Kleine Badewiese in Gatow: viele Badegäste trotz schlechter Wasserqualität

Vom Baden wird jedoch weiterhin abgeraten

Die Sonne scheint und Temperaturen von 25 Grad und mehr laden zum Baden an den Spandauer Gewässern ein. In der letzten Woche gab es jedoch Aufregung wegen des EU-Berichts zur Qualität der Badegewässer, der die Jahre 2008 bis 2011 zur Grundlage hatte.

Die Badegäste lassen sich von Warnungen nicht abhalten.

Die Badegäste lassen sich von Warnungen nicht abhalten.

Obwohl mehr als 95 Prozent der deutschen Binnen- und Küstengewässer die EU-Standards erfüllten, wurde gerade von dem Baden an der Kleinen Badewiese in Gatow abgeraten. Auch die Wasserqualität am Flussbad in der Gartenstraße in Köpenick weise eine schlechte Wasserqualität auf.

Verschmutztung durch Spree, Unterhavel und Landwirtschaft

Die Verschmutzungen an der Kleinen Badewiese werden vor allem durch Zuflüsse aus Spree und Unterhavel sowie durch die Brandenburger Landwirtschaft mit Phosphat- und Nitrateinsatz hervorgerufen. Dazu kommen Verunreinigungen am Ufer und Wasservögel, wie Kanadagänse, deren Fütterung aus diesem Grund auch untersagt ist. Außerdem bestehe ein hohes Risiko einer Massenvermehrung von Blaualgen im Sommer.

“Hier wird gern und viel gebadet”

An der Badewiese selbst ist von Hysterie jedoch nichts zu spüren. Obwohl ein Schild am Eingang vom Baden abrät.

Kleine Badewiese

Schon Mittags ist die Kleine Badewiese gut besucht.

„Hier wird sehr gern und viel gebadet“, erklärt die Rettungsschwimmerin der Wasserrettungsstation Alt Gatow. In der letzten Woche habe sie Familien mit Kindern gewarnt, „aber die sagen dann, sie sind schon erwachsen. Und das stimmt, jeder muss selbst entscheiden.“ Als Rettungsstelle werde man in Gatow jedoch über die Wasserqualität im Unklaren gelassen. „Dabei ist es ja klar, dass die Leute zu uns kommen und fragen“, sagt sie.  Das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin bestätigt jedoch, dass vom Baden nach einer Wasseruntersuchung vom 15. Mai immer noch abgeraten wird.

Außerdem bemängelt sie ein berlinerisches „Schildbürgertum“. Im letzten Jahr habe sie sich von Pontius zu Pilatus telefoniert um Bojen um die Badefläche gezogen zu bekommen, weil das Baden damals zeitweise gestattet war; in diesem Jahr werde abgeraten und die Bojen seien da. „Im letzten Jahr hatten wir natürlich richtig Angst um die Kinder“, sagt sie. Denn ohne Bojen fahren die Boote einfach durch den Badebereich. Eine Mutter habe in der letzten Woche von einem Hautausschlag bei ihrem Kind, verursacht durch das Baden an der Kleinen Badewiese, berichtet, ansonsten habe sie jedoch von keinen Beschwerden gehört. „Ich würde da aber auch nicht schwimmen gehen, wenn ich nicht muss.

Vom Hundeverbot lässt sich hier kaume einer abschrecken.

Vom Hundeverbot lässt sich hier kaum einer abschrecken. Fotos (3): Kirsten Stamer

In der Plörre“, sagt die Rettungsschwimmerin, „außer zum Retten natürlich.“

Jedes Jahr hier – nie Probleme

Eine Familie mit drei Kindern und – verbotenerweise – zwei Hunden hat da jedoch keine Bedenken. Sie kämen jedes Jahr hierher und hätten noch nie Probleme gehabt, erklärt die Mutter. Nur wenn es richtig heiß sei und ein Algenteppich das Wasser bedecke ließe sie ihre Kinder nicht ins Wasser. Auch ansonsten ist die Liegewiese gut besucht, gebadet wird auch, so schnell lassen sich die Spandauer nicht verschrecken.

Wer jedoch sicher sein will in einem Wasser mit guter Qualität zu Baden sollte auf die Bürgerablage oder den Groß Glienicker See mit ausgezeichneter Wasserqualität ausweichen. Auch der Badestelle Breitehorn wird eine gute Wasserqualität bescheinigt.

Kirsten Stamer

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  1. Sandbänker sagt:

    “Die Verschmutzungen an der Kleinen Badewiese werden vor allem durch Zuflüsse aus Spree und Unterhavel sowie durch die Brandenburger Landwirtschaft mit Phosphat- und Nitrateinsatz hervorgerufen”

    Dann erkläre mir doch bitte einmal jemand, warum das Wasser am Breitehorn besser sein soll.

    Auffällig ist, dass die Kleine Badewiese von Bebauung gerahmt ist, Breitehorn jedoch nicht. Ich gehe davon aus, dass dort irgendein Leck ist – das dichtet sich aber nicht durch bequemes Probennehmen ab.

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