Spandau: Frühling, Frischluft, Fahrradunfall

In 50 Prozent aller Fälle ist der Radfahrer schuld!

Das Wetter wird sommerlich und viele Spandauer tauschen ihr Auto wieder gegen das Fahrrad ein. Doch Berlin ist immer noch keine Fahrradstadt und so läutet der Sommer wie immer auch den Kampf zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern ein.

Auf dem Busbahnhof am Altstädter Ring kommen Radfahrer und Fußgänger sich besonders nahe.

Auf dem Busbahnhof am Altstädter Ring kommen Radfahrer und Fußgänger sich besonders nahe.

Was gut für die Umwelt ist, muss eben nicht immer gut für den Radfahrer sein. Allein im letzten Jahr wurden 7376 Verkehrsunfälle mit Radfahrerbeteiligung gezählt, wobei Spandau glücklicherweise mit Reinickendorf und Marzahn-Hellersdorf zu den Bezirken mit den geringsten Verkehrsunfallzahlen gehört. Allerdings wird weiterhin in allen Bezirken eine Zunahme der Unfälle verzeichnet. Die Sonderuntersuchung für Radfahrerverkehrsunfälle in Berlin vom Stab des Berliner Polizeipräsidenten berichtet außerdem, dass jeder fünfte Verkehrstote bei einem Verkehrsunfall mit Radfahrerbeteiligung zu beklagen ist.

Sechs Räder in zwei Wochen

Von Todesfällen hat Markus Jaster vom Spandauer Fahrradhaus in diesem Jahr Gott sei Dank noch nichts gehört, aber allein in den letzten zwei Wochen hat er mindestens sechs Unfallräder zur Reparatur bekommen. Einige hatten einen Totalschaden. Vor allem Torausfahrten an Radwegen sind für die Radfahrer sehr gefährlich. Außerdem sei es immer die Frage: Auto gegen Fahrrad oder Fahrrad gegen Auto, sagt er. „Wenn das Fahrrad gegen das Auto fährt ist es meistens recht langsam“, erklärt Jaster, „vielleicht 15 oder 20 km/h“. Da bekomme er die meisten Fahrräder wieder hin. „Denn eine Gabel, ein Vorderrad oder einen Lenker kann man austauschen.“ Anders sähe es aus, wenn das Auto in das Fahrrad kracht. „Dann ist es immer vorbei“. Meistens sei der Rahmen dann beschädigt und das Fahrrad unrettbar. Seine Kunden kamen bis jetzt immer mit einem blauen Auge davon. Er musste noch keinen im Krankenhaus besuchen.

Ein verbogenes Vorderrad

Ein verbogenes Vorderrad lässt sich noch leicht austauschen.

„Wenn man allerdings das Fahrrad dazu sieht…“, da werde ihm manchmal schlecht. Trotzdem bemerkt er keinen spürbaren Anstieg bei den Verkaufszahlen der Fahrradhelme. „Nicht einmal die Verunfallten kaufen sich danach einen“, stellt er schmunzelnd fest. „Dabei wäre es natürlich schön, wenn alle mit Helm fahren würden.“ In ganz Berlin ist jedoch eine spürbare Vermehrung der Helmträger zu verzeichnen. Vielen Radfahrern ist ein Helm allerdings immer noch zu unpraktisch. Manche fürchten auch um ihr ansehnliches Äußeres. Das dies bei einem Unfall viel eher beschädigt werden könnte, lassen wir mal dahingestellt.

Wer ist schuld?

Häufige Frage bei Radunfällen: Wer ist schuld? Sie ist nicht einfach zu beantworten. Viele Autofahrer denken nicht an den Schulterblick oder fahren gedankenlos aus Einfahrten. Oft treffen aber auch Radfahrer und Fußgänger aufeinander, wie zum Beispiel am Busbahnhof auf dem Altstädter Ring in Spandau.

Oft ist der Radweg nicht frei.

Oft ist der Radweg nicht frei.

Hier bleibt zum ein oder Aussteigen keine andere Möglichkeit, als den Radweg zu überqueren. Das Recht zum rücksichtslosen „durchklingeln“, wie häufig an diesem Busbahnhof, gibt es den Radlern allerdings nicht. Auch sonst sind leider häufig die Radfahrer in der Verantwortung. In 49,65 Prozent aller Unfälle mit Radfahrerbeteiligung in Berlin weißt die Sonderuntersuchung sie als Hauptverursacher aus. Hauptunfallursache sei die „falsche oder verbotswidrige Benutzung von Fahrbahnen und Straßenteilen. Das Befahren von Gehwegen und die Benutzung von Radwegen in falscher Richtung sind hier besonders hervorzuheben“. Auch die rote Ampel scheint für viele Radler nicht zu gelten.

Es ist also nicht einfach in der Streitfrage Auto versus Fahrrad ein Urteil zu sprechen. Was auf jeden Fall gilt: Vorsicht und Rücksicht, sowie Augenkontakt der Verkehrsteilnehmer könnten so manchen Unfall vermeiden.

Kirsten Stamer


Zu finden unter: FreizeitNews

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