Klaus Wowereit im Kulturhaus Spandau

Der Regierende Bürgermeister stellte sich am Mittwoch im Rahmen einer Lesung den Fragen der Bürgerinnen und Bürger

Thilo Sarazzin als auch Heinz Buschkowsky erregten mit ihren Büchern und provokativen Thesen große Aufmerksamkeit. Doch auch Klaus Wowereit (SPD) veröffentlichte bereits vor eineinhalb Jahren ein Buch mit dem Titel „Mut zur Integration“. Dieses wurde jedoch im Gegensatz zu den Publikationen der beiden Parteigenossen kein Bestseller. Denn: Wowereit zieht eine positive Bilanz der Integration in Deutschland anstatt vorhandene Missstände zu generalisieren und damit den tausendfach erfolgreich Integrierten einen „Schlag ins Gesicht zu verpassen“.

Swen Schulz (re.) hatte Klaus Wowereit zum Thema Integration nach Spandau geladen.

Swen Schulz (re.) hatte Klaus Wowereit zum Thema Integration nach Spandau geladen. Foto: Patrick Rein

Problem der sozialen Lage

Was als kurze Lesung im Theatersaal des Kulturhaus Spandau begann, entwickelte sich schnell zu einer zweistündigen Diskussion, bei der jeder der über 100 Anwesenden seine Fragen stellen konnte. So wurde neben dem eigentlichen Schwerpunkt Integration auch über Lehrersituation, Asylrecht, erziehungsüberforderte Eltern, den Polittalk von Stefan Raab, Heinz Buschkowsky aber natürlich auch den Flughafen gesprochen. Viele der Themen haben einen unmittelbaren Zusammenhang – bis auf den Flughafen – und so sieht auch Wowereit den Grund für bestehende Probleme nicht bei einem Migrationshintergrund sondern in der immer angespannteren sozialen Lage. Nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung sollen in Berlin allein 146.000 Kinder in Hartz-IV-Familien leben, somit ist fast jedes dritte Kind von Sozialleistungen abhängig und von Kinderarmut bedroht. Auch Deutschen fehlt heute der „Aufstiegswille“ der wieder geweckt werden müsse. Viele resignieren einfach und finden sich mit der Situation ab anstatt weiterhin den Versuch zu unternehmen etwas zu ändern. Dort müssten der Staat als auch freie Träger unterstützend eingreifen.

Integration hat viele Facetten

Zwei Jahre lang hatte der Regierende Bürgermeister Berlins an dem Buch im Rahmen der Zukunftswerkstatt Integration der SPD mitgewirkt. Neben dem Integrationswillen der Betroffenen sei dabei eine Willkommenskultur ebenso entscheidend für den Erfolg. Das Schüren von Ängsten sowie populistische Publikationen seien hingegen kontraproduktiv. Auch Wowereit ist sich bewusst, dass es Ausnahmen und Problemkieze gibt, doch wehrt er sich gegen eine Verallgemeinerung dass dadurch das Gesamtkonzept Integration gescheitert sei: „Integration ist keine Einbahnstraße und auch wurde nicht immer alles richtig gemacht.“. Zudem seien es nicht nur Migranten sondern auch körperlich oder geistig Benachteiligte, Homosexuelle und jede andere Randgruppe die gesellschaftlich integriert werden müsse. Integration hat nichts mit der Hautfarbe zu tun. Multikulti sei erst durch konservative Bestrebungen zu einem „Kampfbegriff“ geworden.

Diskriminierung ist nie in Ordnung

Wowereit gab sich an dem Abend souverän und entspannt, beantwortete gewohnt locker jede Frage und oftmals hatte man nicht den Eindruck, dass es sich bei ihm durch die mittlerweile jahrelang innehabende Position des Regierenden Bürgermeisters auch um einen Entscheidungsträger handeln würde. So fehlten dem ein oder anderen sicherlich konkrete Lösungsvorschläge anstatt dem Bekenntnis sich den bestehenden Problematiken bewusst zu sein. Wichtig sei es „Ängste zu nehmen und soziale Probleme zu lösen“. Denn: Trotz aller Bestrebungen ist die Durchlässigkeit der Schichten schwieriger geworden. Das Problem ist bekannt, nur erfolgreiche Lösungsansätze fehlen weiterhin.

Patrick Rein


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