Kunstvolles Glashandwerk auf der Zitadelle


Glas gravieren in Spandau

Inge Gerner, Glasgravur-Meisterin

Inge Gerner, Glasgravur-Meisterin

Es ist schon wahr, die Zitadelle hat in der Vergangenheit einen gewaltigen Schatz in ihren Mauern geschützt. 120 Millionen gemünztes Gold, in 1200 Kisten verpackt, lagerten im Juliusturm. Heute wäre die Schatz etwa 1,3 Milliarden Euro wert.

Ganz andere Schätze sind heute in der alten Renaissancefestung zu finden. Künstler und Kunsthandwerke tummeln sich hier, manche verborgen hinter verschlossenen Türen, andere dagegen mit weit offenen Türen, um jederzeit einen Blick in die Werkstatt oder das Atelier werfen zu können.

Die Glasgravur-Werkstatt von Inge Gerner im Erdgeschoss vom Haus 4 ist eine dieser offenen Werkstätten. In ihrer Art ist sie einzigartig in Berlin. Schon im Gang, vor der Werkstatt empfangen den Besucher viele Glasobjekte, die zur Anschauung an den Wänden befestigt wurden.

Christoph Hagedorn

Christoph Hagedorn

Jeder hat sicherlich schon einmal aufwändig gestaltete Fensterscheiben in alten Häusern gesehen, mit ihren komplexen Ornamenten oder aber Trink- und andere Nutzgläser mit gravierten Schriftzügen. All dies und viel mehr gibt es hier: Gläser gravieren, Sandstrahl-Dekore für Glastüren, Spiegel, Glastische, Trennwände, Spiegel-Portraits, Ehren-Pokale, Trinkgläser … Unikate entstehen hier, keine seelenlosen Fabrikprodukte.

Maler nutzen die Leinwand, um Bilder oder andere Materialien um plastische Objekte zu schaffen. Hier wird mit Glas, einem sehr spröden Material gearbeitet.

Die Glasgravur-Meisterin Inge Gerner kam eher durch einen Zufall zu ihrer Berufung. Sie suchte einen kreativen Ausbildungsberuf und fand eine Ausbildung zur Glasgraveurin. 10 Jahre betreiben sie und Christoph Hagedorn die Werkstatt in der Zitadelle.

Glasgravur und Sandstrahlverfahren sind die eingesetzten Techniken, um aus schlichten Glasscheiben, Glasblöcken oder Pokalen kleine oder große Kunstwerke zu schaffen. Besitzer alter Häuser, die bei Sanierungen auch die ursprünglichen gestalteten Jugendstil-Fenster wieder herstellen wollen, sind hier genau richtig.

Aus Bruchstücken oder Fotografien gestaltet Christoph Hagedorn am Computer die alten aber auch neuen Ornamente und Bilder. Mit Hilfe eines Schneideplotters werden sie in eine Folie hineingeschnitten. Diese überträgt er auf die Glasflächen. Dort, wo das Glas mattiert werden soll, bleibt das Glas ungeschützt. In einer abgedichteten Kammer wird mit feinem Sand, der in Wirklichkeit Korund ist, das gewünschte Muster oder die Mattierung, auf das Glas gestrahlt. Bei der Glasgravur dagegen schneiden rotierende Wehrzeuge die gewünschten Bilder in das Material. Inge Gerner benötigt manchmal viele Stunden, um ein Portrait nach einem Foto zu erstellen. Wenn das Glasobjekt pfleglich behandelt wird, ist es eine Anschaffung für das ganze Leben.

In der offenen Werkstatt können Besucher tagtäglich diese Arbeiten bestaunen. Sie lernen so ein altes Handwerk schätzen, welches inzwischen sehr selten geworden ist.

Faszinierend ist es, wenn beide Techniken miteinander kombiniert werden. Mattierte und durchscheinend Bereiche wechseln sich ab, dazu kommen plastisch herausgearbeitete Formen. Dreidimensionale Effekte entstehen ferner, wenn beide Seiten einer Glasfläche bearbeitetet werden. All dies ist schwer zu beschreiben. Man muss es einfach gesehen haben. Billigen industriellen Tand möchte danach kaum einer mehr in die Hand nehmen. Selbst ein Scheich aus dem Nahen Osten hat sich schon Gläser hier gravieren lassen. In der Fernsehserie „Alisa — Folge deinem Herzen” stand Inge Gerner beratend zur Seite.

Ein Besuch in dieser Werkstatt lohnt in jedem Fall. Wer nur schauen mag, wird ein seltenes Handwerk bestaunen können. Andere lassen sich so zu Geschenken inspirieren, die sehr individuell gestaltet sind. Aktuell entsteht gerade eine Berlin-Serie an Gläsern, die später in Souvenirshops zu haben sein wird.

 

Ralf Salecker

 

Kontaktdaten:

  • Zitadelle Spandau
  • 13599 Berlin
  • Tel.: 030/35 40 24 05
  • E-Mail: IngeGerner@Glasgravur.net

Zu finden unter: Freizeittipps

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