Sind wir denn alle Jecken?

Seit gestern steht der Westen der Republik wieder still: Es ist Karneval. Doch auch in Berlin und Spandau werden diese und andere Traditionen übernommen

Bis zur Wiedervereinigung war Berlin innerhalb als auch nach außen durch die Mauer getrennt. Die DDR bezeichnete sie als kapitalistischen Schutzwall. Doch schützte diese Berlin vielleicht auch vor Traditionen und Bräuchen wie Oktoberfest, Halloween und eben Karneval? Denn was haben wir als Bundesland mit den wenigsten Feiertagen an eigenen Festen hervorgebracht? Früher gab es die Volksfeste deutsch-amerikanisches und deutsch-französisches als Zeichen der Verbundenheit mit den Alliierten. Dennoch sind Berliner kreativ – wie unsere eigene „Erfindung“ des Karnevals der Kulturen zeigt – und können überzeugend kopieren wobei wir vielleicht manchmal sogar das Original übertreffen. Wie Besucher im Rahmen der Berliner Wiesn erzählten, die das Münchner Oktoberfest als zu überlaufen empfinden.

Auch in Spandau wird es wieder närrisch.

Auch in Spandau wird es wieder närrisch. Foto: derausdo_clipdealer.de

Festumzug am Kudamm

Durch den Zuzug vieler Rheinländer im Zusammenhang mit dem Regierungswechsel von Bonn nach Berlin war es nur eine Frage der Zeit, dass auch deren Traditionen fortgeführt werden sollten. Wobei es Spandau bereits sogar seit 1985 sogar einen eigenen Karnevalsverein hat, der jährlich das Rathaus stürmt. Letzten Sonntag nahm dieser auch wieder am großen Karnevalsumzug am Kudamm teil. Eine Woche vor den traditionellen Karnevalsumzügen, deutlich kleiner und eher als Versuch anzusehen, den Kölner Dom per Hand nach Berlin zu ziehen. Wer wirklich erfahren will was die Faszination „der fünften Jahreszeit“ ausmacht, muss daher wohl doch weiterhin ins Rheinland.

Berlin wird auch weiterhin nicht zu den Karnevalshochburgen gehören.

Berlin wird auch weiterhin nicht zu den Karnevalshochburgen gehören. Foto: clipdealer.de

Brauhaus machte den Anfang

Sei es, wie es ist. Spandauer und Berliner feiern halt gerne und dafür kupfern wir auch woanders ab. Gestern machte das Brauhaus traditionell den Anfang der Spandauer Narrenzeit mit der Altweiberfastnacht. Samstag folgt dort dann eine Faschingsparty. Ebenso kann kostümiert bis in die Morgenstunden aber auch wieder im Plan B (Wilhelmstraße 144), Gänsemarkt (Plantage 1), im Meilenstein (Am Juliusturm 104) und vielen weiteren Bars gefeiert werden. Und so bald wir Thanksgiving und Truthahnessen haben – was bei uns bislang nur geringfügig als Erntedankfest bekannt ist – gibt es eigentlich keine Tradition oder Brauch den wir hier nicht auch zelebrieren würden. Allerdings kann man sich dabei nicht verkleiden. Wahrscheinlich gilt für Berlin auch einzig und allein der Grundsatz: Man soll die Feste feiern wie sie fallen.

Patrick Rein


Zu finden unter: FeaturedGastroNews

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