Kicken gegen Gewalt in Spandau

Hertha-Spieler bei Mitternachtssport

Sport- und Politprominenz bei MitternachtsSport in der Berthold-Brecht-Oberschule (Foto: Ralf Salecker)

Sport- und Politprominenz bei MitternachtsSport in der Berthold-Brecht-Oberschule (Foto: Ralf Salecker)

Heute ist es nicht ganz so, wie an allen anderen Freitagen im Jahr, wenn sich Mitternachtssport in der Berthold-Brecht-Oberschule trifft. Vertreter der Bundesliga-Stiftung und einige Hertha-Spieler haben sich angesagt.

Es ist gegen 21 Uhr und dunkelt schon, als ich den Weg zum Seiteneingang der Sporthalle wähle. Außen ist alles fast leer. Ein paar Kids in Trikots haben anscheinend den gleichen Weg. In der Sporthalle selbst tobt der Bär. Von oben habe ich einen guten Blick auf das Spielfeld. Mehr als ein Dutzend Jugendliche spielen sich gerade warm, andere warten darauf, dass sie dran sind. Im oberen Bereich der Sporthalle, warten viele junge Zuschauer ungeduldig darauf dass es losgeht.

“MitternachtsSport e.V. – Verein für interkulturelle Jugendsozialarbeit Berlin”

MitternachtsSport hat sein Büro im neuen Stadtteilbüro in der Adamstraße 39. Der Name klingt ziemlich sperrig. Schnell mag der eine oder andere auf den Gedanken kommen, dass es sich wieder einmal um eine gutgemeinte Kopfgeburt handelt, um Problemjugendlichen etwas Gutes zu tun. Weit gefehlt!

Initiator des Vereins ist der 34jährige Sozialarbeiter Ismail Öner. Rund fünf Jahre gibt es das Projekt nun schon. 30.000 Jugendliche hat es bisher erreicht, eine stolze Zahl. Die Idee ist bestechend einfach und wirkungsvoll. Problemjugendliche, die sich nachts auf Spandaus Straßen herumtrieben und Unsinn anstellten sollten genau dann eine Alternative geboten bekommen. Anfangs zogen viele Zweifler die Stirn kraus. Das kann nicht klappen, hieß es schnell.

Der Erfolg gibt Ismail Öner Recht. Die Jugendkriminalität ist merklich zurück gegangen. Prominente Sportler, wie der Nationalspieler Jerome Boateng vom FC.Bayern München, Änis Ben-Hatira, von Hertha BSC sowie der der Ur-Spandauer Manuel Schmiedebach, von Hannover 96 unterstützen den 2010 gegründeten Spandauer Verein tatkräftig. Die Bundesliga-Stiftung kürte das Projekt 2010 zum besten Jugendprojekt Berlins. Ende 2011 wurde der Verein und das Hauptprojekt als eines von drei weltweiten Sozialen Jugendprojekten für den Oscar des Sports, dem Laureus-Award, nominiert.

Autogrammstunde und gute Nachrichten

Die Turnierspiele in der Halle nehmen inzwischen ihren Gang. Routiniert treten die Spieler gegeneinander an. Hart im Einsatz aber fast immer fair im Umgang miteinander. Ein Schiedsrichter ist nicht nötig. Kommt ein Spieler zu Fall, ist der Verursacher schnell bei ihm und reicht ihm die Hand. Fairniss und Rücksichtnahme werden hier fast beiläufig gelernt. Mit viel Spaß und Energie geht es hier zur Sache. Während die Spieler in ihr Spiel vertieft sind, beginnt oben schon die Autogrammstunde. Die Spieler von Hertha BSC Änis Ben-Hatira und Patrick Ebert sind umlagert von Fans. Alle wollen mit ihnen fotografiert werden.

Dann geht´s auch schon runter in die Halle. Alle sind gespannt und brechen in Begeisterung aus, als ein Vertreter der Bundesliga-Stiftung die finanzielle Förderung des Vereins für die nächsten Jahre zusichert. Das bedeutet wieder ein wenig mehr Sicherheit für die praktische Jugendsozialarbeit des Vereins.

 

Ralf Salecker


Zu finden unter: Freizeit & SportNews

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