Mit Fußball zum Schulabschluss

Nicht nur mit dem neuen Kunstrasenplatz sondern mit der außersportlichen Betreuung der B-Jugendlichen zeigen die Fußballer von Blau-Weiß Spandau Proficharakter

Die außerschulische Betreuung von Kindern und Jugendlichen ist stets ein Thema. Während sich immer mehr freie Träger um Fördermittel streiten und ebenso viele Initiativen gründen, bietet auch die älteste Form der Freizeitgestaltung, der Sportverein, vermehrt übersportliche Angebote um das Sozialverhalten der Heranwachsenden zu stärken. Doch was Axel Vogel, Trainer der B-Jugend von Blau-Weiß, für seine Jungs auf die Beine stellte, hat Vorbildcharakter und steht somit auch verdient im Finale von „Sterne des Sports“.

Stadtrat Gerhard Hanke und der 1. Vorsitzende des FV Blau-Weiß Rainer Annemüller sind nicht nur wegen des neuen Kunstrasenplatzes hocherfreut.

Stadtrat Gerhard Hanke und der 1. Vorsitzende des FV Blau-Weiß Rainer Annemüller (re.) sind nicht nur wegen des neuen Kunstrasenplatzes hocherfreut.

Praktika und Nachhilfe

Während sich die Jungs bei allem rund um den Ball richtig reinknien, so ließ die schulische Begeisterung oftmals zu wünschen übrig. Mit einem Anteil von 67 Prozent von Spielern mit Migrationshintergrund und dem Aufwachsen in einem sozialen Brennpunkt wie der Wilhelmstadt, wollte der Trainer neben fußballerischen Fähigkeiten auch die beruflichen Chancen seiner Jungs verbessern. Mit viel Engagement konnten Partner überwiegend aus dem Handwerk gewonnen werden. Die Idee: Eine Rundumbetreuung nach der Schule. Jetzt gestaltet sich der der Tagesablauf drei Mal wöchentlich aus Schule, Praktikum bei einem der 16 Projektpartner, Mittagsessen und Nachhilfe im Vereinsheim bis hin zum Training.

Das Vereinsheim bietet nur eingeschränkten Platz als Unterrichtsstätte.

Das Vereinsheim bietet nur eingeschränkten Platz als Unterrichtsstätte.

Keine Zeit zum „Mist“ bauen

So sind die Jungs nicht nur weg von der Straße sondern haben auch schulisch Erfolg. Seit Beginn des Projekts erreichte jeder Spieler einen Schulabschluss und konnte teils über die Praktika sogar in eine Ausbildung übernommen werden. Die Finanzierungsanträge der benötigten gut 8.000 Euro jährlich brachten den Polizeibeamten Vogel nochmals an seine Grenzen. Da taten die 4.000 Euro durch Sterne des Sports von der Commerzbank besonders gut. Und noch ist das Projekt sogar im Rennen um die bundesweite Auszeichnung in Gold. Auch Stadtrat Gerhard Hanke (CDU) ist nicht nur stolz auf so viel Einsatz und stellte am Mittwoch nicht den profitauglichen Kunstrasen mit 336.000 Euro Investitionsvolumen sondern dieses Vorzeigeprojekt in den Vordergrund.

Zum Eröffnungsspiel des neuen Platzes empfingen die Blau-Weießn Spandauer die U-23 von Zweitligist Hertha BSC.

Zum Eröffnungsspiel des neuen Platzes empfingen die Blau-Weißen Spandauer die U-23 von Zweitligist Hertha BSC. Fotos (3): Patrick Rein

Umzug in Klassenräume

Mittlerweile wollen viele Jugendliche in Vogel’s B-Jugend kicken – doch nicht wegen der sportlichen Leistung sondern um vom Praktikum-Nachhilfe-Projekt „Fußball und mehr“ zu profitieren. Im Sinne der Nachhaltigkeit zieht sich die Unterstützung sogar über den Schulabschluss hinaus noch in die Berufsschule. Die Nachfrage ist groß doch die räumlichen Kapazitäten des Vereinsheims längst ausgereizt. Stadtrat Gerhard Hanke stellte nun die Nutzung von Klassenräumen in der anliegenden Berthold-Brecht-OS in Aussicht. Doch alle Beteiligten äußerten Bedenken, ob die Begeisterung fürs Angebot nicht gerade an den bisherigen unkonventionellen Räumlichkeiten liegt.

Wieder ein Mal zeigt jedoch das bürgerschaftliche Engagement von Axel Vogel was wir in Spandau alles auf die Beine stellen können.

Patrick Rein


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