Spandau zu verkaufen?

Die Berliner Wasserbetriebe wollen die Rieselfelder loswerden

Informationsveranstaltung zur Zukunft der Gatower Rieselfelder: Ulrike Sommer (SPD), Katrin Lemm (BWB), Jens Feddern (BWB), Prof. Dr.-Ing. Udo Wiesmann (Foto: Ralf Salecker)

Ganz Spandau ist natürlich nicht zu haben. Ein Stück des Kuchens steht seit einiger Zeit zur Debatte. Schon vor den Sommerferien, also Mitte Juni gelangte diese Information in die Öffentlichkeit. Damals schien sich niemand so recht dafür zu interessieren.

Nun sieht es ein wenig anders aus. Die Medien berichten über den möglichen Verkauf der Spandauer Rieselfelder an den Gastronomen Langner. Rund 3 Millionen Quadratmeter Grund und Boden sollen den Besitzer wechseln. Damit würden 3 Prozent der Fläche Spandaus in private Hände gelangen. Das entspricht 420 Fußballfeldern nach FIFA-Norm oder der Fläche des Tiergartens.

Widerstand regt sich

Ein kleiner Sturm der Entrüstung beginnt sich zu regen. Bauern, die Angst um ihre gepachteten Felder haben, fürchten um ihre Existenz. Naherholungssuchende sehen schon Häuser auf den Rieselfeldern entstehen. Nutzer, Anwohner und Naturliebhaber sind erbost darüber, nicht vorher über den Verkauf informiert worden zu sein.

In Gatow wird es am 3. September einen runden Tisch zu diesem Thema geben. Bürgerinitiativen, Anwohner, Nutzer und Vereine wollen öffentlich diskutieren. Veranstaltungsort ist das Restaurant Casa Italiana in Gatow (Alt Gatow 1-3). Um 19 Uhr geht es los. Schon einmal kamen hier viele Interessierte zusammen, als es um die Zukunft der Rieselfelder ging. Wird diesmal wieder ein Vertreter der Berliner Wasserbetriebe dabei sein und sich den Fragen stellen?

Das Klo der Stadt für ein paar Millionen Euro

Charlottenburg erwarb das Gelände Ende des 19. Jahrhunderts um hier Rieselflächen zu schaffen. Mehr als 100 Jahre wurden hier die Abwässer aus der Kanalisation verrieselt. Schwermetalle und organische Verbindungen im Boden bilden ein schwer berechenbares Problem. Erstaunlich, dass sich jemand fand, der dieses Gelände erwerben wollte.

Die Berliner Wasserbetriebe haben sich diese gute Gelegenheit offenbar nicht entgehen lassen wollen, einen Kostenfaktor loszuwerden. Eine halbe Million Euro sollen jährlich angefallen sein. Wenig glaubwürdig scheint die Erklärung der Berliner Wasserbetriebe, so die Wasserpreise stabil halten zu wollen. In Berlin werden mit die höchsten Wasserpreise gezahlt. Die Preise sind derart hoch, dass vor einiger Zeit das Bundeskartellamt meinte einschreiten zu müssen.

Der Fraktionschef der Spandauer Piraten, Emilio Paolini, stellte folgenden Fragen:

  • Wieso darf ein mehrheitlich landeseigener Betrieb wie die Berliner Wasserwerke überhaupt „mal eben“ ca. 3% der Fläche von Spandau verkaufen, ohne Ausschreibung und Bieterverfahren?
  • Wo bleibt die Bürgerbeteiligung?
  • Wer führt die Geschäfte der Wasserbetriebe und hat den Hut auf für solche Entscheidungen?
  • Wie wirken sich solche (und andere) spekulativen Geschäfte auf die Wasserpreise aus und wie auf die geplante Rekommunalisierung der Wasserbetriebe?
  • Wo bleibt das für Februar 2012 angekündigte Nachnutzungskonzept der BWB?

Ralf Salecker


Zu finden unter: NewsOrtsteile

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