Kinder der Sonne in der Spandauer Stadtbibliothek

Bilderwelten von Kindern mit Down Syndrom und Autismus

"Kinder der Sonne" in der Jugendbibliothek

“Kinder der Sonne” in der Jugendbibliothek

In der Spandauer Hauptbibliothek wurde die Ausstellung „Kinder der Sonne!“ mit Bildern von Kindern aus Spandaus Partnerstadt Wolgograd, dem früheren Stalingrad, eröffnet. Vom 10 Juli bis zum 24. August gibt es die Gelegenheit, sich die Bilder in der Jugendbibliothek zu den üblichen Öffnungszeiten anzuschauen. Mehr Mitglieder der BVV als üblich waren bei der Eröffnung dabei.

Alle Bilder stammten von Kindern, die unter dem Down Syndrom oder Autismus leiden. In der Russischen Föderation entwickelt sich langsam ein offenerer Umgang mit Behinderten Menschen. Früher neigte man dazu, sie zu verstecken oder in Heime abzuschieben. Eine Entwicklung, wie sie vergleichbar auch in Deutschland vor langen Jahren überwunden wurde.

Eine Kunsttherapeuthin holte die Bilder nach Spandau

Elena Melichowa-Hass, die im letzten Jahr eine Ausstellung ihrer eigenen Bilder im Kulturhaus Spandau hatte, entdeckte bei einem Besuch in ihrer Heimatstadt Wolgograd die Bilder. Als Kunsttherapeuthin war es ihr wichtig, diese Bilder in Deutschland zu zeigen. In ihrer Arbeit als Kunsttherapeuthin mit Senioren hat sie einmal folgendes formuliert: „Durch die Anerkennung … erleben sich unsere Künstler als Menschen, die fähig sind, etwas zu gestalten. Es wird nicht – wie so oft im alltäglichen Leben – darauf geschaut, was sie nicht können, sondern sie werden als Menschen mit ganz besonderen Fähigkeiten wahrgenommen.“ Diese Aussage trifft auf die aktuelle Ausstellung ebenso zu.

Kulturstadtrat Hanke betonte bei der Ausstellungseröffnung, “dass es nicht immer die großen Künstler sind, die uns mit ihren Werken verzaubern“. In diesem Fall sind es Bilder von jungen – etwas anderen – Menschen, die eine ganz besondere Sprache sprechen. Ihn freute es daher ganz besonders, eine Gruppe von Kindern aus Wolgograd zu begrüßen, die ihrer Partnerstadt Spandau gerade einen Besuch abstatteten. Mit Blick auf die Bilder hofft er, dass es auch weiterhin einen intensiven Austausch zwischen Spandau und Wolgograd geben müsse.

Elena Melichowa-Hass stellte einen bemerkenswerten Unterschied zwischen den Hauptbildern der Ausstellung und einer gleichzeitig präsentierten Reihe von Bildern eines Malwettbewerbs aus der Partnerstadt heraus. So sind erstere eher aus dem Bauch heraus entstanden, während die gesunden Kinder „kopflastiger“ malten. Vergleichen sollte man beide aber nicht, sondern sie jeweils für sich alleine sehen.

Spielfilme, in denen Autisten die Hauptpersonen sind oder Filme und Theaterstücke, in denen Menschen mit Down-Syndrom sogar bedeutende Rollen spielen, haben dazu beigetragen, die althergebrachte Vorstellung von einer Behinderung und ihren Folgen etwas zu relativieren.

In Deutschland gibt es seit vielen Jahren eine hauptberufliche Künstlerinstitution „Die Schlumper“, in der ausschließlich Behinderte oder psychisch kranke tätig sind. Bis Kunst von Behinderten als solche bei uns anerkannt wurde, galt es einen langen Weg zurückzulegen. Die Bilderausstellung in der Jugendbibliothek bietet die Gelegenheit, sich selbst mit dem Thema Behinderung und Kunst auseinanderzusetzen.

 Jugendbibliothek

  • Carl-Schurz-Str. 13
  • 13597 Berlin
  • Öffnungszeiten:
  • Montag, Mittwoch, Freitag 11 – 20 Uhr
  • Dienstag, Donnerstag 11 – 18 Uhr
  • Samstag 10 – 14 Uhr

 

Ralf Salecker

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Zu finden unter: Kunst & KulturNews

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