Pfarrer Jörg Kluge: Ostern ist für Christen das höchste Fest

Die St. Nikolai Kirche in der Altstadt Spandau

„Ich möchte Menschen Mut machen, die kirchlich nicht interessiert sind, in die Gottesdienste zu kommen und vielleicht Erfahrungen zu machen die sie lange nicht mehr gemacht haben“, sagt der Geschäftsführende Pfarrer der Gemeinde St. Nikolai, Jörg Kluge im Gespräch. Seit eineinhalb Jahren ist der Berliner in der evangelischen St. Nikolaikirche in Spandau und als Geschäftsführer auch für Personal, Verwaltung und Finanzen zuständig. Ein Fulltime Job.

Pfarrer Kluge möchte Menschen ermutigen in den Gottesdienst zu kommen

Pfarrer Kluge möchte Menschen ermutigen in den Gottesdienst zu kommen

Darüber was die Kirchen in Wirklichkeit leisten, macht sich selten jemand Gedanken. Ob Taufe, Hochzeit oder Sterbefall, immer fallen lange Beratungsgespräche an. Nun steht Ostern vor der Tür, für viele Deutsche ein Grund – neben Weihnachten – doch einmal eine Kirche zu besuchen. Sind denn die Spandauer Kirchgänger? „Wir können uns nicht beklagen“, meint Kluge. Der Berliner an sich sei aber eher keiner. „Ostern ist für die Christen das höchste Fest“, erklärt er. Sie glaubten daran, dass mit Ostern das Leben in die Welt zurückgekehrt sei. „Die Auferstehung Christi ist in Europa ja immer auch mit dem wieder Erwachen der Natur verknüpft“, meint der Pfarrer. Dies sei ein weiteres schönes Bild für die Auferstehung. Ich wende ein, dass von vielen Menschen und auch von den Medien und dem Einzelhandel Weihnachten weit höher bewertet werde. „Viele Menschen bedenken nun einmal ein Baby eher als das Kreuz und die Auferstehung“, erklärt Kluge, „ein Baby ist einfacher zu begreifen“. Außerdem käme es vielleicht zu einer kleinen Verschiebung. „Sehen Sie, ein Kreis hat nur einen Mittelpunkt, aber wenn man sich eine Ellipse vorstellt, sind zwei Punkte möglich. Diese zwei Punkte sind Weihnachten und Ostern. Und Außerdem – ohne Weihnachten kein Ostern!

Zu diesem höchsten Feiertag sind die Geistlichen naturgemäß sehr beschäftigt. Aus diesem Grund treffe ich mich mit dem 58-jährigen schon am Mittwoch, denn ab Gründonnerstag sind die vier Kollegen der St. Nikolaikirche im Dauereinsatz. Am Gründonnerstag, dessen Name übrigens weniger von Grün als vom greinen im Hinblick auf die Kreuzigung Christi herrührt, findet in der Petruskirche in der Grunewaldstraße die Fußwaschung statt. In der St. Nikolaikirche kommt es dann zur Einsetzung des Abendmahls, die Orgel spielt zum letzten mal und der Altar wird leergeräumt. Am Karfreitag gedenken die Gläubigen dann dem Leiden und Sterben Jesu in einer Andacht zur Sterbestunde. Der Samstag vor Ostern heißt in der Kirche Karsamstag und nicht wie weit verbreitet Ostersamstag.“Die Kirchenwoche beginnt ja auch am Sonntag“, erklärt Kluge. In der Nacht des Karsamstages beginne dann der Ostersonntag. In der St. Nikolaikirche morgens um fünf Uhr dreißig. Die Osterkerze wird entzündet und in die Kirche getragen, wo dann das Osterlicht der Auferstehung an die Gemeinde weitergereicht wird. Während dieses Gottesdienstes werden außerdem drei junge Menschen getauft. Später wird im Gemeindesaal am Reformationsplatz 8 zum Osterfrühstück eingeladen. So findet Ostern in der Kirche statt. Doch außerhalb wird das Fest oft von Medien und Einzelhandel hoch gepusht. Geschenke zu Ostern, möglichst groß und teuer. Süßigkeiten schon Wochen vorher in den Läden. Was meint Pfarrer Jörg Kluge dazu?

St. Nikolai in der Altstadt Spandau ist auch ohne Gottesdienst einen Besuch wert.

St. Nikolai in der Altstadt Spandau ist auch ohne Gottesdienst einen Besuch wert.

Ich habe nichts gegen das Schenken, Freude bereiten“, sagt er, „aber es ist ausgeufert“. Die Menschen seien „entkirchlicht“, das Schenken oft eine Ersatzhandlung. Auch die Fastenzeit, also die sieben Wochen vor Ostern, finden oft Bedeutung außerhalb der Kirche. Großer Popularität erfreut sich im Moment das Fasten als Event. Kliniken, Klöster und sogar Reiterhöfe laden heutzutage zum Fasten ein.“ Der Gedanke ist ja eigentlich, in der Passions- und Leidenszeit ein Stück weit anders zu leben“, meint Kluge dazu. Eigentlich finde er diese Kuren gar nicht schlecht. Das Fasten gleiche ja auch einem Frühjahrsputz. „In meiner Kindheit gab es noch kein Linoleum“, erzählt er, „ zu Beginn des Frühlings wurden die Teppiche ausgeklopft“. Eine Art inneres Teppichausklopfen sei das Fasten. Eine innere Bilanz mit Frühjahrsputz. „Auf etwas zu verzichten, was man gerne mag, kann einen weiterbringen, das ist nicht nur Mode.“ Außerdem sei es auch noch gesund in unserer Zeit, in der die Volkskrankheit Übergewicht oft auch Folgekrankheiten nach sich ziehe. Er selbst leide jedoch weniger an Übergewicht. Als Feuerwehrseelsorger ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Das hält Fit. „Mein Dienstrang ist Oberbrandmeister“, erzählt er stolz.

Wer also am Ostersonntag wieder einmal eine Kirche besuchen möchte – Jörg Kluge wird sich sicherlich freuen. Und – einer US -Studie zufolge leben Kirchgänger 7 Jahre länger.

Kirsten Stamer


Zu finden unter: Kirchen

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