Qualitätsarbeit bei Schuhmachermeister Krause in der Wilhelmstadt

Schuh-Werkstatt seit einem halben Jahrhundert in der Pichelsdorfer Straße

Wer in das Schaufenster der Schuh-Werkstatt in der Pichelsdorfer Straße blickt, fühlt sich um einige Jahrzehnte zurückversetzt.

Schuhmachermeister Krause in seiner Werkstatt

Schuhmachermeister Krause in seiner Werkstatt

Eine alte handbetriebene Nähmaschine, ein dreibeiniger Schemel, auf dem man sich unwillkürlich eine Melkerin vorstellt, und Schuhe und Stiefel aus allen Epochen laden zum verweilen und anschauen ein. Dass im Schaufenster so viele alte Dinge versammelt sind, liegt nicht an einer verborgenen Sammelwut des Inhabers Norbert Krause; die Schuhwerkstatt gibt es schon so lange. „In diesem Jahr sind wir seit einem halben Jahrhundert in diesem Geschäft“, erzählt mir Schuhmachermeister Krause. Die Schuh-Werkstatt besteht sogar schon seit 1940, aber erst seit 1961 in der Pichelsdorfer Straße 71. Seit 1972 führt Krause die von seinem Vater übernommene Werkstatt in Eigenregie.

Der Meister- und Innungsbetrieb wird geführt von Inhaber Norbert Krause und seiner Frau, außerdem beschäftigt er eine Stepperin, Sylvia Landes und einen Gesellen. Und auch die Angestellten sind der Schuh-Werkstatt schon lange treu; 35 und 15 Jahre arbeiten Sie mittlerweile für die Krauses.

Nur hochwertige Materialien

Stepperin Sylvia Landes arbeitet an einer Handtasche

Stepperin Sylvia Landes arbeitet an einer Handtasche

„Das besondere an unserem Betrieb ist die Verarbeitung hochwertiger Materialien“, erklärt Norbert Krause. Das Leder komme von einem Altgerber in Trier, das beste im Lande. „Altgerberbetriebe gibt es nur noch zwei in Deutschland“, bedauert er. Mit dem alten Gerbeverfahren brauche die Kuhhaut ein Jahr um zu reifen. Das mache dann aber auch die Qualität des Leders aus. Leder hat verschiedene Schichten, wobei diejenige die dem Fell am nächsten liegt die beste ist. „Was heute unter vielen Schuhen klebt ist nahe an Pappe“, bemängelt der Schuhmachermeister. Auch an Gummiprodukten, für Absätze oder die Sohlen von Wanderstiefeln, wird nur das beste verarbeitet. Die Materialien kommen von Conti oder Vibram.

Die hochwertigen Materialien und die exakte Arbeit wissen seit Jahren auch die teuren Schuhgeschäfte am Kudamm zu schätzen. „Wenn die Stiefel 1000 Euro kosten und einmal eine Reparatur oder Änderung anfällt überlassen die ihr Schuhwerk nicht jedem“, erzählt Krause stolz. Da sei Vertrauen gefragt und das habe man sich in vielen Jahrzehnten verdient. Das brachte dem Schuhmachermeister sogar schon einen Beitrag im rbb Format „gleich nebenan“.

Die Stiefelblöcke zur Schaftweitung sind heute auch nicht mehr Standard in den Schuh-Werkstätten. „Es kommen Kunden zu uns, denen hat man gesagt, das geht nicht“. In Wirklichkeit ginge aber vieles. „Man muss das nur richtig besprechen“, und im Zweifelsfall auch nein sagen können: „zur Beratung gehört eben auch das Abraten“, so Krause. Die tägliche Arbeit am Kunden ist es, was dem Meister an seinem Beruf viel Spaß macht. Sich für Probleme Zeit zu nehmen und ein gutes Beratungsgespräch zu führen, werde von den Kunden sehr honoriert. „Das Vertrauen ist hier über Jahrzehnte gewachsen“, erklärt er.


Erneuerungen nach Muster oder Zeichnungen

Aber auch in der praktischen Arbeit wird Norbert Krause und seinem Team nie langweilig. „Manchmal gleicht unsere Arbeit eher einer Restauration als einer Reparatur“, sagt er. Die Kunden fänden auf Trödelmärkten alte Koffer oder Ledertaschen,

Schuhmachermeister Krause mit den teueren Stiefeln einer Kundin

Schuhmachermeister Krause mit den teuren Stiefeln einer Kundin

die kaputten oder fehlenden Teile werden dann nach Muster oder Zeichnung erneuert. Auch hochwertige Ledergürtel werden hier nach Kundenwunsch hergestellt. Das Leder für die Gürtel besteht aus einem Nackenstück des Rindes. Hinten im Lager hat Krause außerdem noch verschiedene Leder für alle möglichen Anlässe parat. Vom dicken Stück aus einem Bullennacken, bis zum dünnen Kalbsleder.

Nur den ganzen Schuh fertigt er heute nicht mehr für die Kunden an. Die an seinen eigenen Füßen sind aber selbst gemacht. „So ein Schuh kostet nach der Arbeit mit dem Vermessen, dem Anfertigen der Leisten, der Schäfte und allem etwa 1500 bis 2000 Euro“. Das ist viel Arbeit und außerdem sei kaum jemand bereit so viel Geld zu zahlen.

Trotzdem gehört der Betrieb zu den Urgesteinen der Wilhelmstadt. „Wir haben einige aus unserer Branche kommen und gehen sehen“, meint Krause. Die Schuh-Werkstatt ist jedoch geblieben. „Wir sind eben ein bisschen anders“.

Schuh-Werkstatt

Norbert Krause, Schuhmachermeister

Pichelsdorfer Straße 71

TEl: 030/3616835

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 8-18 Uhr, Samstags: 8-13 Uhr

Kirsten Stamer


Zu finden unter: NewsShoppingShopping & Gastro

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