Lehrkräftemangel an Schulen?!

Vier Milliarden Euro wurden bundesweit in die Sanierung und Erweiterung von Schulgebäuden investiert, doch beim Personal mangelt es weiterhin

Kaum ein Thema bewegt so sehr wie das Bildungssystem. Nach dem Pisa-Schock wurde mit zig Reformen versucht, dem unterdurchschnittlichen Abschneiden deutscher Schülerinnen und Schüler entgegenzuwirken. Eine der Lösung war dabei die Umstellung auf Ganztagsschulen, welche mittlerweile – bis auf die Gymnasien – weitestgehend abgeschlossen ist.

Für die Ganztagsbetreuung müssen besonders Mensen gebaut werden.

Für die Ganztagsbetreuung müssen besonders Mensen gebaut werden.

Investition in Ganztagsschulen

Im Rahmen des Konjunkturprogramms konnten vier Milliarden Euro in die Räumlichkeiten von Schulgebäuden investiert werden, überwiegend auch in den Bau von erforderlichen Mensen. Dennoch entstand dadurch wieder eine noch anhaltende Föderalismusdiskussion, da vom Grundgesetz her der Bund in Belangen des Schulwesens kein Mitspracherecht besitzt. Dies ist allein Ländersache. Daraus resultierende Probleme sind nicht nur Schwierigkeiten bei Gleichstellung von Abschlüssen oder Schulwechseln innerhalb des Bundesgebietes sondern stellen auch Landesregierungen vor schwerwiegende finanzielle Probleme.

Auch die Erwin-von-Witzleben-GS im Halemweg verfügt jetzt über einen Neuanbau.

Auch die Erwin-von-Witzleben-GS im Halemweg verfügt jetzt über einen Neuanbau. Fotos (2): Patrick Rein

Knappe Kassen

Beispielsweise konnten durch das Konjunkturprogramm zwar auch in Berlin mittlerweile alle Grund- und Sekundarschulen auf eine Ganztagsbetreuung umgestellt werden, doch kann bei einer weiterhin schlechten Haushaltslage der Personalbedarf nicht gedeckt werden. Zwar weisen die zum Schuljahresbeginn von der Senatsverwaltung veröffentlichten Zahlen wieder Neueinstellungen sowie eine Bedarfsdeckung aus, doch die Realität scheint anders. Wie eine Lehrerin berichtete, fallen schon jetzt wieder Unterrichtsstunden aus. Grund dafür sind Langzeitkranke sowie eine langsam einsetzende Pensionierungswelle, welche über die verhältnismäßig wenigen Neueinstellungen nicht aufgefangen werden. Da gerade der Großteil der älteren Lehrerinnen und Lehrer in einem Beamtenverhältnis stehen, bleiben sie in den amtlichen Statistiken auch bei Langzeiterkrankungen. Auch die Ausbildung junger Lehrkräfte sowie die Betreuung bei der Berufsausübung wird weiterhin kritisiert.

Umfassende Reformen gefordert

Neben der Bund-Länder-Diskussion ist gerade im Berliner Bildungssystem ein kaum überschaubares Kompetenzgerangel festzustellen. Eine Aufteilung in Innere und Äußere Schulangelegenheiten und demnach auf die Berliner Senatsverwaltung, einer Senatsaußenstelle in den Bezirken sowie dem Schulamt im Bezirk wird sicherlich auch bei Elternteilen zu Verwirrungen führen. So fordert auch ein Zusammenschluss von dreißig Autoren in ihrem Buch „Was bildet Ihr uns ein“ endlich umfangreiche Reformen anstatt zahlreicher „Reförmchen“. Investitionen in Gebäude sind und waren ein notwendiger Schritt, doch bringen äußere Rahmenbedingungen wenig, wenn diese nicht mit Inhalt und Personal gefüllt werden können. Sich dabei immer auf die angespannte Haushaltslage zu berufen, während ein Flughafen immer mehr die Landeskasse belastet oder Banken, Länder und Industrie mit Milliarden subventioniert werden, ist für die Betroffenen oftmals ein Schlag ins Gesicht.

Patrick Rein


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