Kiezväter in der Spandauer Neustadt

Starke Väter braucht der Kiez

Kiezvater Israfil- Yldizkan (Foto: Ralf Salecker)

Kiezvater Israfil- Yldizkan (Foto: Ralf Salecker)

Oft ist Erziehung Sache der Frauen, nicht nur in unserem Kulturkreis. Erziehung ist kein Zuckerschlecken. Es ist keine neue Erkenntnis, dass ein großer Anteil des uns prägenden Lernprozesses im Kreis der Familie stattfindet. Es können Probleme auftreten, die Eltern überfordern. Das trifft insbesondere Alleinerziehende. Dann erfordert es viel Mut, sich dies einzugestehen und nach Wegen zur Problemlösung zu suchen obwohl das Rollenverständnis des eigenen Kulturkreises eine solche Entscheidung nicht gerade erleichtert. Eltern benötigen ebenso Stärkung, wie Kinder. Seit rund eineinhalb Jahren existiert in der Spandauer Neustadt eine Gruppe, deren Namen neugierig macht – die Kiezväter. Sie bieten Beratungsangebote zu sozialen und Erziehungsfragen. Mit regelmäßigen Veranstaltungen werden alltägliche Dinge des Lebens zum Thema gemacht aber eben auch Konflikte, die sich aus der eigenen Kultur ergeben.

In Neukölln existieren solche Projekte seit vielen Jahren

Gerade im Problembezirk Neukölln entstanden die ersten Kiezväter-Gruppen. In den Medien wurde immer wieder über die sehr erfolgreiche Idee berichtet. Väter, die Angst davor hatten, ihren Kindern und Frauen gegenüber gewalttätig zu werden oder es sogar waren, wie solche, die sich ein Herz fassten und sich allgemeinen Erziehungsproblemen widmen wollten, die sie deutlich überforderten. Dort wurden die Kiezväter als Multiplikatoren ausgebildet, damit sie ihre Erfahrungen weiter tragen konnten, sei es in den Freundes- und Verwandtenkreis, der oft kein Verständnis für alleinerziehende Väter aufbrachte oder gar in die Teehäuser.

In der Spandauer Neustadt wird ähnliches versucht

Initiator der Spandauer Kiezväter ist Baljan Moradli. Der sytemische Paar- und Familientherapeut turkmenischer Herkunft arbeitete 18 Jahre in der Familienberatung. Einen großen Schatz an Erfahrungen kann man also voraussetzen. In der Neustadt möchte man in dem Projekt u.a. „Scouts“ ausbilden, die Informationen zu scheinbar alltäglichen Probleme weitergeben sollten.

Probleme mit der Schule, Ernährungsberatung, die Heranführung an Kultur über Lesestunden (Leseväter), Erziehungsberatung, der Umgang mit Behörden, Tipps zu Sportvereinen und auch Computerkurse, Rechtsberatung und ein Väter-Café (als regelmäßigen Treffpunkt) sind nur einige Beispiele für das bunte Spektrum.

Dabei gehört die intensive Zusammenarbeit mit Initiativen, die ähnliches versuchen, zum wichtigen Standbein. Es sollen keine Einzelkämpfer herangebildet werden.

Weiterhin geht es nicht darum, Konflikte zwischen Müttern und Vätern, die ihre Kinder und das Sorgerecht betreffen zu verstärken. Ganz im Gegenteil. Konfliktmoderation soll gerade diese Hürden für das Miteinander überwinden helfen.

Schade nur, dass diesem besonderen projekt nicht der Erfolg seines Neuköllner Vorbildes beschieden ist. Sind die Väter hier weniger mutig oder problembewusst?

 

Ralf Salecker

 

 

Kiezväter:

  • Lutherstraße 17, 13585 Berlin
  • Baljan Moradli: moradli@jugendwohnen-berlin.de

 

Öffnungszeiten Kiezväter-Treff

  • Dienstag 12.00-14.00 Uhr – Allgemeine Beratung
  • Dienstag 14.00-16.00 Uhr – Rechtsberatung
  • Dienstag 16.00-18.00 Uhr – Väter-Café, Computer-Väter (Anfänger)
  • Donnerstag 15.00-18.00 Uhr – Allgemeine Beratung
  • Weitere Termine nach Vereinbarung (Tel: 030-22194583)

Zu finden unter: FeaturedKunst & Kultur

Tags:

Artikel drucken Artikel drucken

Über den Autor:

RSSKommentare(0)

Trackback URL

Feedback

You must be logged in to post a comment.

Jetzt Neu: Kleinanzeigen in Berlin und Spandau