschen fasziniert. Heute versuchen auf beiden Seiten der Havel Menschen, die Aufmerksamkeit auf die Bauwerke und ihren historischen und sagenhaften Hintergrund zu lenken. 40 Schwimmer vollzogen den Weg über die Havel nach. 750 Meter waren zu überwinden. Den Startschuss für dieses Wettschwimmen gab Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank. Begleitet von Booten der DLRG gelang dies auch allen problemlos.

Der Förderverein Historisches Gatow hatte den nur wenigen Spandauern bekannten Turm vor einiger Zeit wieder in Stand setzen lassen. Auf der anderen Seite versucht die Bürgerinitiative Bürger für Schildhorn und sein Denkmal ähnliches zu initiieren.

Gemeinsam beschlossen beide im letzten Jahr mit Hilfe eines Festes die Aufmerksamkeit auf diese Orte zu lenken. Immerhin übernahm der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit die Schirmherrschaft. Viele kleine Attraktionen sollten am Sonntag einen lebendigen Blick auf vergangene Tage lenken. Grundschulkinder der Gatower Paul-Moor-Schule trugen einleitend die alte Sage in Form eines Theaterstücks vor.

Slawen und Askanier zum Anfassen

Für eine martialische mittelalterlicher Atmosphäre sorgte die Bruderschaft der Askanier mit Waffengeklirr und Rittersleuten. Weniger martialisch, aber dem alltäglichen Leben der früheren Slawen näher, präsentierte der Verein die Milzener anschaulich bäuerliches Leben und einer kleinen Modenschau.

An anderer Stelle gab es Musik von der Gruppe Saitenklang des Klang-Holz e.V. zu hören. Auf teilweise selbstgebauten historischen Instrumenten trugen sie einen Mix lustiger und trauriger Weisen vor. Gleich nebenan zeigte ein Böttcher, wie man aus Holz wasserdichte Gefäße fertigen kann.

Nicht alles lief organisatorisch wie am Schnürchen. Diese Kinderkrankheiten werden sicherlich bald überwunden sein. Trotzdem kann sich jeder auf den 3.Teil der Veranstaltung im nächsten Jahr freuen. Das Engagement vieler Beteiligter, der Ort selbst und der historisch-sagenhafte Hintergrund lassen gar keine andere Wahl, als dieses Fest in Spandau weiterhin durchzuführen.

 

Ralf Salecker

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Zu finden unter: FreizeitNews

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