Schuhreparatur in der Havelstraße

Jan Laube legt seine Schuhe nicht aus der Hand

Jan Laube legt seine Schuhe nicht aus der Hand

Jan Laube repariert jeden Schuh

„Schuhreparatur“ steht in schöner altmodischer Schrift über dem kleinen Laden in der Havelstraße. „Eigentlich heißt es Schuhexpress Altstadt Spandau“, stellt Schuhmacher Jan Laube fest, „aber wen stört das?“ Er passt einen neuen Absatz an. Seit 2002 arbeitete er in dem Geschäft, im Mai 2003 übernahm er es von seinem Vorgänger. Ganz allein sitzt er nun den ganzen Tag in dem kleinen Raum. Ob das nicht langweilig wird? „Nein“, versichert Jan „ist doch immer was los, Kunden gehen rein und raus, das Telefon klingelt“. Wie zur Bestätigung tut es das auch. „Ja, ja ich weiß, hab gerade keine Zeit, ich ruf dich zurück ja?“, vertröstet er den Anrufer. Hauptsächlich mit abgelaufenen Absätzen und Sohlen hat der 30-jährige es hier jeden Tag zu tun. Aber auch alles andere am Schuh kann repariert werden. „Manchmal hängen die Leute an Schuhen, an denen würde ich nichts mehr machen. Aber wenn sie nun mal so gut passen“, meint der Schuhmacher. Hin und wieder werde dann fast ein neuer Schuh draus – macht nichts. Eine Dame kommt herein. „Ich würde gern meine Schuhe weiten lassen.“ – „Kein Problem, dann zieh ich den Ballen etwas raus, beide gleichmäßig oder unterschiedlich?“ Die Dame überlegt und entscheidet sich, am linken Fuß etwas mehr Platz zu brauchen. „Am Mittwoch können Sie sie wieder abholen.“

Dutzende Schuhe warten auf ihre Abholung

Dutzende Schuhe warten auf ihre Abholung

Neben diesem Tagesgeschäft könnte er ja eigentlich auch selbst Schuhe machen. Bei Maßanfertigungen schrecken jedoch viele vor dem Preis zurück. „So ab 1000 € fängt das dann an und die meisten erkundigen sich und kommen nie wieder“, erzählt Jan Laube. Außerdem sei es gar nicht so einfach, Firmen für die verschiedenen Teile zu finden, denn um alles selbst zu machen, ist die Zeit dann doch zu knapp. Im Moment kämen nämlich wieder mehr Kunden um ihre Schuhe reparieren zu lassen. Eine Aussage, die mich sehr verblüfft, sah ich doch die Zunft der Schuhmacher nach einem Fernsehbericht auf dem absteigenden Ast. „Nein“, meint er „ früher waren es eher ältere Leute, die ihre Schuhe noch mal reparieren lassen haben, aber heute ist die Kundenschicht ziemlich gut gemischt.“

Ob er noch einen Tipp habe für den Schuhkauf, so als Fachmann? „Das kann man heutzutage ganz schlecht beurteilen. Früher konnte man das noch am Preis oder an der Firma fest machen.“ Heute könne man das nicht mehr. „Man kann sagen bei der oder der Marke ist die Gefahr gering, dass es schlechte Schuhe sind, mehr aber auch nicht.“ Er überlegt und schneidet mit einem scharfen Messer die Kanten eines neuen Absatzes zurecht. „Leder sollte es schon sein“, meint er dann. Da könne man sich heute auch nicht mehr so sicher sein, dass es das wirklich ist – auch wenn es draufsteht. Bei Gürteln sei das oft so.

Hinter der Theke ist alles voll gekleckst mit Kleber. „Das sieht heute doch gut aus, da kann auch mal ein Berg sein, feixt er. Den Schriftzug „Wir reparieren – Sie können warten“, wollte sogar schon sein Vorgänger abnehmen. Aber es gibt ja eine kleine Sitzecke. „Ja, also Sie müssen nur Zeit mitbringen, so drei Tage“, lacht er „dann bin ich fertig.“ Auch mit Sonderwünschen oder orthopädischen Zurichtungen, „was nicht da ist, wird eben bestellt.“

Kirsten Stamer



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