Blutspendebus macht Station vor dem Rathaus Spandau

Spenden für den guten Zweck

Regina Grabowski ist heute die "gute Fee" des Blutspendebusses

Regina Grabowski ist heute die "gute Fee" des Blutspendebusses

„Wenn jeder dem anderen helfen wollte, wäre allen geholfen.“ Dieses Zitat der Marie von Ebner-Eschenbach ziert die Serviette des Roten Keuzes im Berliner Blutspendebus, der in der Spandauer Altstadt Station machte. Blutspendedienst Ost, steht noch darauf und auf der Rückseite „Guten Appetit“. Den hat man auch, denn Regina Grabowski zaubert auf die Brötchen die schönsten Garnierungen. „Sonst isst ja keiner Obst und Gemüse, wenn das nicht auf den Brötchen drauf ist“, meint sie. „Bedienen Sie sich, was darf es zu trinken sein?“, fragt sie, sobald die Spender den rückwertigen Teil des Busses betreten. „Guck mal“, meint die ehrenamtliche verschwörerisch und lüftet eine Alufolie. „Das sind die Brötchen garantiert ohne Schweinefleisch. Für unsere muslimischen Mitbürger“. Sie sind genau so beeindruckend garniert. „Die dürfen nämlich auch nicht neben Brötchen mit Schweinefleisch liegen“, weiß sie. „Manche Kollegen interessiert das nicht, aber ich meine, die Leute spenden ja auch, dann sollen sie auch essen. Und ich wasche wirklich alles ab bevor ich die Brötchen mache“, sagt sie stolz. Man glaubt es ihr gern. Die gelernte Altenpflegerin ist mit Herzblut dabei, wie alle im Bus.

Alena Prätel will "einfach nur helfen"

Alena Prätel will "einfach nur helfen"

Für Alena Prätel gibt es einen ganz einfachen Grund hier zu sein. „Ich will einfach nur helfen“ sagt die junge Frau. Herr Deutschmann, die „Empfangsdame“ hatte uns einander näher gebracht. „Und wenn die Damen jetzt mal zusammenrutschen, passt der Herr auch noch daneben“, hatte er lachs gesagt. Hier im Bus ist nicht viel Platz, alles läuft auf kleinstem Raum. Im kleinen Empfangszimmer sitzen fünf Leute dicht an dicht. Nach einer Untersuchung des Blutes auf den Hämoglobienwert und Fiebermessen im Ohr bei Herrn Deutschmann, geht es weiter in das Zimmer rechts der Eingangstür. Der Arzt wartet auf die Spender. Blutdruckmessen, ein kleines Gespräch „fühlen sie sich Gesund?“, „nach der Spende viel essen und trinken“, weiter geht’s. Nun noch einen Codeaufkleber auswählen, darf mein Blut verwendet werden oder nicht? Und schon werden die drei Blutbeutel und drei Röhrchen beklebt. Er ließt, von wo ich komme. „Niedersachsen, da spenden ja auch viel mehr“, schwärmt er. Hier sind die Leute nicht so fleißig, „wir müssen ein drittel an Blut dazukaufen, hauptsächlich aus Niedersachsen soweit ich weiß“.

Auch sonst ist von ihm viel zu erfahren. So wird zum Beispiel jede Blutspende auf HIV und Hepatitis untersucht. Auch wenn eine entzündliche Lebererkrankung vorliegt wird der Spender benachrichtigt. Das Blut wird verarbeitet. Die weißen Blutkörperchen herausgefiltert. In einer Zentrifuge, Plasma von den verschiedenen Blutkörperchen getrennt. So bekommt jeder was er gerade braucht.

Der Blutspendebus steht jeden ersten Dienstag im Monat von 10-19 Uhr vor dem Spandauer Rathaus am Busbahnhof.

Der Blutspendebus steht jeden ersten Dienstag im Monat von 10-19 Uhr vor dem Spandauer Rathaus am Busbahnhof.

Blut kann immer noch nicht künstlich hergestellt werden und das meiste wird heutzutage für Krebspatienten benötigt. Aber auch bei Erkrankungen des Herzens oder bei Magen- und Darmkrankheiten braucht man Blut. Verkehrsunfälle kommen da erst an vierter Stelle.

Vom Doc geht es weiter in den Mittelraum des Busses zu Schwester Marita. Platz für vier Liegen bietet der kleine Spendenraum. Überall werden Codes eingelesen. An den Beuteln, meinem Handrücken, Schwester Maritas Kittel. Nicht das etwas durcheinander kommt. „Setz dich schon mal“ meint sie freundlich, also mache ich noch schnell ein Foto von Alena. „Ach du kennst das ja schon“, meint sie dann mit einem Blick auf meine Akte. Während ich dort liege, versorgt sie einen etwas ängstlich dreinblickenden Mann im Anzug. „Aber Sie spenden doch nicht das erste mal oder?“. „Nein, aber es ist schon ein wenig her“, gibt er zögerlich zur Antwort und dreht den Kopf beim einstechen der Nadel soweit wie möglich zur Seite.

“Na, ist doch schon vorbei“, beruhigt ihn Schwester Marita , „jetzt müssen sie nur noch mitpumpen“. Er bekommt einen Kautschukball in die Hand, damit ihm das öffnen und schließen derselben leichter fällt. Vierzig Spender hatten sie diesen Nachmittag schon. „Das ist viel“, meint die Schwester. „Ab 30 sind wir schon gut“. Der Bus steht jeden ersten Dienstag im Monat auf dem Platz vor dem Rathaus, direkt am Busbahnhof Spandau. Ansonsten jeden Tag woanders, aber jeden Freitag auf dem Alexanderplatz. „Die Zahl der Spender hängt auch vom Standort ab“, meint Schwester Marita, aber wir können uns mit dem breiten Bus ja nicht überall hinstellen. Sonst landet die Leiter auf dem Radweg und das findet das Ordnungsamt gar nicht gut“, lacht sie.

Nach dem Spenden geht es dann zu Regina Grabowski nach hinten. Von ihr erfahre ich , dass der Herr am Empfang auch der Fahrer des Busses ist. Ich frage nach. „Ja ich bin der Fahrer“, lacht Herr Deutschmann, „aber mit Zusatzausbildung, das kann man sich ja alles aneignen. Wir arbeiten übrigens am längsten. Wenn alle nach Hause gehen, fahren wir den Bus zurück, bringen die Konserven weg, räumen auf und bereiten alles für morgen vor, das nimmt noch etwa eine Stunde in Anspruch“. Alles in der Hoffnung das sich morgen wieder ein Paar Berliner pieksen lassen wollen . Einfach um zu helfen, wie Alena sagen würde.

Kirsten Stamer


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