Spandauer Bürger haben Anspruch auf Fort- und Weiterbildung

Bildung kostet immer Geld – aber sie darf daran nicht scheitern

Jürgen Mularzyk (Musikschule), Heike Schmidt (Stadtbibliothek), Marion Altendorf (Volkshochschule), Gerhard Hanke (Bildungsstadtrat)

„Fort- und Weiterbildung sind ein Anspruch den alle Bürger haben. Der Staat muss es sich leisten wollen und können, diesen Anspruch zu gewährleisten.“ So Gerhard Hanke, Bildungsstadtrat in Spandau bei einer Pressekonferenz.
Eine beruhigende Aussage. Schließlich kann niemand den Blick vor der finanziellen Situation des Landes Berlin und des Bezirks Spandaus verschließen. Der außerschulische Bildungsbereich, so könnte man meinen, ist ein vernachlässigenswerter Sektor und gehört in keinem Fall zu den Pflichtaufgaben des Staates.
Bei näherem Hinsehen wird klar, dieser Gedanke trügt. Was gehört in diesen Außerschulischen Bereich? Stadtbibliothek, Musikschule und Volkshochschule sind weit mehr, als bloße Freizeitmöglichkeiten. Nicht „nur“ als rein kulturelles Angebot sind alle drei von großer Bedeutung.  Sie bieten eine Leistung, die dort ergänzt, wo die reguläre Schule an ihre Grenzen stößt.

Spandauer Bibliotheken
Der Bezirk leistet sich 9 Bibliotheken. Von denen wird die Hauptbibliothek in der Altstadt von mehr Besuchern genutzt, als alle anderen zusammen, obwohl hier in der Summe weniger Medieneinheiten (Bücher, DVD´s usw.) vorliegen als in den Filialen. Jeder Spandauer lieh sich bei seinen 2,5 Besuchen im Jahr 2010 durchschnittlich 5 Medien aus. In Zahlen bedeutet dies, 290.000 Besucher liehen sich alleine in der Hauptbibliothek fast 800.000 Medien aus.
Mit bescheidenen 65 Cent pro Einwohner sind die Neuerwerbungen zu bestreiten. Das ist sehr wenig Geld. Der Berliner Schnitt liegt bei 1,08 Euro. Insgesamt ging der Bücherbestand um rund 20 Prozent zurück, weil nicht genügend Geld zur Verfügung steht, um alle gewünschten Neuanschaffungen zu tätigen und abgenutzte Exemplare zu ersetzen. Immerhin ermöglichen Projektmittel für problematische Quartiere in den dortigen Filialen einige zusätzlichen Ankäufe.
Den Anforderungen der Zeit stellen sich Spandaus Bibliotheken, indem sie die Bestände stetig um digitale Medien, aber auch um solche für die Generation 50Plus erweitern. Mit vielfältigen Aktionen werden Kinder und Jugendliche schon frühzeitig für das Lesen begeistert. Dem hohen Anteil von Einwohner mit Migrationsanteil in Spandau wird Rechnung getragen, indem in Zukunft mehr angepasste Medien in den Bestand aufgenommen werden. Frei nach dem Motto, „die Menschen da abholen, wo sie sind“, so die Leiterin der Stadtbibliothek, Heike Schmidt. Dafür gibt es sogar Geld von der EU, nämlich 150.000 Euro.

Volkshochschule
In Spandau bilden sich weniger Menschen weiter, als es in anderen Berliner Bezirken der Fall ist. Dafür gibt es mehr, die über keinen Schulabschluss verfügen. Am zu geringen Angebot der VHS kann es nicht liegen. Vielfältige Kooperationen ermöglichen auch in Zeiten knapper Kassen ein vielfältiges Angebot, welches sich an alle Generationen und gesellschaftlichen Gruppen richtet. Schulabschlüsse können hier nachgeholt, berufliche hilfreiche Fortbildungen getätigt, aber eben auch Wanderungen durch die Natur durchgeführt werden.
Die Volkshochschule nimmt trotz klammer Kassen ihre im Schulgesetz betonten Aufgabe als Grundversorgung der Weiterbildung äußerst ernst.
Weitere Einsparungen sind nicht zu vertreten. Es macht macht wenig Sinn das Angebot zu verringern, während die Grundkosten (Miete, …) gleich bleiben oder gar steigen. Die Zusammenlegung aller Schulungsräume in einen Bildungscampus sollen gerade diese Fixkosten senken. Ob die Räumlichkeiten in der Kirchgasse aufgegeben werden, um dies zu erreichen, ist noch in der Diskussion. Bildung kostet immer Geld – aber sie darf daran nicht scheitern.

Musikschule
Ähnlich, wie die Stadtbibliothek sich mit Lesungen an ein neugieriges Publikum wendet, richtet sich die Musikschule mit einem bunten Konzertprogramm immer wieder an die Öffentlichkeit, um auf die große musikalische Vielfalt der Musikgruppen von Klassik bis Pop hinzuweisen. 90 Veranstaltungen waren es im letzten Jahr, besucht von rund 9400 begeisterten Zuhörern. Besonders stolz ist die Musikschule auf die Doppel-CD vom Musikschulfest aus dem letzten Jahr.
Das Interesse an Musik muss möglichst früh geweckt und langfristig gefördert werden. Darum wurde die Zusammenarbeit mit den Spandauer Schulen in Form von Schnupperkursen, Gruppenunterricht und Bandklassen noch einmal intensiviert.
Um die Qualität des Musikschulunterrichts zu halten darf hier nicht am falschen Ende gespart werden. Anspruchsvoller Unterricht funktioniert nur in überschaubaren Gruppengrößen. Eine Preissteigerung bei den Kursangeboten würde viele sicherlich abschrecken. Sie muss, wenn sie denn stattfinden sollte, sozialverträglich sein, um wirklich jedem die Chance zu musikalischer Bildung zu geben.
Am Instrumenteninfotag, dem 7. Mai von 11 bis 13 Uhr, können Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren die unterschiedlichsten Musikinstrumente der Musikschule in der Moritzstraße 17 ausprobieren.
Krönung des Jahres ist das traditionelle Frühlingsfest am 21. Mai auf der Zitadelle. 500 Musiker und Tänzer präsentieren die Ergebnisse ihrer Arbeit.

Ralf Salecker


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Zu finden unter: Freizeit & SportVHS

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  1. Salzmann, Erhard sagt:

    Hallo.
    suche Antrag für Wirbelsäulengymnastik! Unter welchem “Link” versteckt er sich.
    Danke

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