Nicht jedes Kind bekommt den gewünschten Schulplatz in Spandau

Nie eine Wahl ohne Alternative treffen

Thomas Nack: Leiter Fachbereich Schule in Spandau

Das Jahr 2010 war nicht so, wie die letzten Jahre. Zumindest dann nicht, wenn man die sich Zahl der Übergänge – nicht nur in Spandau – an die Oberschulen anschaut. Es stellt sich die bange Frage, in wieweit streitbare Eltern vor Gericht bestehende Entscheidungen kippen und so noch zusätzliche Unruhe ins System bringen.

Was führte zu den hohen Zahlen an Schülern, die in die 7. Klasse wechseln? Jetzt macht sich eine Entscheidung bemerkbar, die vor vielen Jahren getroffen wurde. Kinder werden nämlich schon mit 5 ½ Jahren eingeschult. Dieser zusätzliche „halbe“ Jahrgang (20 Prozent mehr Schüler) schwappt nun in die weiterführenden Schulen. Diese versuchen sich darauf einzustellen, indem sie einen oder mehrere neue Klassen an einer Schule installieren, was aber nicht wirklich einfach ist. So verfügt die Bertot-Brecht-Oberschule schon über 8 Klassenzüge. Die Planung wird erschwert, da es in Berlin die freie Schulwahl gibt. Schüler aus Köpenick könnten durchaus in Spandau zur Schule gehen wollen, was wegen der Randlage Spandaus nicht sehr wahrscheinlich ist –. trotz gut ausgebauter öffentlicher Verkehrsmittel.

Ein weiterer Umstand, der enormen Einfluss auf die Wahl des Schulplatzes hat, ist eine Folge der Schulstrukturreform im Bezirk Spandau. Die Einführung eines zweigliedrigen Schulsystems, in dem Hauptschule, Realschule und Gesamtschule zur „Integrierten Sekundarschule“ (IS) zusammengefasst werden. Während im klassischen Gymnasium jetzt 12 Schuljahre zum Abitur führen, sind es in der IS noch 13 Jahre. Viele Eltern wollen ihren Kindern den Stress (bei 36 Wochen-Unterrichtsstunden) der kurzen Zeit bis zum Abi ersparen und melden diese auf den Integrierten Sekundarschulen an. Ein Verdrängungswettbewerb hat begonnen. An der Martin-Buber-Oberschule (MBO) hatten sich 177 Schüler mit gymnasialer Empfehlung angemeldet.

Spandau verfügt seit 2010 über 9 IS. Die Martin-Buber-Oberschule (MBO) war schon – wegen ihres besonderen pädagogischen Konzepts – in den letzten Jahren höchst begehrt. Es wurden auch zuvor viele Schüler, die hier gerne zur Schule gegangen werden abgelehnt. Dies war so lange kein Problem, wie es dort ein vorgezogenes Anmeldeverfahren gab. Nach einer erfolgten Ablehnung war dann immer noch ausreichend Zeit, das eigene Kind bei anderen Schulen anzumelden.

Das Auswahlverfahren sieht wie folgt aus:

  • 10 % Härtefälle
  • 60 % Schuleigene Kriterien (Leistung, Perspektive …)
  • 30 % über Losentscheid

Insgesamt wurden 377 Ablehnungsbescheide verschickt. Allein die MBO musste 235, die Bertolt-Brecht-Oberschule 106 und die Hans-Carossa-Oberschule 31 Ablehnungen erteilen. Schon sehr kurz darauf erfolgten die ersten anwaltlichen Schritte der Eltern. 22 haben Widerspruch eingelegt. Es können durchaus mehr werden.

Andererseits haben 82 Prozent der Schüler ihren Wunschplatz bekommen. Berücksichtigt man den Zweit- und Drittwunsch, dann wären es sogar 92 Prozent. Probleme bereiten die Eltern, die bewusst oder unbewusst nur eine Schule gewählt haben. Deren Kinder werden per Bescheid auf einen freien Schulplatz verteilt werden müssen, was einige sicherlich nicht hinnehmen wollen. Ein Rechtsstreit kann dauern, was durchaus zu Lasten des Kindes gehen kann, wenn nach einigen Monaten dann doch ein Wechsel an eine andere Schule anstehen kann.

Es gibt Schulen in Spandau, wie das Carl-Friedrich-von-Siemens-Gymnasium (100 freie Plätze), die noch über freie Kapazitäten verfügen. „Auch Siemensstadt gehört zu Spandau“, dieser Satz während der Pressekonferenz macht deutlich, dass nicht alle Schulen gleichermaßen attraktiv sind – was ganz bestimmt nicht an deren Qualität liegt. Schüler aus Gatow oder Kladow möchten anscheinend den „weiten“ Anfahrtweg vermeiden.

Weite Anfahrtwege werden möglicherweise Schüler aus Berlin auf sich nehmen müssen, wenn sie freiwillig oder unfreiwillig eine Entscheidung für eine Spandauer Schule getroffen haben.

Selbst wenn irgendwann alle Schüler einen Schulplatz haben, kann es nach dem nicht bestandenen Probejahr (nicht mehr ein halbes Jahr) an den Gymnasien zu weiteren Schülern kommen, die gezwungen sind, sich einen Platz an einer Integrierten Sekundarschule zu suchen. Möglicherweise müssen auch dann zusätzliche Klassen eingerichtet werden.

So bleibt nur die Hoffnung auf das nächste Jahr. Dann werden rund 600 Schüler in Spandau weniger erwartet, was die „Verteilungskämpfe“ beruhigen könnte. Trotzdem werden die begehrten Schulen weiterhin begehrt bleiben!

Nicht nur der Start in die Oberschule ist ein Problem für viele Schüler. Wie sieht die Perspektive nach dem Schulabschluss aus? Der Berufsorientierung widmet sich in Spandau der CASA e. V. unter dem Motto “Fit für die Ausbildung”, in dem er versucht, Schüler neigungsgerecht in Ausbildung und Beruf zu führen.

Am 19. Mai 2011 werden Berliner und Brandenburger Schülerinnen und Schüler während der Berufsfindungsbörse auf der Zitadelle, veranstaltet vom CASA e.V.,  wieder die Gelegenheit haben, sich über Berufe, Ausbildungsmöglichkeiten und Studiengänge zu informieren und mit Personalverantwortlichen direkt ins Gespräch zu kommen.

Ralf Salecker

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Zu finden unter: Arbeiten & LernenNews

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