Sanfte Riesen in Tiefwerder

Wasserbüffel als Rasenmäher im Landschaftsschutzgebiet

Wasserbüffel in Tiefwerder

„Asiens Rinder weiden nicht mehr nur an Chinas Reisterrassen“ beginnt die rbb Abendschau ihren Bericht über die neuen Bewohner der Tiefwerder Wiesen in Spandau.

Um 12.32 Uhr betrat der Leitbulle vorsichtig sein neues 14 Hektar großes Reich. Erst langsam, dann sehr schnell folgten die anderen 6 Tiere. Kurz zuvor hatten Carsten Röding (Baustadtrat), in Vertretung für das Bezirksamt Spandau, Henning Molz für die Untere Naturschutzbehörde und Hans Joachim Ernst vom Landschaftspflegeverband Spandau den Vertrag über die Pflege der Wiesenflächen durch die Wasserbüffel im Landschaftsschutzgebiet Tiefwerder Wiesen unterschrieben.

Doch beginnen wir am Anfang. Die Tiefwerder Wiesen sind ein Landschaftsschutzgebiet zwischen Heerstraße und Havelchaussee in der Spandauer Wilhelmstadt. Zehntausende Autofahrer fahren tagtäglich an den Schönheiten dieser Landschaft vorbei. Einzig die 30er-Zone an der Freybrücke nahe dabei wird als Hemmschuh empfunden, weil hier auf die Bremse getreten werden muss. Bald soll diese Brücke durch einen Neubau ersetzt werden.


Vor sehr langer Zeit war hier einmal eine Auenlandschaft. Übrig geblieben ist eine weitläufige feuchte Wiesenlandschaft, die von schmalen Wasserarmen durchzogen ist. Klein-Venedig, eine seit über 70 Jahren existierende Kleingartenkolonie besiedelt die Ufer der Havel-Altarme.

Carsten Röding, Henning Molz und Hans-Joachim Ernst unterschreiben den Landschaftspflegevertrag.

Carsten Röding, Henning Molz und Hans-Joachim Ernst unterschreiben den Landschaftspflegevertrag.

Seit einigen Jahren führt ein Bohlensteg Spaziergänger und Radfahrer trockenen Fußes durch das Wiesenareal. In diesem werden sich nun, gesichert durch einen 10.000 Euro teuren Elektrozaun sieben Wasserbüffel als biologische Rasenmäher betätigen. „Vorsicht freilaufender Bulle – Lebensgefahr“ steht auf kleinen Warnschildern am Zaun.

„Hilfe, die Büffel kommen! Sie kommen aus Asien, suhlen sich gerne ausgiebig in Wasserlöchern und röhren ganz furchterregend: asiatische Wasserbüffel.“ Schreibt der Berliner Kurier und schürt damit völlig ungerechtfertigt Angst vor den sanften Riesen. Bis zu einer Tonne schwer können Wildtiere werden, die domestizierten bringen es gerade einmal auf 500 Kilogramm.

Weil sie bessere Futterverwerter sind, als normale Rinder und gut mit der feuchten Umgebung umgehen können, sind sie die idealen Vierbeiner, um die Wiesenflächen kurz zu halten und durch den Verbiss wuchernder Weiden eine offene Graslandschaft zu schaffen, in der – hoffentlich – bald viele Bodenbrüter und Kleinsäuger ihr Zuhause finden.

Viele Jahre Überlegungen, Planungen und Gespräche waren notwendig, um in den Tiefwerder Wiesen asiatische Wasserbüffel anzusiedeln. Nach drei Jahren werden die Rinder dann als wohlschmeckendes Biofleisch enden. Cholesterin- und fettarm dürfte es ein begehrtes Produkt sein, so wie es auch anderswo in Brandenburg verzehrt wird.

Ein Hundebesitzer mit zwei nicht angeleinten Hunden möchte, dass diese fremden Tiere möglichst schnell verschwinden: „Am besten abschießen – alle …“.

Carsten Röding teilt diese Ansicht nicht: „Positiven Zuzug haben wir immer gerne in Spandau“, argumentiert er gegenüber der Abendschau.

Die Meinungen sind geteilt. Viele Spaziergänger reagieren erfreut über die Neuankömmlinge von einen Biolandbetrieb in Fahrland, die über den Winter abgeholt werden. Dann sind auch die Tore des Zauns offen, um Anwohnern weiterhin das Schlittschuhlaufen auf den Wasserflächen zu ermöglichen. Im Sommer haben die Vierbeiner hier das Hausrecht …

Etwas anders sieht dies Helmuth Klatt von der Interessenvertretung der Freunde Klein-Venedigs. Seine Erfahrungen mit dem Bezirksamt waren nicht so positiv: Vor Jahren verließen viele Pächter auf Druck des Bezirksamtes ihre Gärten. Ein Gericht nannte dieses Vorgehen später verfassungswidrig. Millionen wurden im wahrsten Sinne des Wortes „versenkt“ um eine Insel zu schaffen, die kurz danach versunken ist. Nur ein Schild „Betreten verboten“ zeugt noch von diesem gescheiterten Versuch. Die Bewohner haben also kein Vertrauen in die Ansiedlungsmaßnahmen, auch wenn nicht alle von ihnen die neuen Nachbarn ablehnen. Sie fühlen sich ausgegrenzt.

Ein anderer Grund ist die bange Vorstellung von Heerscharen von Besuchern, die hier ihren Müll hinterlassen. Schon jetzt beseitigen die Anwohner in kleineren Aktionen immer wieder die Hinterlassenschaften der Besucher.

Ralf Salecker



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