Sterne schauen von Spandaus Mount-Palomar, dem Hahneberg

Grundlagen der Astronomie in der alten Zollstation erlernen

Bruno H. Bürgel Sternwarte

Bruno H. Bürgel Sternwarte

Tausende Autofahrer passieren täglich die Bruno H. Bürgel Sternwarte und ahnen trotzdem nicht, was ihnen hier entgeht. Das einstige Zollhaus am ehemaligen Grenzkontrollpunkt Staaken ruht einem Fixstern gleich im Gewusel des vorbeirasenden Verkehrs. Fast unattraktiv erscheint der Ort, an dem hier in Spandau seit vielen Jahren ernsthaft Astronomie betrieben wird. In direkter Nachbarschaft zum Arbeitskreis Spandauer Künstler wird hier mit viel Engagement einem scheinbar exotischen Hobby nachgegangen.

Aus einfachen Handwerkerverhältnissen entwickelte Bruno Bürgel (*1875 – 1948) sich als Autodidakt zu einem bekannten Wissenschaftspublizisten mit einer großen Leidenschaft für die Astronomie. Er sagte einmal: „Und wäre der Mensch im praktischen Denken noch so weit vorgeschritten, er wäre seiner Kultur unwürdig, wenn er nichts über die Rätsel zu sagen wüsste, die ihm allabendlich das gestirnte Firmament aufgibt. Wer nie seine Augen zum Sternhimmel richtete, sei es aus Bewunderung oder aus Wissbegierde, dem fehlt ein wichtiges Glied in der Kette, die ihn mit seiner Umwelt verbindet.“

Die Volkssternwarte macht ihrem Namensgeber alle Ehre. Hier wird keine unverständliche Forschung hinter verschlossenen Türen betrieben.

Günter Mekas, der Leiter der Sternwarte, hat sich schon als Kind intensiv mit den Sternen beschäftigt. Mit einfachen Mitteln baute er damals sein erstes Linsenteleskop. Im April 1982 gründete der Vermessungsingenieur den Verein, der im nächsten Jahr 30 Jahre alt sein wird. In den Räumen an der Heerstraße 531 finden regelmäßig Vorträge und Volkshochschulkurse zu astronomischen Themen statt. Renommierte Wissenschaftler z. B. vom Astrophysikalischen Institut Potsdam, dem Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt und der drei Berliner Universitäten referieren hier ebenso, wie Amateure, die sich ernsthaft diesem Hobby widmen. Die Praxis wird dabei nicht aus den Augen verloren. In Workshops wird in den Werkstatträumen an der Qualitätsverbesserung der eigenen Teleskope gearbeitet. Eine umfangreiche Bibliothek lässt kaum Fragen offen.

1989 errichteten die Vereinsmitglieder mit umgerechnet 75.000 Euro aus Lottomitteln eine eigene Sternwarte auf dem 85 Meter hohen Hahneberg. Manch einer mag die Randlage als unpraktisch empfinden. Für die Astronomen ist sie von großem Vorteil. In der Stadtrandlage stört das Licht der Großstadt, die „Lichtverschmutzung“, deutlich weniger die Beobachtung der Sterne, als es bei den Sternwarten in der Innenstadt der Fall ist.

Bruno H. Bürgel Sternwarte - Zollhaus

Bruno H. Bürgel Sternwarte - Zollhaus

Im Juni 2005 stellte der Verein sein 61cm-Spiegelteleskop fertig. 500 Arbeitsstunden stecken in dem 20.000 Euro teuren Prunkstück. Mit Berlins größtem Spiegelteleskop lassen sich optische Himmelsbeobachtungen in hoher Qualität durchführen. Inzwischen verfügt der Verein sogar über ein kleines Radioteleskop.

Vor kurzem wurde die Sternwarte Opfer eines Einbruchs – die gestohlenen Spezialgeräte sind praktisch unverkäuflich. Der Verdacht liegt nahe, dass ein Verkauf nicht beabsichtigt ist …

Rund 6300 Besucher kommen jedes Jahr in die Sternwarte um einfach nur zu schauen, an Vorträgen teilzunehmen oder die Bibliothek zu nutzen. Da der Anteil der Schülergruppen stetig zunimmt hat der Verein eine institutionelle Förderung beim Senat von Berlin beantragt, da diese Tätigkeit durch ehrenamtliche Kräfte allein nicht mehr zu stemmen ist.

In einem Schreiben hat die Senatsverwaltung die außerordentlich hohe Qualität der ehrenamtlichen Bildungsarbeit der Bruno-H.-Bürgel-Sternwarte bestätigt. Leider sieht sie sich wegen der finanziellen Situation Berlins derzeit nicht in der Lage das Bürgerschaftliche Engagement intensiver zu unterstützen. Ferner meint sie: „Angesichts der bestehenden guten Angebotssituation im Bereich der Astronomie sei die institutionelle Förderung einer weiteren Institution auf dem Gebiet der Pflege der volkstümlichen Astronomie nicht geboten.“

So wird der gemeinnützige Verein mit seinen 82 ehrenamtlich tätigen – meist männlichen – Mitgliedern sich weiterhin aus Eintrittsgeldern, Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanzieren. Zuwendungen der Deutschen Klassenlotterie helfen dabei immer wieder bei wichtigen Anschaffungen.

 

Bruno H. Bürgel Sternwarte
Heerstraße 531
13593 Berlin
Tel.: 3636242

 

 

Ralf Salecker

 

 


Zu finden unter: FreizeitFreizeit & Sport

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